Zusammenfassungen
Netzwerk für Frauen
Dieter Schürch
Zur Verbesserung der Situation von Frauen, die ihre Berufstätigkeit für längere Zeit aufgegeben haben, hat die Sektion Lugano des Schweizerischen Instituts für Berufspädagogik SIBP ein Projekt entwickelt. Ein Kommunikationsnetz mittels Computer soll «Frauen vernetzen». Von zu Hause aus können sie ihr Fachwissen und ihre Fachkompetenzen auffrischen und in Abstimmung mit ihren familiären Pflichten sogar Arbeiten auf Distanz verrichten. Ein solches Netzwerk via Internet bietet Frauen, die sich der Familie widmen, die Chance, soziale Kontakte zu knüpfen und ihre individuellen Fachkompetenzen aufzubauen, um berufliche Aufgaben von zu Hause wahrzunehmen oder den beruflichen Wiedereinstieg vorzubereiten. SchRA
Suchtprävention in der Berufsbildung
Vigeli Venzin
Jugendliche bilden eine der suchtgefährdeten Gruppen, resultierend aus den Anforderungen, welche das Erwachsenwerden mit den vielen Umstellungen der Lebensverhältnisse mitsichbringt. Zur Unterstützung der Jugendlichen ergreifen viele Kantone Massnahmen zur Suchtprävention. Die langfristig angelegten Primärpräventionen betreiben Aufklärung und weisen auf die Entstehung von Störungen hin. Mit der Sekundärprävention werden Symtome möglichst frühzeitig erfasst, um die Suchtgefahr abzuwenden. Die Tertärprävention unterstützt die Rehabilitation und soziale Wiedereingliederung
Schlüsselkompetenzen im Beratungsgesräch
Käthi Gerber Ruf
Für die Berufs- und Laufbahnberatung drängt sich ein professioneller Umgang im Erfassen von Schlüsselkompetenzen auf. Dazu wurde ein neues methodisches Hilfsmittel entwickelt. Es handelt sich um ein praxisorientiertes Instrument mit drei Teilen. Diese sind eine Checklist für die Selbsteinschätzung, eine Anleitung für den Berater, die Beraterin sowie ein Aktenblatt für das Beratungsgespräch. KG/RA
Die Berufsbildende höhere Schule Österreichs
Emil Wettstein
In Österreich existiert ein Bildungsweg, der sowohl eine berufliche Ausbildung vermittelt als auch den Zugang zur Universität öffnet: die Berufsbildende höhere Schule (BHS). Diese leistungsorientierte, anforderungsreiche Schule wächst stark. Heute wird sie bereits von fast einem Viertel der Jugendlichen besucht. Wt
Berufsfindungsprozess bei Mädchen
Agnes Weber
Die diesem Aufsatz zugrunde liegende empirische Untersuchung über die Zukunftsorientierung von Jugendlichen hat einige Hinweise gegeben über die Einflussfaktoren des Berufsfindungsprozesses junger Frauen. Genau so wie junge Männer sollen sie bestärkt werden in ihrem Selbstbewusstsein, damit sie aktiv planend ihre berufliche Zukunft aufgrund ihrer Neigungen und Fähigkeiten anpacken können. Sie müssen von ihrem sozialen und gesellschaftlichen Umfeld erfahren, dass es auf sie ankommt, dass sie bedeutend sind, dass ihre Berufswahl wichtig ist und sie davon ausgehen können, dass ihre Grundausbildung und die spätere berufliche Weiterbildung auch dann von hoher Bedeutung sein werden, wenn sie eine Familie planen. Um geschlechtsspezifischen Stereotypen entgegenzuwirken, müssen Mädchen schon in der Schule mit geeigneten Massnahmen verstärkt gefördert werden in Natruwissenschaften, Mathematik und Informationstechnologien. Mit Motivationskampagnen können junge Frauen dafür sensibilisiert werden, dass sie aus dem engen frauenspezifischen Berufsspektrum ausbrechen und sich alles zutrauen. Lehrkräfte, Ausbildner und Ausbildnerinnen müssen sich weiterbilden, um ein Bewusstsein zu entwickeln für den heimlichen Geschlechterlehrplan und um Handlungsmöglichkeiten kennen zu lerne, wie sie junge Frauen und Männer auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben optimal stärken und fördern können. AW
Qualifiziertes Dienstleistungszeitalter
Emil Wettstein
Die heutigen Tendenzen, weg von gering qualifizierten hin zu qualifizierten und weg von produktionsorientierten hin zu Dienstleistungstätigkeiten werden sich fortsetzen. Künftige Aufgaben-Schwerpunkte wird es geben für Spezialisten und Führungsaufgaben im Handel, Organisation und Management, Beratungs- und Weiterbildungstätigkeiten sowie Publizieren und künstlerisches Arbeiten. Wt
Lehrstellen machen Profis!
Doris Summermatter
Das Image der Berufslehre fördern, in den Dialog mit wichtigen Akteuren der Berufswahl treten und die Berufswahl im Wandel thematisieren: dies sind die Schwerpunkte der Lehrstellen-Kampagne des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie BBt für diesen Herbst. Die Motivations-Kampagnen unterstützen das Kernanliegen des Lehrstellenbeschlusses, nämlich das Lehrstellenangebot zu erhalten und ausweiten und das Image der Lehre zu fördern. DS/RA
Vermittlerrolle
Heinz Staufer
Nicht immer war das Verhältnis zwischen Berufsberatung als Repräsentantin des Staates und der Wirtschaft gut. Gerade in letzter Zeit, wohl nicht zuletzt durch die Lehrstellenknappheit, sind aber Tendenzen zu einer stärkeren Zusammenarbeit der beiden an der Berufswahl der Jugendlichen beteiligten Parteien sichtbar. Bei der Produktion von Berufsinformationen vertritt der Schweizerische Verband für Berufsberatung in erster Linie die Interessen der Berufsberatung, spielt aber faktisch durch die enge, unverzichtbare Zusammenarbeit mit den Berufsverbänden die Rolle einer Vermittlungsinstanz zwischen Berufsberatung und Wirtschaft. HS/RA
Berufswahl geht alle an
Rudolf Bähler
Seit 1992 gibt es im zürcherischen Bezirk Uster das Forum Berufslehre, in dem Vertreter von Berufsberatung, Berufsbildung und Wirtschaft ihre unterschiedlichen Erwartungen einbringen können. Im Laufe der Jahre ist es zu einer Annäherung der Vorstellungen gekommen. 1997 wurde die Arbeitsgruppe in einen Verein umgewandelt. Als juristische Person ist das Forum heute auch für das Lehrstellenmarketing im Bezirk verantwortlich. Nach seinem Vorbild sind in weiteren Bezirken des Kantons Foren entstanden, allerdings mit z.T. anderen Trägerschaften. RB/RA
Dynamisches Wiedereingliederungsmodell
Maurice Dirren
Seit 1992 ist die Berufsberatung des französischsprachigen Wallis (OSPVR) sehr aktiv im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit engagiert. Lange vor der Schaffung der regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) hat sie Wiedereingliederungskurse und Spezialberatungen für Stellensuchende angeboten. Seit 1996 arbeitet sie eng mit den RAV zusammen. Ihr fällt die Aufgabe zu, die «Einstellbarkeit» der Betroffenen mit gezielten Massnahmen zu verbessern. In diesem Zusammenhang stellt das Anerkennungs- und Validierungsverfahren in bezug auf erworbene Fähigkeiten und Fertigkeiten eine neuartige und vielversprechende Erfahrung dar. MD/RA
Mehr Marktorientiertheit und Kommunikation
Jeannette Studer-Fischer
Die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren RAV sollen sich konsequenter auf die Wirtschaft einlassen und die Kommunikation verbessern. Das ist der Grundtenor eines Interviews von Panorama mit den Nationalräten Käthi Bangerter (FDP) und Nationalrat Hans-Werner Widrig (CVP). Beide empfehlen bessere Orientierung am Markt und mehr Professionalität. Bangerter wünscht sich weniger Verwaltungsdenken in den RAV und die Optimierung der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Der «Martktfähigkeit» im Nachwuchsbereich sowie der Fort- und Weiterbildung müsse mehr Beachtung geschenkt werden. Hans-Werner Widrig betont die Unumgänglichkeit einer Totalrevision des Arbeitslosenversicherungsgesetzes. Branchenkenntnisse und Kenntnisse des regionalen Arbeitsmarktes seien das A und O der RAV-Personalberater. js
RAV - wie weiter?
Beat Däppeler
Die RAV sind erfolgreich gestartet, sie haben in kurzer Zeit einen bemerkenswerten Stand an Professionalität und Wirksamkeit erreicht. Aufgrund festgestellter struktureller Mängel wie z.B. des zu breiten Aufgabenbereiches sollen Konzepte der Weiterentwicklung realisiert werden. Die RAV sollten zu eigentlichen Kompetenzzentren des Arbeitsmarktes zu regionalen Arbeitsmarktzentren (AMZ) ausgebaut werden. Zusätzlich zu den bestehenden Dienstleistungen ist die LAM-Weiterbildungsberatung, die Bewilligung von Kurzarbeit- und Schlechtwetterentschädigung im AMZ dezentralisiert. Auch die Arbeitslosenkasse ist mit Fachmitarbeitern im AMZ anwesend.
Arbeitsmarkt - innovative Waadt
Pierre Gfeller
In der Folge der Revision des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung 1995 haben die meisten Kantone nicht nur regionale Arbeitsvermittlungszentren gegründet, sondern auch die Logistik aktive arbeitsmarktliche Massnahmen auf die Beine gestellt: diese hat zur Aufgabe, die Wiedereingliederungschancen Arbeitssuchender durch geeignete Kurse und Einsätze zu erhöhen. Der Kanton Waadt hat als einziger dieses Modell durch ein «Arbeitsmarkt-Observatorium» ergänzt. Dieses soll Beschäftigungsmöglichkeiten aufzeigen, die Angebots- und die Nachfragesituation sektorenweise untersuchen sowie Personal- und Ausbildungsbedarf aufzeigen. Nach dem ersten Betriebsjahr sind die Ergebnisse ermutigend, und auch wenn die Informationsbeschaffung komplex und schwierig ist, erweisen sich die Daten für die interessierten Kreise als äusserst nützlich. PG/RB
Bewährt sich die persönliche Laufbahnberatung für Arbeitslose?
Fredy Lassmann
Die Berufsberatung der Stadt Zürich bietet seit etwa eineinhalb Jahren eine spezialisierte Laufbahnberatung für Arbeitslose an. Zehn Berufsberaterinnen und Berufsberater arbeiten im Auftrag von zehn Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV). Diese neue Dienstleistung unterscheidet sich in verschiedener Hinsicht deutlich vom traditionellen Angebot der allgemeinen Berufsberatung. Im Sommer 1998 ist evaluiert worden, wie gut diese neue Form der Zusammenarbeit funktioniert und wie das neue Angebot von den Beteiligten beurteilt wird. Sowohl Klientinnen und Klienten wie auch die Personalberaterinnen und Personalberater der RAV beurteilen die Laufbahnberatung für Arbeitslose und die Zusammenarbeit mit der Berufsberatung insgesamt sehr positiv und schätzen dieses Angebot. Verbessert werden muss der regelmässige fachliche Austausch zwischen den beiden Institutionen und die Information der Berufsberatung über ihr Dienstleistungsangebot. Weiter wäre eine weiterführende und begleitende Unterstützung der Klientel bei der Realisierung der Beratungsergebnisse im Sinne eines Coachings sehr hilfreich. Das würde jedoch einer Erweiterung unseres traditionellen beraterischen Aufgabenbereiches entsprechen und muss noch eingehender diskutiert werden. Der vollständige Evaluationsbericht kann beim Autor angefordert werden. FL/RA
Nachdenken über ethische Fragen
Jürg Renz
Eine schriftliche Umfrage unter 50 Prozent der in der deutschsprachigen Schweiz tätigen Berufsberaterinnen und Berufsberater zeigt, dass 90 Prozent der Antwortenden ethische Fragen in der Berufsberatung als wichtig ansehen. Nur 23 Prozent glauben aber, dass die Berufsberaterschaft ausreichend dafür sensibilisiert sei. Bei den ethischen Problemen, mit denen sich die Befragten in ihrem Berufsalltag konfrontiert sehen, handelt es sich insbesondere um die Geheimhaltung bzw. Vertraulichkeit von Daten, die Ehrlichkeit beim Überbringen negativer Befunde, um Neutralität und Wertfragen sowie um Chancenungleichheit und die Probleme Schwächerer. Die Umfrage zeigt weiter auf, dass 76 Prozent der Antwortenden die Lage auf dem Arbeitsmarkt als einen Hauptgrund für das Entstehen solch ethischer Probleme in der Berufsberatung sehen, gefolgt von Zeit- und Geldmangel bzw. einer starken Kostenorientierung mit 50 Prozent der Nennungen. Die wirtschaftliche Situation, der Arbeitsmarkt und die Arbeitslosigkeit werden denn auch als Entwicklungen angesehen, die ethische Probleme in der Berufsberatung noch verschärfen könnten - zusammen mit dem Steigen der Anforderungen in Ausbildung und Arbeit sowie der Ausländerproblematik. JR/RA
Brisanz lag (nur) in der Luft
Willy Nabholz
Der Autor besuchte den Kongress «Bildung und Arbeit» in Zürich. (24.-26. September 1998), veranstaltet von der SSRE und von Universität und ETH Zürich. Es waren hohe Ansprüche gestellt, die nur zum Teil eingelöst werden konnten. Von Umbrüchen in der Arbeitswelt und solchen in der Bildung war in den Workshops und den Hauptreferaten oft die Rede, das Gespräch darüber kam aber eher zu kurz, so dass die Brisanz quasi in der Luft blieb. Die vorgestellten Forschungen befassten sich mehrheitlich mit Fragen der Weiterbildung und kaum mit der beruflichen Grundbildung oder dem Lernen in Schulen und Hochschulen. Kurz eingegangen wird auf vier Hauptreferate, die die Diskrepanz zwischen Bildungssystem und Anforderungen der Arbeitswelt besonders deutlich thematisierten.
Ethische Konflikte in der Berufsberatung - was tun?
Hans-Dieter Schneider
An einer Weiterbildungstagung an der Universität Freiburg/Schweiz beschäftigten sich Berufsberaterinnen und Berufsberater mit der Frage, wie sie sich gegenüber ethischen Dilemmata in ihrem beruflichen Alltag verhalten sollten. In vier Referaten (Prof. J.C. Wolf, Dr. W. Lesch, Dr. A. Kusser und Prof. U. Rauchfleisch) wurde in ethisches Denken und in die Tatsache eingeführt, dass Prinzipien und Regeln keine generelle Gültigkeit haben, sondern für die jeweils konkrete Situation und individuell neu zu bedenken sind. Bedingt durch die in der Berufsberatung benutzten Methoden können besondere «Macht»- und «Validitätsdilemmata» auftreten. Wie Arbeitsgruppen und eine Podiumsdiskussion zeigten, kann die Anwendung ethischer Überlegungen in der Berufsberatung noch verstärkt werden. HDS/RA
Mut zur Zusammenarbeit
Emil Zehnder
Der Zusammenschluss der beiden Beratungsinstitutionen im Kanton Thurgau - der Allgemeinen und der Akademischen Berufsberatung - bedeutet mehr als ein verwaltungstechnischer Vorgang mit trockenem Verschieben von papierenen Unter- und Überstellungen. Er ist sichtbarer Ausdruck des Willens von Behörden, Verwaltung und Beraterschaft, der Öffentlichkeit des Kantons Thurgau eine kundenorientierte, mit hoher Sachkompetenz arbeitende Berufs- und Studienberatung zu bieten. Mit dieser Zusammenlegung der bislang unabhängig voneinander arbeitenden, bewährten Institutionen ist man überzeugt, in einer sich rasch wandelnden Bildungslandschaft den Beratungs- und Informationsbedürfnissen noch besser gerecht zu werden als bisher. EZ/RA
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