Ausgabe 06 | 2018

Fokus "Mobilität"

Hochschulen

Jeder zweite ausländische Masterabsolvent bleibt in der Schweiz

Eine Studie zeigt, dass 50 Prozent der internationalen Studierenden nach ihrem Masterabschluss in der Schweiz bleiben. Die meisten von ihnen steigen in ein Doktoratsprogramm oder in den Arbeitsmarkt ein.

Von Annique Lombard, Doktorandin an der Universität Neuenburg für den Nationalen Forschungsschwerpunkt «On the Move»

Immer mehr junge Menschen setzen ihr Studium nach dem Abschluss auf Sekundarstufe II im Ausland fort. Weltweit hat sich die Zahl der internationalen Studierenden zwischen 2000 und 2015 auf 4,6 Millionen verdoppelt. Mit 33'000 ausländischen Studierenden (17% der gesamten Studierendenschaft) ist die Schweiz das drittbeliebteste Studienland nach Neuseeland (21%) und Grossbritannien (18%). Die Schweiz ist aus verschiedenen Gründen attraktiv: Sie verfügt über ein ausgezeichnetes tertiäres Bildungsangebot zu einem vergleichsweise günstigen Preis, kann renommierte, in internationalen Rankings anerkannte Institutionen (zum Beispiel die ETH) vorweisen, ist von ihren Nachbarländern (aus denen 51% der internationalen Studierenden kommen) aus rasch zu erreichen, bietet eine hohe Lebensqualität und verschiedene Studiensprachen. Eine Umfrage bei internationalen Studierenden der Universität Bern hat gezeigt, dass der wichtigste Grund für die Wahl dieser Hochschule der Wunsch ist, eine neue Kultur kennenzulernen. Wirtschaftliche Überlegungen und Lohnaussichten gehören hingegen nicht zu den Hauptgründen.

Kantonale Unterschiede

Unsere Studie hat die Laufbahn von internationalen Studierenden während der ersten drei Jahre nach ihrem Masterabschluss in der Schweiz beobachtet. Im Jahr 2012 haben 3228 ausländische Studierende einen Masterabschluss in der Schweiz erlangt, davon 75% an einer Universität oder ETH, 24% an einer FH und 2% an einer PH. 66% dieser Studierenden kamen aus EU/EFTA-Staaten und 34% aus Drittstaaten, vor allem aus China, den USA, Russland, Indien und der Türkei. Die Masterabsolvierenden aus Drittstaaten waren in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) am stärksten vertreten. 2014, zwei Jahre nach ihrem Masterabschluss, lebten 49% der internationalen Absolventinnen und Absolventen nach wie vor in der Schweiz, darunter auch ein grosser Teil der ehemaligen Studierenden von MINT-Fächern. Insbesondere in den Life Sciences, Ingenieurwissenschaften, Umweltnaturwissenschaften und der Informatik nahmen viele ein Doktorat auf oder verlängerten ihren Aufenthalt aus anderen Gründen. Wie die Studie zeigt, weisen die Hochschulen in der Romandie und in Basel mehr internationale Studierende aus Drittstaaten auf, und diese bleiben häufiger im Land. Dieses Ergebnis spiegelt die kantonalen Unterschiede bei der Umsetzung der Integrationspolitik wider und gibt Hinweise darauf, dass die französischsprachigen Kantone und Basel liberalere Integrationsregelungen anwenden als andere.

Arbeit im MINT-Bereich

Von den 1575 Masterabsolvierenden, die 2014 noch in der Schweiz lebten, hatten 478 ein Doktoratsprogramm begonnen. Die meisten anderen hatten eine Arbeitsstelle gefunden. Am leichtesten gelang die berufliche Eingliederung in den MINT-Berufen, da diese die höchste Beschäftigungsquote aufweisen. Aufgrund der Personenfreizügigkeit war zudem die Beschäftigungsquote der Personen aus der EU höher, denn gemäss Ausländergesetz haben Personen aus EU/EFTA-Staaten Vorrang gegenüber Angehörigen von Drittstaaten. Seit 2011 sieht das Gesetz jedoch eine Ausnahme für Ausländerinnen und Ausländer mit Schweizer Hochschulabschluss vor, wenn deren Erwerbstätigkeit von hohem wissenschaftlichem oder wirtschaftlichem Interesse ist. Im Beobachtungszeitraum der Studie bestand in der Schweiz eine hohe Nachfrage nach Fachkräften, besonders im Ingenieurwesen, in der Medizin, der Informatik, den Life Sciences und im juristischen Bereich. Der in der Schweiz erarbeitete Kompetenzzuwachs der internationalen Studierenden kam somit dem Schweizer Arbeitsmarkt zugute. Zahlreiche Angehörige von Drittstaaten, die ihren Studienabschluss in einem dieser Fachbereiche erlangt hatten, fanden eine Arbeitsstelle. Die Weiterbildungs- und Erwerbsmöglichkeiten nach dem Studienabschluss sind ein entscheidender Faktor für den Entschluss, im Studienland zu bleiben oder dieses zu verlassen. Somit spielen die rechtlichen Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle bei dieser Entscheidung. Für die rund 51% der ausländischen Studierenden, die die Schweiz wieder verlassen haben und entweder in ihr Herkunftsland zurückgekehrt oder in ein anderes Land gezogen sind, spielten jedoch auch andere Aspekte wie das Familien- und Sozialleben eine Rolle.

Links und Literaturhinweise

Lombard, A. (erscheint demnächst): International Students in Switzerland, Stay Rates and Intentions for Post-Graduate Mobility. Universität Neuenburg.
Lombard, A. (2017): Diplôme en poche – partir ou rester dans le pays hôte? Une analyse des trajectoires des étudiants internationaux en Suisse. In: Géo-Regards (Nr. 10, S. 31–54).
www.nccr-onthemove.ch

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