Ausgabe 03 | 2019

BERUFSBERATUNG

Wiedereinstieg

So kommen die Mütter zurück

Eine Befragung von mehr als 350 Müttern ging der Frage nach, welche Faktoren zu einem erfolgreichen Wiedereinstieg ins Unternehmen nach einer Mutterschaftspause beitragen.

Von Patricia Palffy, Stefanie Philipp und Maike Debus, Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Zürich

(Illustration: Andrea Lüthi)

(Illustration: Andrea Lüthi)

Die Erwerbstätigkeit von Müttern ist im letzten Vierteljahrhundert deutlich angestiegen. In der Schweiz nehmen heute sechs von sieben Frauen nach einer Mutterschaftspause wieder aktiv am Arbeitsmarkt teil. Die Rückkehr zur Arbeit stellt für die Mütter eine herausfordernde Lebensphase dar, da sie sich bei der Arbeit wieder einleben müssen und gleichzeitig durch das Arbeits- und Familienleben doppelt belastet sind. In einer Längsschnittstudie haben wir 364 Frauen befragt, die innerhalb der letzten zwölf Monate nach einer Mutterschaftspause wieder zu ihrem bisherigen Arbeitgeber zurückgekehrt sind. Das Ziel der qualitativen und quantitativen Befragung war es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche Faktoren einen erfolgreichen Wiedereinstieg ins Unternehmen erschweren beziehungsweise erleichtern. Ein erfolgreicher Wiedereinstieg zeichnet sich dadurch aus, dass die Mütter wieder gut in ihr Arbeitsteam integriert sind, sich gut eingearbeitet haben und ihnen ihre Arbeit Freude bereitet. Mütter, denen der Wiedereinstieg gut gelungen ist, bedauern ihre Rückkehr zur Arbeit nicht und denken selten daran, ihre aktuelle Arbeitsstelle aufzugeben.

Die grössten Hürden

Die Ergebnisse der Befragung weisen darauf hin, dass die Betreuungssituation der Kinder eine zentrale Hürde für Wiedereinsteigerinnen sein kann. Sind Mütter mit der Betreuungssituation unzufrieden, fällt ihnen der Wiedereinstieg schwerer. Auch der zeitliche Aufwand im Zusammenhang mit der Kinderbetreuung und insbesondere starre Abholzeiten erschweren das erneute Einleben bei der Arbeit. Krankheiten der Kinder stellen eine weitere Hürde dar, da diese mit einer Mehrfachbelastung der Mütter, mit Betreuungsengpässen und oftmals mit eigener körperlicher Erschöpfung einhergehen. Wiedereinsteigerinnen machen sich auch häufig Sorgen rund um das Stillen und Abpumpen von Muttermilch. Oft haben die Mütter Angst, dass das Kind die Flasche verweigert. Es ist ihnen unklar, ob ein Platz zum Abpumpen zur Verfügung steht, und sie sorgen sich, durch das Abpumpen zu viel Zeit zu verlieren. Weitere Hürden sind Vorgesetzte ohne Verständnis für die Herausforderungen des Wiedereinstiegs sowie Zeitdruck und wenig Handlungsspielraum bei der Arbeit.

Erleichternde Faktoren

Eine familienfreundliche Unternehmenskultur ist einer der stärksten Einflussfaktoren für einen gelungenen Wiedereinstieg. Unter anderem erleichtern flexible Arbeitsbedingungen (zum Beispiel die Möglichkeit zu Home-Office und flexiblen Arbeitszeiten) die Rückkehr zur Arbeit. Auch Eigenschaften und Verhaltensweisen der Mütter bestimmen den Erfolg des Wiedereinstiegs mit. Eine zentrale Rolle spielt die berufsbezogene Selbstwirksamkeit. Sie bezeichnet den Glauben an die eigene Fähigkeit, berufliche Herausforderungen zu meistern und die berufliche Laufbahn erfolgreich zu verfolgen. Frauen mit hoher berufsbezogener Selbstwirksamkeit gehen effektiver mit Schwierigkeiten bei der Arbeit um und geben bei drohendem Misserfolg weniger schnell auf, wodurch ihnen der Wiedereinstieg mit all seinen Herausforderungen leichter fällt. Es lohnt sich für Wiedereinsteigerinnen, bei der Arbeit aktiv zu werden und sich zu engagieren. Frauen, die sich freiwillig engagieren, indem sie beispielsweise ihre Arbeitskolleginnen und -kollegen unterstützen, sind in der Folge stärker im Team integriert. Weitere Faktoren, die den Wiedereinstieg nach einer Mutterschaftspause erleichtern, betreffen die Partnerschaft. So nannten viele Frauen die Unterstützung in der Partnerschaft als zentralen Faktor, der ihnen die Rückkehr zur Arbeit erleichterte. Dies wurde durch die quantitative Analyse bestätigt: Die Beteiligung des Partners an der Kinderbetreuung hing positiv mit einem erfolgreichen Wiedereinstieg zusammen.

Links und Literaturhinweise

www.psychologie.uzh.ch

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