Ausgabe 02 | 2019

Fokus "Soft Skills"

Soft Skills werden bei der Stellensuche immer wichtiger

Die Bedeutung von Soft Skills auf dem Arbeitsmarkt hat in den letzten Jahren stetig zugenommen, wie die Analyse von Stelleninseraten zeigt. Richtig Karriere machte in den letzten Jahren die Forderung nach einem hohen inneren Antrieb. Zugleich steigen aber auch die Ansprüche an fachliche Kompetenzen und Erfahrung.

Von Ann-Sophie Gnehm, Stellenmarkt-Monitor Schweiz

(Bild: Adrian Moser)

(Bild: Adrian Moser)

Für die Analyse der Bedeutung von Soft Skills auf dem Schweizer Arbeitsmarkt sind Stelleninserate eine ideale Quelle. Der Stellenmarkt-Monitor Schweiz basiert auf dieser Grundlage. Mit seinen Daten legte Alexander Salvisberg 2012 eine erste, umfassende Analyse vor und belegte eine eindrückliche Steigerung der Nachfrage nach Soft Skills auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung aktualisieren wir diese Analyse auf der Basis von rund 35'000 Stelleninseraten (1990 bis 2017); eine ausführliche und mit Grafiken ergänzte Version dieser Arbeit ist im Internet zu finden. Wir unterscheiden drei Arten von Soft Skills:
– Methodenkompetenzen (kognitive, unternehmerische und innovatorische Fähigkeiten, Effektivität und Flexibilität)
– Sozialkompetenzen (Umgänglichkeit, Kooperations- und Kommunikationsfähigkeiten, Durchsetzungskraft)
– Selbstkompetenzen (Verlässlichkeit, Einsatzwille und inneren Antrieb)

Allgemein steigende Anforderungen

Seit 1990 nimmt der Anteil Stelleninserate, die Soft Skills fordern, stark und kontinuierlich zu, von gut 45 Prozent auf über 80 Prozent im Jahr 2017. Dabei sind Methoden-, Selbst- und Sozialkompetenzen gleichermassen gefragt. Gleichzeitig gewinnen auch formale Ausbildungsabschlüsse an Bedeutung: Der Anteil Inserate, die eine Ausbildung auf Sekundarstufe II oder höher verlangen, nimmt ähnlich stark zu wie der Anteil der Inserate, die Soft Skills verlangen. Auch Berufserfahrung wird immer wichtiger: 2017 fordern zwei Drittel der ausgeschriebenen Stellen Erfahrung. Die steigende Nachfrage von Soft Skills ist daher nicht als isoliertes Phänomen zu verstehen, sondern als Teil insgesamt immer anforderungsreicherer Stellenprofile. Zudem gilt weiterhin die Feststellung von Salvisberg, dass Anforderungen meist kumulativ gestellt werden: Je höher die geforderte Ausbildung, desto eher werden auch Soft Skills verlangt. Bei Stellen, die eine Tertiärausbildung voraussetzen, werden 2017 für gut 90 Prozent auch Soft Skills verlangt, für Stellen ohne Ausbildungsanforderung beträgt der Anteil unter 80 Prozent. Ebenso sind Stellen, die Berufserfahrung voraussetzen, häufiger mit Anforderungen im Bereich der Soft Skills verbunden als Stellen für neu in den Beruf einsteigende Personen (87% gegenüber 73%). Die immens steigende Nachfrage nach Soft Skills kann somit mit zwei Entwicklungen in Verbindung gebracht werden: Erstens werden auch für Stellen mit tieferen formalen Anforderungen immer häufiger Soft Skills nachgefragt. Zweitens steigen die Bildungsanforderungen für immer mehr Stellen und damit einhergehend auch die Anforderungen in den Soft Skills.

Variationen nach Ausbildungsniveau

Im Zusammenhang mit dem erforderlichen Bildungsniveau steht nicht nur, ob Soft Skills verlangt werden, sondern auch, welche. Methodenkompetenzen wie Innovationsfähigkeit, unternehmerische und kognitive Fähigkeiten gewinnen alle an Bedeutung. Noch stärker aber ist seit 2000 die Nachfrage nach Effektivität und Flexibilität auf allen Anforderungsstufen gestiegen, am stärksten in Inseraten, die keinen Tertiärabschluss verlangen. Bei höheren Bildungsanforderungen sind daneben auch Ansprüche an kognitive und unternehmerische Fähigkeiten sehr verbreitet (rund 30% der Stellen). Innovatorische Fähigkeiten werden etwas seltener genannt, dennoch ist der Anteil mit fast 25 Prozent eindrücklich hoch. Dies können Hinweise darauf sein, dass sich Gestaltungspotenziale, die mit neueren Formen der Arbeitsorganisation einhergehen, ungleich verteilen: Arbeitnehmende mit höherer Bildung erhalten eher Spielräume, die sie innovativ und unternehmerisch nutzen sollen. Im grösseren Teil des Arbeitsmarkts wird jedoch Leistung im Sinne von Effektivität und flexibler Anpassung verlangt. Trotzdem bleiben Effektivität und Flexibilität auch auf höchster Qualifikationsstufe wichtiger als innovatorische Fähigkeiten. Auch hier sind offenbar Anpassungsleistungen an Neuerungen gefordert, die man nicht selbst in der Hand hat. Bei den Sozialkompetenzen gewinnen insbesondere Fähigkeiten zur Kommunikation, Zusammenarbeit und Umgänglichkeit an Bedeutung. Demgegenüber ist die Nachfrage nach Durchsetzungskraft seit 2012 nochmals etwas gesunken, und zwar auf allen Anforderungsstufen. Bei Leitungspositionen ist der Anteil Stellen, die Kommunikationsfähigkeit erfordern, 2017 mit 45 Prozent höher als der Anteil Stellen, die Durchsetzungskraft verlangen (35%). Beeindruckend ist auch, dass für mehr als jede fünfte Leitungsposition eine umgängliche und kooperative Person gesucht wird. Auch Vorgesetzte müssen also ihre Ideen erklären, integrativ wirken und Bedürfnisse der Belegschaft wahrnehmen. Der innere Antrieb ist nicht nur die wichtigste Selbstkompetenz, sondern auch die häufigste in Stelleninseraten formulierte Soft Skill überhaupt. Während der innere Antrieb 1990 nur in 10 Prozent aller Inserate erwähnt wurde, sind es 2017 rund 40 Prozent. Insbesondere bei Stellen mit höheren Bildungsanforderungen werden selbstmotivierte Arbeitskräfte gesucht, die sich weniger an externen Zielvorgaben orientieren, sondern ihre Arbeitskraft möglichst selbstständig steuern. Einsatzwille im Sinne von Pflichterfüllung hat demgegenüber kaum mehr Bedeutung. Bemerkenswert ist auch, dass Verlässlichkeit wieder stärker als vor zwanzig Jahren gefragt ist, nachdem diese Eigenschaft jahrzehntelang an Bedeutung verlor. Möglich, dass der Wert von Tugenden wie Seriosität, Gewissenhaftigkeit und Ehrlichkeit in Zeiten zahlreicher Betrugsskandale den Unternehmen wieder stärker bewusst ist.

Unterschiedliche Anforderungen nach Berufsgruppen

Die mit dem Stellenmarkt-Monitor Schweiz erhobenen Daten sind so differenziert, dass sie auch Analysen nach Berufsgruppen erlauben, wie an dieser Stelle exemplarisch gezeigt wird. So ist der innere Antrieb die meistgenannte Anforderung in den Berufen des Handels und Verkaufs, der Technik und Naturwissenschaften, des Bereichs Finanz und Treuhand sowie in Berufen des Unterrichts, der öffentlichen Dienste und Kultur. Demgegenüber werden in den Berufsgruppen Industrie und Transport, Bau sowie Büro und Verwaltung Effektivität, Flexibilität und Verlässlichkeit am häufigsten verlangt. Interessant ist auch, dass kommunikative Fähigkeiten über viele Berufsgruppen hinweg wichtig sind, nicht nur in Verkaufsberufen, wo zwischenmenschliche Kompetenzen sehr eng mit Erfolg verknüpft sind, sondern auch in wissensintensiven Bereichen wie Finanz und Treuhand, Management und Informatik. Für die steigende Nachfrage im Management könnte der Trend hin zu flacheren Hierarchien und partizipativeren Zusammenarbeitsformen verantwortlich sein, während in der Informatik die Zunahme an agilen Management- und Entwicklungsmethoden ein Grund sein dürfte. Kombinationen von geforderten Soft Skills sind nicht zufällig, sondern bilden relativ klare Profile. So treten Effektivität, Flexibilität und Verlässlichkeit gehäuft miteinander auf. Auf der anderen Seite treten unternehmerische, kognitive und kommunikative Fähigkeiten wie auch Durchsetzungskraft häufig zusammen auf. Die Skills aus dem einen Bereich korrelieren jedoch mit den Skills aus dem anderen Bereich kaum, was intuitiv Sinn ergibt: Wer unternehmerisch, klug, kommunikativ geschickt und durchsetzungsfähig sein Arbeitsumfeld selbst gestaltet, der muss sich seltener effektiv, flexibel und verlässlich in äussere Bedingungen einfügen.

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