Ausgabe 02 | 2020

BERUFSBILDUNG

Neues Buch von Emil Wettstein

So entstand die Schweizer Berufsbildung

Das neue Buch zur Entwicklung der Berufsbildung dürfte zusammen mit seinem Materialienkorpus zu einem Standardwerk werden.

Interview: Daniel Fleischmann, PANORAMA-Redaktor

Emil Wettstein: «Milizsystem bewahren.» (Bild: Foto Welti)

Emil Wettstein: «Milizsystem bewahren.» (Bild: Foto Welti)

PANORAMA: Sie haben eine Geschichte der Berufsbildung in der Schweiz geschrieben. Was ist Ihnen besonders aufgefallen? Emil Wettstein: Ich will zwei Dinge erwähnen. Berufliche Bildung gibt es schon sehr lange. Und schon in der Antike gab es die zwei Wege der beruflichen Grundbildung, die wir noch heute kennen: einen betrieblich und einen schulisch organisierten Weg. Zum anderen fiel mir die grosse Bedeutung der Gewerbemuseen auf. Sie entstanden parallel zu den Berufsschulen ab Ende des 19. Jahrhunderts als Sammlungen von Modellen und Mustern, aus dem Ausland importiert als (Kopier-)Vorlagen für interessierte Handwerker. Sie stehen damit für den Anfang der beruflichen Weiterbildung. Aus ihnen entstanden Museen für Gestaltung, Lehrwerkstätten, Institutionen der höheren Berufsbildung und Hochschulen.

Ihr Buch umspannt eine über130 Jahre alte Entwicklung. Da könnte man sich in Details verlieren.
Vielleicht ist das einer der Gründe, warum es kaum neuere Gesamtdarstellungen der Entwicklung der Schweizer Berufsbildung in deutscher Sprache gibt. Ich habe mich um eine gute Strukturierung bemüht: Den Anfang des Buches bildet ein 40-seitiger Überblick, an den 150 Seiten Vertiefungen anschliessen. Ein Materialienband, im Internet kostenlos abzurufen, enthält unter anderem rund 1000 Einträge mit Detailinformationen und Quellen, die man über eine Volltextsuche erschliessen kann.

Sie verzichten im Buch ausdrücklich auf einen Blick in die Zukunft. Aber vielleicht können Sie Felder nennen, die Aufmerksamkeit verlangen.
Die Berufsbildung ist in den letzten Jahren stark professionalisiert worden. Das hat seine Berechtigung. Zugleich berührt diese Entwicklung aber eine der zentralen Eigenheiten der Berufsbildung, die grosse Bedeutung der Milizpersonen bei der Definition, Durchführung und Überprüfung der Aus- und Weiterbildung. Die Verantwortung muss bei den Fachleuten des jeweiligen Berufes bleiben. Das ist ein erster Punkt. Ein zweiter: Das Schweizer System der beruflichen Aus- und Weiterbildung entstand als Massnahme zum Erhalt der internationalen Konkurrenzfähigkeit von Gewerbe und Landwirtschaft. Sie orientiert sich deshalb bis heute an den Bedürfnissen der Arbeitswelt. Gemäss Verfassung ist sie seit 1999 nicht mehr der Wirtschaft zugeordnet, sondern Teil des Bildungsraumes Schweiz. Dies hat seine Richtigkeit. Trotzdem muss ihr enger Bezug zur Arbeitswelt, der sich sowohl in der Zielsetzung, in der Dynamik, in der Durchführung und in der Qualitätssicherung äussert, erhalten bleiben.

Links und Literaturhinweise

Wettstein, E. (2020): Berufsbildung – Entwicklung des Schweizer Systems. Bern, hep verlag.

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