Ausgabe 06 | 2018

BERUFSBERATUNG

Selektion von Lernenden

Die Kriterien der Berufsbildenden

Eine repräsentative Befragung von 544 Berufsbildenden im Kanton Luzern zeigt, nach welchen Kriterien Lernende ausgewählt werden. Die Gewichtung von Selektionskriterien variiert je nach Betriebsgrösse und Berufsfeld deutlich.

Von Urs Isenring, Master of Educational Sciences (Universität Basel), und Markus P. Neuenschwander, Leiter des Forschungszentrums Lernen und Sozialisation an der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz

In unserer Studie wurde die Vergabe von Lehrstellen im Jahr 2017 im Kanton Luzern untersucht. Von 4500 Ausbildungsbetrieben wurden 1808 Betriebe kontaktiert, 544 Berufsbildende nahmen an der Befragung teil.

Persönlicher Eindruck

Das Bewerbungsgespräch und die Schnupperlehre gehören nicht nur zu den wichtigsten Selektionsmitteln, sondern werden auch am stärksten als Anstellungskriterium gewichtet. Dass das Verhalten der Jugendlichen im persönlichen Gespräch und während der Schnupperlehre ausschlaggebend ist, haben auch schon andere Untersuchungen gezeigt. Jugendliche mit tiefen schulischen Leistungen können durch überzeugendes Verhalten ihre Chancen verbessern. Referenzauskünfte durch Lehrpersonen und persönliche Beziehungen der Bewerbenden werden hingegen als deutlich weniger wichtig beurteilt.

Mathematik und Deutsch

Die Mathematik- und Deutschnoten des Schulzeugnisses liegen bei der Vergabe von Lehrstellen für die Berufsbildenden ebenfalls weit vorne. Sie sind wichtiger als die Noten in anderen Fächern und als die Ergebnisse aus Eignungstests. Unabhängig von der Betriebsgrösse waren die Befragten der Meinung, dass gute Schulnoten eine gute Prognose für den Ausbildungserfolg der beruflichen Grundbildung abgeben. Für Kleinbetriebe sind Schulnoten jedoch deutlich weniger informativ als für Grossbetriebe. Mittlere und grosse Betriebe nutzen zudem signifikant häufiger Resultate des Stellwerk-Checks und von Eignungstests als Kleinbetriebe.

Überfachliche Kompetenzen

Müssten sich Berufsbildende bei einem Selektionsentscheid für die Kriterien Deutsch- und Mathematiknoten oder überfachliche Kompetenzen entscheiden, würden sich durchschnittlich 70 bis 90 Prozent der Berufsbildenden für überfachliche Kompetenzen wie Teamfähigkeit, angepasste Umgangsformen oder Selbstständigkeit entscheiden. Je kleiner der Betrieb, desto stärker kommt dies zum Ausdruck. In den Berufsfeldern Planung und Konstruktion, Holz und Innenausbau sowie Metall und Maschinen entscheiden sich die Berufsbildenden signifikant häufiger aufgrund der Noten und Leistungen für einen Kandidaten/eine Kandidatin, als es in den Berufsfeldern Nahrung, Bildung und Soziales sowie Natur der Fall ist.

Nachfrage variiert deutlich

Im Jahr 2017 bekam ein Betrieb im Kanton Luzern mit ein bis neun Mitarbeitenden im Schnitt acht Bewerbungen, in Grossbetrieben waren es dreizehn. Noch deutlicher sind die Unterschiede in Bezug auf die unterschiedlichen Berufsfelder. Die Berufsfelder Holz und Innenausbau, Nahrung und Natur sind im Vergleich zu den Berufsfeldern Gesundheit, Planung und Konstruktion sowie Bildung und Soziales mit einer tieferen Anzahl Bewerbungen konfrontiert. Die Folge davon ist, dass grosse Betriebe und Betriebe in einigen Berufsfeldern deutlich stärker vorselektieren können als andere. Obwohl die Schülerzahlen in den letzten Jahren rückläufig waren, haben die Betriebe im Durchschnitt nach wie vor gewisse Auswahlmöglichkeiten.

Links und Literaturhinweise

Isenring, U. (2017): Selektion im Übergang von der Sekundarstufe I in die berufliche Grundbildung. Masterarbeit an der Universität Basel.

Kommentare
 
 
 
imgCaptcha
 

Nächste Ausgabe

Nr. 1 | 2019
Konflikte

Berufsbildner, Berufsberatende und Personalberaterinnen: Sie alle habe in ihrem Alltag mit Konflikten zu tun. PANORAMA untersucht, welche es typischerweise sind und wie man sie bewältigen kann. Ausserdem zeigen wir, wie Vertrauenspersonen in Betrieben einen Beitrag zur Konfliktbewältigung leisten können.