Ausgabe 03 | 2020

ARBEITSMARKT

Bericht

Qualität der Beschäftigung in der Schweiz

Eine Publikation des Bundesamtes für Statistik zur Entwicklung der Beschäftigungsqualität in der Schweiz zeigt ermutigende Trends auf, aber auch solche, die aufhorchen lassen.

Von Christine Bitz, PANORAMA-Redaktorin

In der Regel wird die Qualität der Beschäftigung anhand von sieben Analysebereichen untersucht: Sicherheit bei der Arbeit, Einkommen, Arbeitszeit und Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben, Arbeitsplatzsicherheit und soziale Sicherheit, sozialer Dialog, Qualifikationen und Weiterbildung sowie Beziehungen am Arbeitsplatz und Arbeitsmotivation. Der Bericht «Qualität der Beschäftigung in der Schweiz 2008–2018» des Bundesamtes für Statistik (BFS) stellt die wichtigsten Indikatoren dieser sieben Analysebereiche vor und zeigt einige erfreuliche Entwicklungen auf.

Hohe Arbeitsplatzsicherheit

In Sachen sichere Beschäftigungsverhältnisse ist die Schweiz eine Musterschülerin: Der Anteil der befristeten Arbeitsverträge ist gering (7% im Jahr 2018). Fast 60 Prozent der Erwerbstätigen arbeiteten zum Zeitpunkt der Befragung seit fünf oder mehr Jahren im gleichen Betrieb, weitere knapp 30 Prozent waren seit ein bis fünf Jahren beim gleichen Arbeitgeber beschäftigt. Zudem gaben 85 Prozent der Arbeitnehmenden an, sie hätten gar keine oder eher keine Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Rund 50 Prozent der befragten Personen (ca. 5% mehr als vor zehn Jahren) vermuteten, bei einem Stellenverlust sehr einfach oder ziemlich einfach wieder eine gleichwertige Stelle zu finden. Bei der Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben zeichnet sich ebenfalls ein positiver Trend ab. Innerhalb von zehn Jahren ging die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit um 28 Minuten auf 41,5 Stunden zurück. Atypische Arbeitszeiten (Wochenend-, Abend- und Nachtarbeit) waren rückläufig, während die flexiblen Arbeitszeiten weiter zunahmen. Im Jahr 2016 lag der standardisierte monatliche Bruttomedianlohn bei 6502 Franken, was einer Zunahme von 7,5 Prozent gegenüber 2008 entspricht. Gemäss BFS profitierten vor allem die unteren Lohnklassen von dieser Erhöhung. Eine Zunahme gab es auch bei der Erwerbsbeteiligung der Frauen, insbesondere bei der Erwerbstätigenquote von Müttern mit mindestens einem Kind unter sieben Jahren. Letztere stieg von 67 Prozent im Jahr 2008 auf 73 Prozent im Jahr 2018. Die Erwerbstätigenquote der Väter mit jüngstem Kind unter sieben Jahren blieb bei ca. 95 Prozent stabil.

Zunahme psychosozialer Risiken

Im Beobachtungszeitraum verringerte sich die Zahl der Berufsunfälle um 10 Prozent, und auch die Berufskrankheiten gingen zurück. Bei den psychischen Erkrankungen und den psychosozialen Risiken am Arbeitsplatz ging der Trend jedoch in die andere Richtung. 2017 gaben 20 Prozent der befragten Arbeitnehmenden an, sich bei der Arbeit immer oder meistens gestresst zu fühlen; das sind bis zu 3 Prozent mehr als 2012. Weitere 45 Prozent gaben an, manchmal Stress bei der Arbeit zu erleben (siehe Grafik). Der Anteil der Personen, die hohen Arbeitsanforderungen ausgesetzt sind, nahm ebenfalls leicht zu (auf 63,3% im Jahr 2017). Auch die zeitliche Arbeitsintensität ist in der Schweiz hoch: Jeder zweite Erwerbstätige gab an, unter hohem Zeitdruck zu stehen.

Heimarbeit vor und nach Corona

Im Jahr 2018 arbeiteten 28 Prozent der Arbeitnehmenden von zu Hause aus, die meisten davon weniger als die Hälfte ihrer Arbeitszeit. Forschende von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel haben die Auswirkungen der Corona-Massnahmen auf die verschiedenen Wirtschaftssektoren und Regionen der Schweiz untersucht. Anhand eines «Home-Office-Index» wird die Wahrscheinlichkeit eingeschätzt, mit der eine bestimmte Tätigkeit im Homeoffice ausgeübt werden kann. Die Analyse zeigt, dass die Wirtschaftsstruktur der Kantone Zürich, Zug, Basel-Stadt, Genf und Waadt am meisten Möglichkeiten für Homeoffice bietet.

Links und Literaturhinweise

BFS (2020): Qualität der Beschäftigung in der Schweiz 2008–2018. Neuenburg.
Faber, M., Ghisletta, A., Schmidheiny, K. (2020): Auswirkungen der Corona-Massnahmen auf die Erwerbstätigkeit in der Schweiz. Universität Basel.

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