Ausgabe 05 | 2018

Fokus "Digitalisierung"

Arbeitsmarkt

«Der Wandel hat eben erst begonnen»

Arnaud Dufour von der Hochschule für Wirtschaft und Ingenieurwissenschaften des Kantons Waadt beobachtet seit 25 Jahren die digitale Entwicklung. Er weiss, welche Kompetenzen die Unternehmen künftig benötigen.

Interview: Marie-José Genolet

Arnaud Dufour, assoziierter Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Ingenieurwissenschaften des Kantons Waadt, Experte für digitales Marketing und E-Commerce. 
(Bild: zvg)

Arnaud Dufour, assoziierter Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Ingenieurwissenschaften des Kantons Waadt, Experte für digitales Marketing und E-Commerce.
(Bild: zvg)

Marie-José Genolet: Welche Westschweizer Unternehmen suchen zurzeit Mitarbeiter im digitalen Bereich? Arnaud Dufour: Dazu gehören Unternehmen, die im Bereich der Informationstechnologie tätig sind, Beratungsfirmen, die digitale Dienstleistungen entwickelt haben, sowie Internetagenturen. Letztere verfügen über Generalisten-Teams, welche die Bedürfnisse von KMU und Grossunternehmen in der Region bis zu mittelgrossen Projekten effizient abdecken können. In der Romandie sind die Internetagenturen eher klein, mit maximal hundert Mitarbeitenden. In der Westschweiz sind ausserdem viele internationale Konzerne und Organisationen ansässig, die ebenfalls Karrierechancen in digitalen Berufen bieten. Sie stellen aber gleichzeitig hohe Anforderungen an die Sprachkenntnisse, die Umgangsformen oder die Beherrschung bestimmter Tools. Diese Institutionen rekrutieren häufig Personal für digitale Tätigkeiten. Grundsätzlich werden in fast allen Branchen Mitarbeitende für den digitalen Bereich gesucht. Dieser ist sehr dynamisch und bietet viele Chancen in allen Branchen und Sektoren, so auch im öffentlichen Dienst oder in gemeinnützigen Organisationen. Die Nachfrage wird in den nächsten Jahren hoch bleiben, denn der digitale Wandel hat eben erst begonnen.

Welche Kompetenzen sind bei den Unternehmen gefragt?
Je stärker der Markt wächst, desto grösser werden die Anforderungen an die Professionalität. Gemischte Profile, die neben technischen Fähigkeiten auch Kreativität oder Management-Kompetenzen aufweisen, sind sehr gefragt. Berufsspezifische Kompetenzen, etwa profunde Branchenkenntnisse, können ebenfalls wichtig sein. Bei den Soft Skills stehen Fähigkeiten wie Neugier oder Kreativität im Vordergrund, da sich die digitale Welt ständig weiterentwickelt. Wer in diesem Bereich arbeitet, muss sich laufend neuen Gegebenheiten anpassen können.

Welche digitalen Berufe sind auf dem Vormarsch?
Das sind zum einen Berufe, die mit Daten (Analytics, Insights) oder Nutzererfahrung zu tun haben, und zum andern technische Berufe im Zusammenhang mit neuen Strukturen und Technologien (Clouds, künstliche Intelligenz, Datensicherheit). Ganz ähnliche neue Berufsfelder können auch in benachbarten Arbeitsmärkten, zum Beispiel in Frankreich, beobachtet werden.

Links und Literaturhinweise

Genolet, M.-J. (2018): Les métiers du digital en Suisse romande. Vaud/Genève, Centre patronal vaudois/Fédération des entreprises romandes Genève.
www.metiersdudigital.ch

Kasten

Studie «Digitale Berufe in der Westschweiz»

Die Studie erfasst die in der französischen Schweiz ausgeübten digitalen Berufe und beschreibt die Entwicklung des Arbeitsmarkts. Sie analysiert die Profile der in diesem Bereich tätigen Personen hinsichtlich Ausbildung, Kompetenzen, Geschlecht, Alter, Nationalität usw. Dafür stützt sie sich auf eine Dokumentenanalyse, rund 20 qualitative Interviews, die Analyse von 200 Stellenangeboten und eine quantitative Umfrage bei Westschweizer Unternehmen, an der 538 Geschäftsleitende und Führungskräfte teilnahmen.

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In der kommenden Ausgabe widmen wir uns der geografischen Mobilität: Was bedeutet es für Berufsleute, ständig unterwegs zu sein? Täglich zu pendeln? Dank «mobile devices» das Büro immer dabeizuhaben? Ausserdem im Heft: Ein Einblick in Austauschprogramme der Berufsbildung und Fakten zur studentischen Mobilität.