Ausgabe 06 | 2018

Fokus "Mobilität"

Movetia

Von der Textilindustrie in Vietnam bis zum Start-up in China

Nach der Lancierung ihres neuen internationalen Mobilitätsprogramms hat die nationaleAgentur für Austausch und Mobilität Movetia über 100 Projektanträge erhalten, einige davon auch im Bereich Berufsbildung.

Von Olivier Tschopp, Direktor von Movetia, und Christophe Bettin, Bereichsleiter Berufsbildung bei Movetia

Informatiklernende besuchten im Rahmen der ICT-Projektwochen Shanghai. (Bild: MBA Zürich)

Informatiklernende besuchten im Rahmen der ICT-Projektwochen Shanghai. (Bild: MBA Zürich)

Im Auftrag des SBFI hat die nationale Agentur für Austausch und Mobilität Movetia Anfang 2018 ein neues Programm zur Förderung der internationalen Mobilität lanciert. Es richtet sich an Schweizer Bildungseinrichtungen und Organisationen, die ausserhalb von Europa neue Mobilitäts- und Kooperationsformen ausprobieren möchten. Es wurden bereits zahlreiche Projektanträge eingereicht. Hoher Innovationsgehalt, Multiplikatorwirkung und Reproduzierbarkeit sind die wichtigsten Kriterien, die ein Projekt erfüllen sollte. Weiter sollen die geplanten Projekte einen Mehrwert für die beteiligten Institutionen und das Schweizer Bildungssystem schaffen. Für die Periode 2018–2020 steht ein Rahmenkredit von 2,2 Millionen Franken zur Verfügung, was rund 750'000 Franken pro Jahr entspricht.

Hoher Nutzen für die Berufsbildung

Die Förderung der internationalen Mobilität zu Bildungszwecken ist ein zentrales Element der Bildungspolitik des Bundes. Die geografische Ausweitung der Mobilitätsaktivitäten auf Projekte ausserhalb Europas erhöht die Attraktivität der Schweizer Berufsbildung massgeblich. Zahlreiche Akteure der Berufsbildung, von Berufsverbänden über Berufsfachschulen und Lehrbetriebe bis hin zu kantonalen Ämtern usw., schaffen gegenwärtig Strukturen oder arbeiten an Massnahmen mit dem Ziel, Berufspraktika im Ausland in die Ausbildung zu integrieren.

Drei Projektbeispiele

Nach dem ersten Projektaufruf gingen über 100 Projekte aus verschiedenen Bildungsstufen und -bereichen bei Movetia ein. Diese erfreuliche Zahl lässt gute Aussichten für die Zukunft erahnen. Die Kehrseite der Medaille: Die Projektauswahl erwies sich insbesondere aufgrund der beschränkten finanziellen Mittel als heikel und komplex. Unter den bewilligten Projektanträgen waren auch mehrere aus dem Bereich der Berufsbildung. Nachfolgend stellen wir drei Projekte vor:
1. Textile Net-Tank: Das Nähwerk des Berufsbildungszentrums IDM in Thun hat unter der Schirmherrschaft der Interessengemeinschaft Berufsbildung Bekleidungsgestalter/in IBBG ein internationales Mobilitätsprojekt erarbeitet. Rund 20 Berufsbildnerinnen und Berufsbildner aus allen Sprachregionen der Schweiz haben die Möglichkeit, für drei Wochen zu einem internationalen Marktleader der Textilindustrie nach Vietnam zu reisen. Hauptziel des Projekts ist es, Fachwissen und Kompetenzen im Bildungsbereich auszutauschen und am Produktionsstandort die Fabrikationsmethoden kennenzulernen, um das neue Wissen anschliessend in den Unterricht in der Schweiz einzubringen.
2. ICT-Projektwochen in Shanghai: Das Projekt wurde unter der Trägerschaft des Kantons Zürich in Zusammenarbeit mit den Kantonen Luzern, Zug und Schaffhausen durchgeführt. 30 lernende Informatikerinnen und Informatiker reisten im Rahmen des Projekts für drei Wochen nach Shanghai, um die hektische Welt chinesischer Start-ups kennenzulernen. In der pulsierenden chinesischen Metropole konnten sich die Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer neben Fachkompetenzen auch interkulturelle und soziale Kompetenzen aneignen, die auf einem globalisierten Arbeitsmarkt immer gefragter sind.
3. Virtual Student Hackathon: Das Dienstleistungsunternehmen Birkenvale arbeitet virtuell mit Partnern aus der Schweiz, aus Indien und Australien zusammen, um das Integrationspotenzial von Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt besser zu erfassen. Ein Projekt dauert sechs Wochen. Die Gruppen reichen ihre Arbeiten einer Expertenjury ein, die die Ergebnisse beurteilt und auswertet. Das Projekt hat zum Ziel, mit virtuellen Formen des Austauschs zu experimentieren und sie in der Ausbildung zu verankern. So werden eine Bibliothek und eine Plattform geschaffen, damit Schulen und Berufsverbände das Modell nutzen oder gar weitere Hackathons durchführen können (Hackathon = Veranstaltung, an der Entwickler während mehrerer Tage gemeinsam Soft- und Hardware programmieren).

Links und Literaturhinweise

www.movetia.ch

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