PANORAMA Ausgabe 106

Editorial

Der gesetzliche Rahmen eines Teils unserer Sozialversicherungen schreibt für die Versicherten obligatorische Beratungen vor. Solche verordnete Beratungen erfordern von den Beraterinnen und Beratern besonderes Geschick, soll der gesetzliche Problemlösungsansatz bei unmotivierten Klientinnen und Klienten nicht in einer Sackgasse enden.

Fokus

Wer sich bei der Arbeitslosenversicherung arbeitslos meldet, ist verpflichtet, sich durch das regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) beraten zu lassen. Dieses Obligatorium ruft bei den Versicherten oft Ängste und Abwehrhaltungen hervor. Drei RAV-Personalberatende erklären, wie sie mit dieser Situation klarkommen.  —  Gesprächsleitung: Viktor Moser


Das Arbeitsumfeld von IV-Beraterinnen und -beratern unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von einer herkömmlichen Beratungstätigkeit.

Nicht alle Lehrbetriebe erfüllen ihre Ausbildungspflichten. In diesen Fällen wird die Lehraufsicht aktiv. Daraus eingeleitete Massnahmen werden selten offen entgegengenommen.

Viele Beratungen sind verordnet: auf dem Sozialamt, dem RAV, bei der Lehraufsicht, sogar bei der Laufbahnberatung. Drei Beispiele, die zeigen, wie die für die Betroffenen zunächst eher lästige Pflicht zum ersten Schritt aus einer Sackgasse werden kann.

Berufsbildung

Eine erste Evaluation des neuen Grundbildungstyps eidgenössisches Berufsattest (EBA) zeigt, dass sich die Ausbildung bewährt und die bei der Einführung anvisierten Ziele erreicht wurden. Die Verbreitung der EBA-Ausbildungen ist in der lateinischen Schweiz weniger fortgeschritten.

Eine Studie über das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei EBA-Ausbildungen zeigt, dass die Betriebe einiges für die Betreuung der Lernenden aufwenden. Aber sie können die Auszubildenden zugleich auch sehr gut produktiv einsetzen.


Mit Innovationen und Anpassungen am System versucht der Kanton Genf, auf neue Ansprüche und Herausforderungen in der Berufsbildung zu reagieren. Die daraus resultierende Dynamik ist geprägt von Kooperationen, aber auch von Spannungen.

Berufsberatung

Psychologische Tests, Arbeitsproben, Astrologie oder Psychophysiognomik: Das Angebot ist unübersichtlich, und die Orientierung, welche Methode was taugt, fällt nicht immer leicht. Es gibt aber Kriterien zum Prüfen der Seriosität der Angebote.

Mit einer Kompetenzenbilanz lassen sich persönliche Fähigkeiten ausloten und die in Alltag und Beruf erworbenen Kompetenzen systematisch dokumentieren. Mit der Bewusstmachung der eigenen Stärken werden gute Voraussetzungen für eine Neuorientierung geschaffen.


Die Zuger Laufbahnberaterin Brigitte Böhi Christen ist Co-Präsidentin des Fachvereins freischaffender Berufsberaterinnen und Berufsberater (FFBB). Im Gespräch gewährt sie Einblick in ihren Berufsalltag. — Interview: Stefan Krucker

In den Berufsinformationszentren und in Klassenzimmern stehen seit Kurzem neue Hilfsmittel zur Verfügung. Zwei neue DVDs zeigen, wie sich Vorstellungsgespräche abspielen, und helfen künftigen Lernenden, sich besser darauf vorzubereiten.

Arbeitsmarkt

Das Seco und Swissstaffing, die Dachorganisation der privaten Arbeitsvermittler, wollen ihre Zusammenarbeit intensivieren. Über die Datenbank AVAMSTS erhalten die privaten Vermittler direkten Zugriff auf Profile von beim RAV registrierten Stellensuchenden.

Das Seco will das Zusammenspiel zwischen der Arbeitslosenversicherung und der Sozialhilfe verbessern. Die Empfehlungen einer Studie sollen schrittweise umgesetzt werden.

Die Schweiz ist bei der Bekämpfung der Erwerbslosigkeit vergleichsweise erfolgreich. Bei der Bewältigung der Langzeiterwerbslosigkeit hingegen schneiden skandinavische Staaten besser ab. Eine neue Sozialversicherung speziell für Langzeitarbeitslose könnte viel bewirken.

Ausblick

Lehrbetriebe sind im nachobligatorischen Bereich die zentrale Institution in der
Schweizer Bildungslandschaft. Sie bestimmen, wer ins Berufsbildungssystem zugelassen
wird oder wer welchen Beruf erlernen darf: Eine Präsentation unterschiedlicher
Lehrbetriebstypen, deren Auswahlkriterien und Selektionsinstrumente.

PANORAMA NR. 1 2011 erscheint am 25. Februar.