Ausgabe 03 | 2020

Fokus "Slashing"

150 Prozent gefordert

«Ich habe Glück, denn ich mache, was ich liebe»

Diane Simon-Vermot bringt zwei selbstständige Tätigkeiten, ihr Familienleben und eine höhere Berufsbildung unter einen Hut. Die energiegeladene Frau gibt einen Einblick in ihren besonderen Alltag.

Interview: Laura Perret Ducommun, PANORAMA-Redaktorin

Diane Simon-Vermot: «Manchmal ist es schwierig, die beiden Tätigkeiten klar voneinander zu trennen.» (Bild: zvg)

Diane Simon-Vermot: «Manchmal ist es schwierig, die beiden Tätigkeiten klar voneinander zu trennen.» (Bild: zvg)

PANORAMA: Wie sehen Ihre beiden Berufstätigkeiten aus? Diane Simon-Vermot: 2019 habe ich das Wellness-Institut La parenthèse sereine in Cressier (NE) gegründet. Ich biete vier Therapien an: Access Bars, Metamorphose-Behandlung, Lahochi und Licht-Entspannungs-Therapie. Im gleichen Jahr habe ich überdies mit drei weiteren Gesellschaftern, unter anderem meinem Mann, die Firma Work Connection gegründet. Wir vermitteln Personal für Fest- und Temporäranstellungen über eine automatisierte Webplattform. Ich bin für die Finanzen, das Marketing und das Coaching zuständig. Ab August werde ich auch einen kaufmännischen Lernenden ausbilden.

Welche Verknüpfung gibt es zwischen Ihren Tätigkeiten?
Beide Tätigkeiten sind absolut unterschiedlich, und doch ergänzen sie sich. In meinem Wellness-Institut helfe ich mit meinen vier Therapien Menschen, höre ihnen zu und vermittle ihnen Wissen. Bei Work Connection helfe ich Menschen, die eine Stelle, einen Praktikumsplatz oder eine Lehrstelle suchen. Auch hier steht für mich der Mensch im Zentrum. Menschen helfen, ihnen zuhören, das ist der rote Faden, der sich durch meine Arbeit zieht. Das verschafft mir grosse Befriedigung und Freude.

Wie hoch ist Ihr Beschäftigungsgrad?
Diese Tätigkeiten fordern mich zu 150 Prozent. Aber das ist nicht Arbeit, das ist Leidenschaft. Tagsüber arbeite ich bei Work Connection, abends empfange ich meine Kundinnen in meinem Institut. Manchmal ist es schwierig, die beiden Tätigkeiten klar voneinander zu trennen. Ich arbeite 20 bis 40 Prozent in meinem Institut bei mir zu Hause, die restliche Arbeitszeit verbringe ich im Stellenvermittlungsbüro, das sich in einem Coworking-Space in Neuenburg befindet.

Bleibt Ihnen noch Zeit für ein Privatleben?
Ja. Ich bin verheiratet und Mutter von drei Kindern im Alter von 6, 10 und 13 Jahren. Zurzeit mache ich eine Ausbildung zur Personalassistentin mit Zertifikat, danach möchte ich den eidgenössischen Fachausweis HR-Fachfrau erlangen.

Wie läuft ein typischer Tag bei Ihnen ab?
Ich stehe jeden Morgen um 4.45 Uhr auf und bereite Körper und Geist auf den kommenden Tag vor. Ich mache 20 Minuten Sport, schreibe in mein Tagebuch, lese, visualisiere und meditiere. Ich konzentriere mich auf die Termine des Tages und den Tag mit den Kindern und plane alle meine beruflichen und privaten Tätigkeiten. Nach dem Duschen wecke ich die Kinder. Wir frühstücken gemeinsam, dann begleite ich sie zur Schule. Danach kann mein Arbeitstag beginnen. Wenn möglich, nehme ich das Mittagessen zu Hause mit den Kindern ein. Um etwa 16 Uhr verabschiede ich mich in den Feierabend und gehe nach Hause, um mit den Kindern Hausaufgaben zu machen. An zwei Abenden pro Woche bin ich in Neuenburg für meinen Vorbereitungskurs auf das Zertifikat.

Haben Sie noch Zeit für sich?
Ich habe jeden Morgen eine Stunde. In meiner Wochenplanung rechne ich Zeit für einen Kaffee mit einer Freundin ein oder plane Augenblicke ein, in denen ich mich nur um mich selbst kümmere, ohne Arbeit, ohne meinen Mann und die Kinder. Ich meditiere und mache nach dem Mittagessen einen 10-minütigen Powernap, wenn die Kinder in der Schule sind.

Welches sind die Herausforderungen Ihrer Lebensweise?
Es fällt mir manchmal schwer, meine Zeit einzuteilen und meine Woche zu planen. Ich muss bei der Terminplanung gut organisieren und Zeit für das Pendeln zwischen meinen beiden Arbeitsorten einrechnen. Meine beiden Agenden sind nicht miteinander synchronisiert, deshalb muss ich aufpassen, dass ich keine Terminkollisionen habe. Eine selbstständige Erwerbstätigkeit ist überdies mit gewissen Risiken verbunden. Ich habe kein festes Einkommen, mein Mann auch nicht. Man darf die Arbeitsstunden nicht zählen. Doch ich habe Glück, denn ich mache, was ich liebe.

Links und Literaturhinweise

www.la-parenthese-sereine.ch
www.work-connection.ch

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