Ausgabe 03 | 2020

Fokus "Slashing"

Aufträge über Jobportale

«Nur einen Klick entfernt»

Immer mehr Menschen suchen im Internet nach Jobs. Daraus können feste Arbeitsbeziehungen entstehen. Diese Beobachtung macht Ivo Blohm von der Universität St. Gallen.

Interview: Daniel Fleischmann, PANORAMA-Redaktor

Ivo Blohm ist Assistenzprofessor für Data Science und Management an der Universität St. Gallen. Er beschäftigt sich mit Themen wie Crowdsourcing und Internetökonomie. (Bild: zvg)

Ivo Blohm ist Assistenzprofessor für Data Science und Management an der Universität St. Gallen. Er beschäftigt sich mit Themen wie Crowdsourcing und Internetökonomie. (Bild: zvg)

PANORAMA: Mehrfachbeschäftigung nimmt zu. Was hat das mit dem Internet zu tun? Ivo Blohm: Im Internet finden wir viele Plattformen, die es sehr einfach machen, Jobs von zu Hause aus zu suchen und zu erledigen. Die Arbeit ist nur einen Klick entfernt – dank Internet hat sich ein neuer Arbeitsmarkt mit einer hohen Zugänglichkeit entwickelt.

Was sind das für Jobs?
Das reicht von der stupiden Kategorisierung von Bildern über Tätigkeiten wie dem Testen von Software bis hin zu Kreativaufträgen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie digital erledigt werden. Daneben gibt es auch physische Jobs über das Internet.

Findet man eher einfache oder anspruchsvolle Aufgaben?
Auf diesen Portalen kann man in kurzer Zeit einhundert Leute für einen Routinejob rekrutieren. Zugleich findet man hoch qualifizierte Leute, die ihr Kompetenzprofil, ihren Arbeitsort, bisherige Projekte oder ihre digitale Infrastruktur hinterlegt haben. Wir haben aber beobachtet, dass sich auch gut Ausgebildete zunächst durch einfache Arbeiten beissen müssen, bis sie besser bezahlte Aufträge erhalten. Häufig werden das dann ganz normale Geschäftsbeziehungen.

Mehrfachbeschäftigung ist oft das Ergebnis tiefer Löhne. Auch beim Clickworking?
Eine Studie von uns in Deutschland zeigt, dass rund die Hälfte der befragten Personen, die über Jobplattformen Aufträge suchen, einem regulären Haupterwerb nachgehen. Viele Betroffene sind zudem verrentet oder studieren. Die Mehrheit der Befragten hat ein eher hohes Bildungsniveau.

Aber den Lohnwettstreit mit Ländern wie Indien werden sie verlieren.
Auf digitalen Plattformen ist der Wettbewerber aus Indien genauso nah wie der eigene Nachbar, das stimmt. Aber häufig suchen Auftraggeber nicht den billigsten Anbieter, sondern eine langfristige Geschäftsbeziehung.

Wo sehen Sie die Chancen und Risiken von Clickworking?
Da sind neue Arbeitsmärkte entstanden, die leicht zugänglich sind. Arbeit liegt at my fingertips, und ich kann sie autonom gestalten. Aber viele Betroffene erleben diese Autonomie nicht richtig, weil die Aufträge am Anfang häufig wenig attraktiv sind. Zudem besteht das Risiko der schlechten Bezahlung.

Welche Bedeutung haben Stellenportale in Zukunft?
Der Geist ist aus der Flasche, das zeigt auch der Blick in andere industrialisierte Länder. In Deutschland arbeiten laut Schätzungen 1,1 Millionen Clickworker.

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