Ausgabe 03 | 2020

BERUFSBILDUNG

Zwei Bundesämter engagieren sich für Umweltschutz

Damit Nachhaltigkeit Schule macht

Die Bildungsstellen der Bundesämter für Umwelt (BAFU) und für Energie (BFE) sowie das Klimaprogramm des Bundes machen gemeinsame Sache. Sie zielen darauf ab, Umwelt- und Klimaschutz sowie Energieeffizienz in der beruflichen Ausbildung zu verankern. Die zuständigen Fachpersonen arbeiten eng mit den Berufsverbänden zusammen.

Von Lucienne Rey, Wissenschaftsjournalistin

ASTAG und das Klimaprogramm haben ein Lehrmittel zu «Green Logistics» entwickelt. (Bild: zvg)

ASTAG und das Klimaprogramm haben ein Lehrmittel zu «Green Logistics» entwickelt. (Bild: zvg)

«Jeder Beruf zählt!» Unter diesem Motto luden Ende Januar 2020 die Bildungsstellen der Bundesämter für Umwelt (BAFU) und für Energie (BFE) die berufspädagogischen Begleiter zu einem Netzwerkanlass ein. Ziel der Zusammenkunft: eine Arbeitshilfe kritisch zu durchleuchten, die vom BAFU und vom BFE gemeinsam verfasst wurde, um Umwelt- und Klimaschutz sowie Energieeffizienz in den verschiedenen Branchen und Berufen besser zu verankern. Die neue Arbeitshilfe richtet sich branchenübergreifend und mit grundsätzlichen Überlegungen an externe Begleitungen sowie an verbandsinterne Projektleitungen von Berufsentwicklungsprozessen. Das ist ein Novum, denn bisher haben die Bildungsstellen jeweils auf Anfragen der Berufsverbände reagiert. «Etliche von ihnen sind bereits von sich aus aktiv geworden und integrieren Umwelt-, Klima- und Energiethemen in ihre Berufsentwicklungen und Ausbildungsgänge», hat Anna Wälty beobachtet, die im Klimaprogramm des BAFU für die Bildung verantwortlich ist. «Wir von den Bildungsstellen stehen zur Verfügung, wenn es darum geht, Berufsbilder im Hinblick auf ökologisches Handeln zu überprüfen oder Lehrmittel entsprechend zu ergänzen» (siehe Kasten).

Vom Ausbildungskonzept zum Lehrmittel

Bereits in der konzeptionellen Phase kann eine Trägerschaft die Unterstützung von Klimaprogramm und Umweltbildung respektive Energiebildung anfordern. «Immer öfter werden wir zu Stellungnahmen eingeladen, wenn Berufe weiter- oder neu entwickelt werden», sagt Anna Wälty. Das geschah beispielsweise, als der Schweizerische Nutzfahrzeugverband ASTAG die Berufsprüfung der Disponentinnen und Disponenten Transport und Logistik neu ordnete. Unter anderem empfahlen die Fachleute der Umweltbildung, das Thema «Green Logistics» dahingehend zu ergänzen, dass Angaben zu Treibstoff- und Energieeffizienz der verfügbaren Fahrzeuge im Einsatzplan zu berücksichtigen seien. In der Folge arbeiteten die ASTAG und das Klimaprogramm bei der Entwicklung des Lehrmittels zu «Green Logistics» eng zusammen. Es erläutert angehenden Berufsleuten auf anschauliche Art das Problem des Klimawandels. Etwa die Hälfte des Lehrmittels widmet sich konkreten Massnahmen. Dabei geht es beispielsweise darum, den Einsatz von Treibstoffen zu reduzieren oder Routen clever zu planen, um Transportkilometer und Leerfahrten zu vermeiden. Da die ASTAG viel in die fortlaufende Aktualisierung investiert, kann das Lehrmittel auch als Nachschlagewerk eingesetzt werden. Ausserdem wurde es ergänzt durch Fallbeispiele, Prüfungsaufgaben, ein E-Learning-Modul zur ökologischen Fahrweise bei Nutzfahrzeugen sowie einen Leitfaden für die Praxis. «So war es möglich, ein schönes Paket an didaktischen Materialien zu schnüren, um Klimaschutz und Energieeffizienz im Strassentransport zu verankern», sagt Anna Wälty. Mit einer nahe verwandten Branche, der Logistik, etablierte sich ebenfalls eine enge Zusammenarbeit: «Im Rahmen der Teilrevision ihrer Ausbildungsgänge konnten wir die Schweizerische Vereinigung für die Berufsbildung in der Logistik (ASFL SVBL) sowohl bei der Entwicklung ihrer Qualifikationsprofile für die verschiedenen Abschlüsse als auch bei der Erarbeitung von Lehrmitteln unterstützen. Bis voraussichtlich im Jahr 2021 werden die didaktischen Unterlagen für sämtliche Stufen der Logistikausbildung Klimaschutz und Energieeffizienz ausdrücklich thematisiert», so die Fachfrau. Nun sorgt sie auch dafür, dass in der Verbandszeitschrift regelmässig über die Fortschritte berichtet wird.

Zielgerichtete Empfehlungen

Um den angehenden Fachleuten die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten für Klima- und Umweltschutz sowie Energieeffizienz zu vermitteln, ist es unabdingbar, herauszufinden, wo in den jeweiligen Berufen Schnittstellen zu diesen Themen bestehen. Ein grundlegendes Werkzeug hierfür sind die Basisanalysen, die in den Bildungsstellen von BAFU und BFE erstellt werden und die einen Beruf gewissermassen durchleuchten. Ein Beispiel hierfür liefert die neulich erstellte Basisanalyse für das Maler- und Gipsergewerbe. Sie gibt einen Überblick über bestehende Gesetze und Verordnungen, listet Ökolabel auf, an denen sich Berufsleute bei der Wahl von Baumaterialien und Farben orientieren können, und klärt über die Auswirkung verschiedener Substanzen auf Umwelt, Klima, Energie- und Ressourcenverbrauch auf. Dabei behält sie den ganzen Lebenszyklus der Produkte im Blick und berücksichtigt allfällige Knackpunkte bei Abbau, Herstellung und Entsorgung der Materialien. Die Basisanalyse begnügt sich indes nicht damit, bestehende ökologische Schwierigkeiten im Maler- und Gipsergewerbe aufzuzeigen. Detaillierte Übersichten geben auch Aufschluss über den Handlungsbedarf und über Lösungsansätze. So wird darauf hingewiesen, dass Ölfarben in der Anwendung höhere Ansprüche stellen als andere Farben und daher entsprechende Weiterbildungen zu schaffen sind. Eine weitere Übersicht behandelt Zukunftstrends. So dürfte die Digitalisierung neuen Geschäftsmodellen und der Zusammenarbeit unter den Betrieben zugutekommen – etwa indem Apps das Teilen bzw. Weitergeben übrig gebliebener Farbe ermöglichen. In einem nächsten Schritt könnte die Basisanalyse als Fundament für eine nächste Aktualisierung der Bildungsgrundlage dienen und bei einer Kohärenzprüfung der Lehrmittel hinzugezogen werden. Aufgrund dieser Arbeiten können gegebenenfalls auch Kurs- und Schulunterlagen ergänzt und angepasst werden.Eine weitere Basisanalyse werden die Bildungsstellen auf Wunsch von Holzbau Schweiz für das eidgenössische Fähigkeitszeugnis der Zimmerleute erstellen. Die Untersuchung ermittelt die energie-, klima- und umweltrelevanten Aspekte des Berufs. «Auf dieser Basis könnten anschliessend entsprechende Kompetenzen im Bildungsplan formuliert und die Lehrmittel überprüft und allenfalls vervollständigt werden», erklärt Mirjam Tubajiki, die in der Sektion Umweltbildung des BAFU für die Berufsbildung zuständig ist. Bereits ergänzt wurde in Zusammenarbeit mit dem BFE die Grundbildung um ein Modul «Montage von Photovoltaik- und Solaranlagen» – ganz in Übereinstimmung mit dem Leitbild der Branche, die sich dazu bekennt, klima-, energie- und ressourceneffiziente Bausysteme zu fördern. Insbesondere mit Blick auf Berufsleute, die bereits in der Praxis tätig sind, ist auch der stetige Informationsaustausch von Bedeutung. Daher planen die Fachpersonen aus der Umwelt- und Energiebildung eine einjährige Artikelserie in den beiden Fachzeitschriften «Wir Holzbauer» und «First». Die Beiträge sollen nebst Berufsleuten in Holzbaubetrieben und der Zulieferindustrie der Holzbaubranche auch Architektinnen, Ingenieure und Berufstätige in verwandten Branchen erreichen. Der Information und dem fachlichen Austausch gewidmet sind auch Netzwerkanlässe, die von den Verantwortlichen der Bildungsstellen organisiert werden. Dazu gehört der erwähnte Workshop vom Januar 2020. Die Teilnehmenden erhielten die Gelegenheit, die von BAFU und BFE entwickelte Arbeitshilfe aus dem Blickwinkel verschiedener Berufe zu testen: Bei welcher Tätigkeit – etwa der des Kältesystemplaners, der Köchin oder der Pensionskassenleiterin – fallen die Themen Umwelt, Klima und Energie ins Gewicht? Gilt es, Aktivitäten am Arbeitsort selbst zu optimieren, oder muss eher die Wertschöpfungskette als Ganze im Blick behalten werden? Besteht unmittelbarer Handlungsbedarf, oder ist er in absehbarer Zukunft angesagt? Die Arbeitshilfe soll ab Frühsommer 2020 auf der Internetseite der Umweltbildung BAFU aufgeschaltet sein. Die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Berufen sei spannend gewesen, hielten die Teilnehmenden fest. Etwas mehr Zeit für die Diskussion wäre – wie so oft an solchen Veranstaltungen – erwünscht gewesen. Ein Fazit, das die Verantwortlichen der Umwelt-, Klima- und Energiebildungsstellen bestärkt: «Erfolgreiche Beispiele aus der Praxis und kollegialer Gedankenaustausch unter Fachleuten sind wichtige Ergänzungen zur konzeptionellen Arbeit und motivieren, sich im beruflichen Alltag für die ökologische Nachhaltigkeit einzusetzen», ist Anna Wälty überzeugt.

Links und Literaturhinweise

BAFU: www.bafu.admin.ch
BFE: www.energieschweiz.ch
Klimaprogramm: www.bafu.admin.ch

Kontakte:
BAFU: bildung@bafu.admin.ch, klimaprogramm@bafu.admin.ch
BFE: energiebildung@bfe.admin.ch

Kasten

Die Aufgaben der Bildungsstellen von BAFU und BFE

Die Bildungsstellen der Bundesämter für Umwelt (BAFU) und für Energie (BFE) tragen dazu bei, dass Schweizer Fachkräfte und Entscheidungsträger über die erforderlichen Kompetenzen zur nachhaltigen Nutzung von natürlichen Ressourcen wie Wasser, Luft, Boden oder Biodiversität, zum Klimaschutz sowie zur effizienten und nachhaltigen Energienutzung verfügen. Die Bildungsstellen stehen beratend zur Verfügung, wenn es darum geht, diese Themen in die beruflichen Grundbildungen und höheren Berufsbildungen zu integrieren. Des Weiteren unterstützen sie die Erarbeitung von Unterrichts- und Prüfungshilfen sowie die Konzeption von Weiterbildungskursen, beispielsweise für Fachlehrkräfte oder Prüfungsfachleute. Schliesslich stellen sie Grundlageninformationen sowie Beiträge in Verbandszeitschriften zur Verfügung und organisieren Netzwerkanlässe zum Erfahrungsaustausch.

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