Ausgabe 04 | 2020

ARBEITSMARKT

Wallis

«Die Digitalisierung wurde stark beschleunigt»

Peter Kalbermatten ist Chef der Dienststelle für Industrie, Handel und Arbeit des Kantons Wallis und Präsident des Verbands Schweizerischer Arbeitsmarktbehörden (VSAA). Mit PANORAMA zieht er Bilanz zur Coronakrise.

Interview: Christine Bitz, PANORAMA-Redaktorin

Peter Kalbermatten: «Die Krise hat gezeigt, wie wichtig es ist, Online-Dienstleistungen für Stellensuchende anzubieten, um zeitaufwendige administrative Arbeiten ohne echten Mehrwert zu vereinfachen.» (Bild: zvg)

Peter Kalbermatten: «Die Krise hat gezeigt, wie wichtig es ist, Online-Dienstleistungen für Stellensuchende anzubieten, um zeitaufwendige administrative Arbeiten ohne echten Mehrwert zu vereinfachen.» (Bild: zvg)

PANORAMA: Wie sah seit Beginn der Krise Ihre Zusammenarbeit mit dem SECO und den anderen Kantonen aus? Peter Kalbermatten: Der Austausch erfolgte hauptsächlich über den VSAA. Für die Zusammenarbeit mit dem SECO wurde eine Arbeitsgruppe, bestehend aus den Leitern der Arbeitsämter der Kantone Aargau, Schwyz und Wallis, eingesetzt. In wöchentlichen Telefonkonferenzen konnten wir uns über die Probleme der Kantone austauschen, die in kleineren Kantonen – vertreten durch den Kanton Schwyz – anders waren als in Grosskantonen, vertreten durch den Kanton Aargau. Ich brachte die Fragen und Positionen der lateinischen Kantone in die Arbeitsgruppe ein.

Wie ist Ihre Dienststelle der Krise begegnet?
Die Bilanz fällt positiv aus, wir konnten bis Ende Mai 95 Prozent der eingereichten Anträge auf Kurzarbeitsentschädigung (KAE-Anträge) bearbeiten. Die Mobilisierung und das Engagement der Mitarbeitenden trugen dazu bei, dass die Dienststelle in Krisenzeiten funktionierte und die Anträge innert nützlicher Frist bearbeitet werden konnten. Die kurz aufeinanderfolgenden Anpassungen der Verordnungen des Bundesrats waren schwer umzusetzen und erforderten Klärungen vonseiten der Bundesbehörden, die manchmal aber nur zögerlich oder spät kamen.

Wie haben Sie diese Zeit intern erlebt?
Ab dem 15. März waren unsere Schalter geschlossen. Wir haben Homeoffice und ein Rotationssystem eingeführt. Das KAE-Team hat seine Arbeit vor Ort fortgesetzt. Normalerweise setzen wir weniger als ein Vollzeitäquivalent (VZÄ) für die Bearbeitung von KAE-Anträgen ein. Mit dem System, das wir in der Krisenzeit nutzten, konnten wir die Kapazitäten auf 25 VZÄ erhöhen. Alle Mitarbeitenden an der Front haben enormes Engagement und grosse Solidarität an den Tag gelegt. Ich muss aber sagen, dass eine digitale Bundesplattform, auf der die Arbeitgeber ihre Anträge hätten einreichen können, die Arbeit und die Entscheidungsfindung erheblich erleichtert hätten.

Wie wurde die Betreuung von Stellensuchenden gewährleistet?
Die Betreuung wurde telefonisch, per E-Mail und per Post sichergestellt. Wir mussten die Betreuung straffen und die Bearbeitungsfristen anpassen. Seit dem 25. Mai sind die Empfangs- und Anmeldeschalter der RAV wieder offen. Anfang Juni sind alle Mitarbeitenden an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt. Die Betreuung von Stellensuchenden erfolgt wieder wie gewohnt, ein paar Anpassungen waren angesichts des starken Anstiegs der Arbeitslosigkeit in unserem Kanton aber notwendig.

Haben Sie auch für AMM Homeoffice eingeführt?
Ja. Nach der Ankündigung des Lockdowns hat die AMM-Logistik Kontakt mit ihren Partnern aufgenommen, um die Möglichkeiten abzuklären. Am 1. April haben wir ein Online-Dispositiv mit etwa 20 Massnahmen eingeführt. Dank der grossen AMM-Palette (Sprachkurse, Lebenslauf erstellen, Kompetenzentwicklung, Motivationssemester, individuelles Coaching usw.) konnten Teilnehmende, deren Massnahme auf Eis gelegt war, weiter betreut werden. Überdies konnten wir auch neue Massnahmen für Versicherte erarbeiten, die sich in dieser Zeit arbeitslos meldeten. Die AMM-Logistik möchte nun auf der Grundlage einer Bedarfsanalyse und eines kantonalen Konzepts ein Online-Angebot entwickeln, das unabhängig von COVID-19 bestehen soll.

Wie ist Ihre allgemeine Sicht auf diese Zeit?
Aus arbeitsmarktpolitischer Sicht wurde die Digitalisierung stark beschleunigt. Ich glaube nicht, dass wir da wieder einen Schritt zurück machen werden. Die Krise hat gezeigt, wie wichtig es ist, Online-Dienstleistungen für Stellensuchende anzubieten, um zeitaufwendige administrative Arbeiten ohne echten Mehrwert zu vereinfachen. Auch die Telearbeit hat sich bewährt. Für die Umsetzung braucht es allerdings klare Regeln. Die Rückmeldungen der anderen Kantone gehen übrigens in die gleiche Richtung. Nun gilt es, aus diesen Erfahrungen Nutzen zu ziehen.

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