Ausgabe 05 | 2019

BERUFSBERATUNG

cinfo

Coaching im Bereich der internationalen Zusammenarbeit

Nicht immer ist es in der internationalen Zusammenarbeit (IZ) einfach, das Gleichgewicht zwischen der Arbeitsrealität und den persönlichen oder familiären Rahmenbedingungen zu finden. Das kann zu Frustration und zum Hinterfragen der Arbeit führen. Ein Coaching kann Interessierten weiterhelfen.

Von Daniel Glinz, Senior Berater und Trainer bei cinfo

cinfo ist das Kompetenzzentrum für Information, Beratung und Ausbildung im Bereich der internationalen Zusammenarbeit (IZ). Die IZ umfasst insbesondere die humanitäre Hilfe, die wirtschaftliche Zusammenarbeit, die Entwicklungszusammenarbeit und die Friedensförderung. In den von cinfo organisierten Ausbildungen werden Personen, die in der IZ tätig sein möchten, in interkultureller Kommunikation, Leadership und Teamleitung auf Distanz geschult, also in Bereichen, die für die IZ besonders wichtig sind. Weiter werden sie vor dem Einsatz im Feld für Themen wie Sicherheit und Umgang mit Stress sensibilisiert. 2018 hat cinfo 286 Personen im Rahmen eines Coachings beraten und dafür 444 Gesprächsstunden aufgewendet. Das Coaching richtet sich an Personen, die Interesse an der IZ haben oder bereits in der IZ tätig sind. In diesem Tätigkeitsgebiet gibt es nicht immer eine klare Abgrenzung zwischen Privat- und Berufsleben. Wer eine Karriere in der IZ anstrebt, sucht nicht einfach nach einem Broterwerb, sondern nach einer Arbeit mit Sinn. Deshalb spricht der Coach mit den Klienten immer zuerst über ihre Werte, ihre Motivation und ihren inneren Antrieb. Dieser ganzheitliche Ansatz ist Coaching und Beratung in einem und schafft eine solide Grundlage, um in einem weiteren Schritt auf Fragen zur beruflichen Laufbahn und zum Lebenslauf in der IZ einzugehen.

Den nächsten Schritt planen

Organisationen im IZ-Bereich werden immer zahlreicher und vielseitiger. Die Palette reicht von kleinen und grossen NGO über Agenturen der Vereinten Nationen und Regierungsorgane bis hin zu internationalen Finanzinstitutionen sowie privaten Stiftungen und Akteuren. Laufbahnfragen können immer auftauchen, unabhängig vom Arbeitgeber und vom Arbeitsort (am Sitz der Organisation oder im Feld). Meist machen sich unsere Klienten und Klientinnen über den nächsten Schritt Gedanken, manchmal auch über ihre berufliche Laufbahn als Ganzes. Eine Person etwa, die eine Arbeit als Projektkoordinatorin in Lateinamerika anstrebt, sollte sich unbedingt mit dieser Tätigkeit auseinandersetzen, bevor sie den Schritt nach Lateinamerika wagt. Ein Coach mit Felderfahrung kann ihr helfen, sich der Chancen und Herausforderungen bewusst zu werden, die ein solcher Schritt birgt. Letztlich kann eine vollumfänglich informierte Klientin besser abschätzen, ob sie wirklich bereit ist für die Herausforderung in einem solchen Umfeld. Bei diesem Prozess kommt den Coaches von cinfo eine wichtige Rolle zu. Sie unterstützen ihre Klientinnen und Klienten gezielt beim Entwerfen ihrer beruflichen Zukunft. Eine Karriere ist eher mit einem Fluss vergleichbar als mit einer strengen Konstruktion – es gibt Windungen, Stromschnellen, stehendes Wasser usw. Kurse und Praktika können helfen, ein gestrandetes Schiff wieder flottzumachen.

Der Ruf der inneren Stimmen

Wie in den meisten anderen Lebenssituationen stehen auch hinter dem Wunsch, in der IZ tätig zu sein oder zu werden, die unterschiedlichsten Gründe, Bedürfnisse und Vorstellungen, die zu einem Konzert der «inneren Stimmen» verschmelzen. Diese Stimmen können einander auch zuwiderlaufen. Um die berufliche Zukunft in der IZ planen zu können, muss man in sich hineinhören und herausfinden, welche dieser innersten Wünsche, Bedürfnisse und Vorstellungen vorherrschen und wie man den weniger dominanten inneren Stimmen gerecht wird, die ebenfalls Teil der Persönlichkeit sind. Welche inneren Stimmen ertönen in einem Menschen, der sich in der humanitären Hilfe oder der Entwicklungszusammenarbeit engagieren möchte? Oft nehmen die Coaches von cinfo einen besonders lauten Ruf wahr, der ihre Klientinnen antreibt, sich für die Schwächsten, für Opfer von bewaffneten Konflikten und Katastrophen usw. einzusetzen. Man könnte diese Stimme auch als den inneren «Henri Dunant» bezeichnen. Viele hören die Stimme «Greta Thunberg» und möchten sich für nachhaltige Entwicklung einsetzen, andere wiederum treibt der innere «Indiana Jones» an, sie werden getrieben von der Freude am Abenteuer und der Lust auf das Unbekannte. Es gibt auch die etwas leiseren inneren Stimmen. Meistens handelt es sich hier um Wünsche privater Natur, so etwa den Wunsch nach einer Familiengründung, einem sicheren, stabilen und gemütlichen Nest, nach einem regelmässigen Einkommen und einem gesicherten Ruhestand. Zu ihnen gesellen sich weitere Stimmen, von «Zorro» über «Charlie Chaplin» bis «Konfuzius», doch welcher dieser inneren Mitspieler hat nun bei der Planung der nächsten Karriereschritte das letzte Wort? Welcher dieser Stimmen muss man folgen, damit sie nicht protestiert oder gar das ganze Projekt zum Scheitern bringt?

In der Schweiz oder im Ausland?

Im Coaching durch cinfo erhalten Interessierte umfassende Orientierung über das immer vielfältigere Universum der internationalen Zusammenarbeit. Meistens setzen Interessierte ein Engagement in der IZ mit einem Auslandsaufenthalt gleich. Tatsache ist aber, dass es in der Schweiz ebenso viel Arbeit gibt wie am anderen Ende der Welt, so etwa in den Bereichen Konzeption, Management, Ausbildung, Kommunikation, Politik oder Logistik von IZ-Projekten. Um den Klienten und Klientinnen den Weg bestmöglich zu weisen, stellen ihnen die Coaches von cinfo verschiedene Fragen, so etwa: «Möchten Sie lieber in einer grossen internationalen Organisation, in einer kleineren NGO oder bei einer privaten Stiftung arbeiten? In einer Grossstadt oder im Feld? Arbeiten Sie lieber im Büro, am Computer, möchten Sie Daten analysieren, Berichte erstellen, oder suchen Sie den direkten Kontakt mit den Menschen vor Ort?»

Auch per Skype und WhatsApp

cinfo berät über Skype und WhatsApp auch Personen, die bereits in der IZ arbeiten, meistens im Feld. Sie alle beschäftigt die Frage, wie sie ihre Karriere vorantreiben können: Welche Zusatzausbildungen oder Weiterbildungen soll ich absolvieren? Welche Erfahrungen brauche ich, um weiterzukommen und mehr Verantwortung zu übernehmen? Wie gelingt mir der Einstieg in einen neuen Tätigkeitsbereich? Die häufigste Frage ist auch die schwierigste: Welche Möglichkeiten für die Zukunft sehen Sie angesichts meiner Kompetenzen und meiner Laufbahn? Zu den wiederkehrenden Anliegen gehören auch die endgültige Rückkehr in die Schweiz und die Pensionierung. Der rasche und tiefgreifende Wandel des Arbeitsmarkts macht es praktisch unmöglich, in die Zukunft zu blicken. Deshalb ist es den Coaches von cinfo wichtig, zuerst die Werte, Ziele und Motivation ihrer Klientinnen zu identifizieren, bevor sie mit ihnen über die nächsten Karriereschritte sprechen. Die Coaches sind keine Zukunftsforscher zum Thema Arbeitsmarkt, sondern eher Geburtshelfer: Sie helfen dem Projekt, für das sich ihre Klienten unbewusst bereits entschieden haben, auf die Welt.

Ein Problem lösen

Personen, die ein Coaching bei cinfo in Anspruch nehmen, wollen ein bestimmtes Problem lösen, meistens in den Bereichen Management, Konfliktbewältigung oder Interaktion mit Menschen unterschiedlicher soziokultureller Herkunft, oder sie brauchen Unterstützung bei der Anpassung an eine neue Organisationskultur. Manchmal haben diese Personen ein bestimmtes Ziel vor Augen, wollen etwa ein Gleichgewicht finden zwischen dem Privatleben und den Anforderungen, die eine Mission in der IZ an sie stellt, oder sie möchten ihre unterschiedlichen Lebenspläne priorisieren usw. Bei cinfo werden auch berufserfahrene Personen beraten, die es leid sind, für ein gewinnorientiertes Unternehmen zu arbeiten und stattdessen eine sinnvollere und befriedigendere Arbeit anstreben. Auch für sie eignet sich eine Kombination aus Beratung und Coaching, in die Überlegungen zu den persönlichen Werten und Zielen der ratsuchenden Person einfliessen.

Links und Literaturhinweise

www.cinfo.ch/de > Coaching & Training

3 Fragen

Effiziente Unterstützung

Valérie Davidoff, ehemalige Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen (MSF)

(Bild: zvg)

Wie sieht Ihr Werdegang aus? Ich habe Anthropologie studiert, weil ich mich im humanitären Bereich engagieren wollte. Bei den Recherchen zu meiner Masterarbeit lernte ich im Niger Teams von Ärzte ohne Grenzen (MSF) kennen. Daraufhin habe ich ein paar Jahre Feldarbeit für MSF geleistet. Dabei war ich insbesondere für Gesundheitsförderung und Projektkoordination zuständig. Nach einem Masterstudium in humanitärer Hilfe habe ich eine Babypause eingelegt. Danach arbeitete ich am Sitz von MSF in Genf im Bereich Laufbahnplanung für Expats. Doch nach drei Jahren hatte ich wieder Lust auf eine Tätigkeit, die mehr mit meinem Studium zu tun hat, und auf die Arbeit im Feld. Und so habe ich ein Coaching bei cinfo in Anspruch genommen.

Wie ist das Coaching abgelaufen?
Es war sehr effizient! Ich wollte mit einer Stunde Telefoncoaching beginnen und dann sehen, ob mehr nötig ist. Doch das hat gereicht. Ich musste mir vorgängig viele Gedanken über meine Laufbahn, meine Ziele und meine Motivation machen. Die Beraterin von cinfo hat mich bei meinem Entscheid zur Veränderung unterstützt. Sie hat auch mein Selbstvertrauen gestärkt, mir gezeigt, dass ich die notwendigen Kompetenzen mitbringe, und mich ermutigt, den Schritt zu wagen.

Wo arbeiten Sie heute?
Ich habe sehr schnell eine neue Stelle im Hospice général von Genf gefunden, wo ich mit Migrantinnen und Migranten arbeite. (aw)

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PANORAMA Nr. 6 | 2019 mit dem Fokus «Steigende Anforderungen» erscheint am 13. Dezember.