Ausgabe 04 | 2019

Fokus "Interkulturalität"

Höhere Berufsbildung

Interkulturelles Dolmetschen und Vermitteln

Interkulturelle Dolmetscherinnen und Vermittler schlagen Brücken zwischen verschiedenen Sprachen und Kulturen. Was hat es mit diesem Beruf auf sich, und welche Ausbildungsabschlüsse gibt es?

Von Isabelle Wienand, Interpret

In einem mehrsprachigen und multikulturellen Land wie der Schweiz leisten interkulturelle Dolmetscherinnen und Vermittler mit anerkannter Ausbildung einen wesentlichen Beitrag zu einer guten Verständigung zwischen Personen mit Migrationshintergrund und schweizerischen Institutionen wie Spitälern, Schulen, Sozialdiensten usw.

Zwei unterschiedliche Tätigkeiten

Interkulturelles Dolmetschen heisst nicht, jedes Wort eins zu eins in eine andere Sprache zu übertragen. Das könnte auch ein Übersetzungsprogramm. Interkulturell Dolmetschende und Vermittelnde übersetzen eine Aussage sinngemäss in eine andere Sprache und sind in der Lage, im Austausch zwischen Gesprächspartnern unterschiedlicher Herkunft kulturelle Konnotationen richtig zu deuten und zu vermitteln. Dabei handeln sie nach berufsethischen Grundsätzen und halten sich insbesondere an ihre Schweigepflicht. Das Beherrschen von zwei Sprachen allein reicht für eine professionelle Ausübung des Berufs nicht aus, vielmehr bedarf es einer fundierten Ausbildung. Der schweizweit tätige Verein Interpret setzt sich seit vielen Jahren für die Qualifikation und Professionalisierung des interkulturellen Dolmetschens und Vermittelns ein. Interkulturelles Dolmetschen bezeichnet die mündliche Übertragung (in der Regel Konsekutivdolmetschen, das heisst im Wechsel mit dem Sprecher) des Gesprochenen von einer Sprache in eine andere unter Berücksichtigung des sozialen und kulturellen Hintergrunds der Gesprächsteilnehmenden. Es findet in einer Trialogsituation – einem «Dialog zu dritt» – statt. Dabei kann die/der interkulturell Dolmetschende physisch vor Ort sein oder via Telefon zugeschaltet werden. Als interkulturelles Vermitteln wird die Vermittlung von Wissen und Informationen zwischen Angehörigen verschiedener Lebenswelten bezeichnet. Zu den Aufgaben von interkulturellen Vermittlerinnen und Vermittlern gehört auch die Begleitung und Beratung von Personen mit Migrationshintergrund.

Abschlüsse und Kompetenzen

Das Ausbildungs- und Qualifizierungssystem von Interpret besteht seit 2004 und ist in das schweizerische System der höheren Berufsbildung eingebettet. Es kombiniert Ausbildung und praktische Erfahrung und führt zu zwei Abschlussniveaus: einem Branchenzertifikat und einem eidgenössischen Fachausweis. Das schweizerische Zertifikat Interpret für interkulturell Dolmetschende bescheinigt folgende Kompetenzen: Kenntnisse in einer örtlichen Amtssprache (Deutsch, Französisch, Italienisch, mindestens Niveau B2) und der Dolmetschsprache (mindestens Niveau C1); Techniken des Konsekutivdolmetschens; Kenntnisse der Strukturen der Schweiz und des Herkunftslands, vor allem im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesen; Kommunikations- und transkulturelle Kompetenzen; Reflexionsfähigkeit und Berufsethik. Der eidgenössische Fachausweis als Fachperson für interkulturelles Dolmetschen und Vermitteln befähigt die Inhaberinnen und Inhaber zur Dolmetsch- und Vermittlungstätigkeit in verschiedensten Bereichen. Die Fachpersonen sind in der Lage, ihre interkulturellen Kompetenzen in den verschiedensten Rollen und Situationen einzusetzen. Die Berufsprüfung findet einmal jährlich statt und setzt sich aus vier Teilen zusammen: schriftlicher Prüfungsarbeit; mündlicher Präsentation der Prüfungsarbeit und Fachgespräch; Fachgespräch zum Verhalten in anspruchsvollen beruflichen Situationen; praktischer Prüfung mit Dolmetschsituation im Trialog. Interpret gewährleistet, dass die Normen und Richtlinien zu den verschiedenen Abschlussniveaus eingehalten werden und mit der beruflichen Realität übereinstimmen.

Links und Literaturhinweise

www.inter-pret.ch

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