Zusammenfassungen



Theoriestaus in der Weiterbildung
Jan Weisser
Die Weiterbildung hat eine gut dreissigjährige Expansionsphase hinter sich und wird wohl auch weiterhin auf Erfolgskurs fahren. Die Suche nach einer pädagogischen Theorie der Weiterbildung ist jedoch erfolglos geblieben ist. Darüber besteht in der Fachliteratur Konsens. Es gibt lediglich Ansätze einer Theorie. Dafür existieren raionale Gründe, die in der Theoriearbeit selbst begründet sind. Der konstruktive Vorschlag geht dahin, die Form der Theorieproduktion neu zu fassen, um zu adäquaten Problemlösungen zu kommen. JW/RA

Ausbildung in den textilen Berufen
Daniel Wieser
Die Diskussion um Ausbildungsanpassungen macht auch vor den Berufen im Textilbereich nicht Halt. Handlungsbedarf besteht, denn es fehlt an Nachwuchs und die bisherigen Berufe werden nur selten ausgebildet. Der grosse Wurf ist aber noch nicht erfolgt. Voraussetzung für eine Neuordnung wäre eine vermehrte Zusammenarbeit der Verbände.

Schnupperlehren unter erschwerten Bedingungen
Francesco G. Bagattini-Ott
Auch Jugendliche mit Lern- und Verhaltensschwierigkeiten stehen vor der Berufswahl. Schnupperlehren sind wertvolle Hilfen zum Erlangen der Berufswahlreife. Dazu müssen sie aber intensiv vorbereitet, begleitet und nachbereitet werden. Dies setzt kooperative Mitarbeit aller Beteiligten voraus.
Der Berufsfindungsprozess ist ein wichtiger Teil der Persönlichkeitsbildung sowie der Identitätsentwicklung von Jugendlichen. Nach Anregungen des Kinderheims Bachtelen in Grenchen hat der Autor in den vergangenen Jahren ein Schnupperlehr–Konzept für eine Oberstufen–Kleinklasse entwickelt. Die Instrumente und Methoden sind Grundlage für ein erfolgreiches Absolvieren von Schnupperlehren in enger Zusammenarbeit mit den Schnupperfirmen, der Berufsberatung und mit den Eltern. FB/RA

Zwölf Jahre centres de bilans in Frankreich
Grégoire Evéquoz
Die ersten centres interinstitutionnels de bilans de compétences (CIBC) wurden 1986 als Pilotbetriebe eröffnet, seit 1991 sind sie mit drei wichtigen Zielsetzungen in allen Departementen zu finden: Standortbestimmung für alle, Schaffung von interinstitutionellen und pluridisziplinären Strukturen, Förderung innovativer Methoden der Standortbestimmung.

Fachhochschule Gesundheit – Soziales
Martin Kasser
Die Diskussion über die Zweckmässigkeit und die Modalitäten einer Fachhochschule Gesundheitswesen/Sozialarbeit in der Westschweiz ist angelaufen. Aufgrund einer ersten Aussprache im Juni 1998 gelangt der Autor zu folgenden Schlussfolgerungen:
• Ein FHS-Verbund in diesen Bereichen entspricht der Entwicklung in den entsprechenden Berufen und der Notwendigkeit, Synergien für die Ausbildung zu nutzen.
• Die Arbeit im Verbund setzt eine Harmonisierung der Ausbildungsgänge voraus, welche im Gesundheitsbereich nicht gegeben ist: Das in der Deutschschweiz vorherrschende und von der Schweizerischen Sanitätsdirektorenkonferenz empfohlene Modell ist mit der Situation in der Westschweiz unvereinbar.
• Um zu verhindern, dass es in den beiden Landesteilen zu unterschiedlichen FHS-Konzepten im Gesundheitsbereich kommt, müssen Ausbildungsgänge, die für dieses Niveau in Frage kommen, vorgängig analysiert werden, und die künftigen Aufgaben einer FHS in diesem Bereich müssen neu definiert werden.
• Auch muss die Frage der Europakompatibilität der Abschlüsse berücksichtigt werden.
Somit bleibt in konzeptioneller und organisatorischer Hinsicht einiges zu tun. Es muss auch der Prozess hin zu einer Angleichung der Positionen umrissen werden, und zwar in Absprache mit allen Ausbildungspartnern in den Bereichen Gesundheitswesen und Sozialarbeit in beiden Landesteilen. JA/RB


10 Jahre Diagnostik-Kommission
René ZIhlmann
Während in den 60er Jahren dignostische Test in der Berufsberatung ein hohes Ansehen genossen, zeichnete sich im folgenden Jahrzehnt eine kritische bis ablehnende Haltung gegenüber Tests ab. In jüngster Zeit dagegen schätzt man die Grenzen, aber auch die Chancen solcher Test recht objektiv ein. Zu dieser Erkenntnis trägt unter anderem die 1988 gegründete Diagnostik-Kommission des SVB bei, welche Tests prüft, ihre Entwicklung koordiniert und die Schulung ihrer Anwendung fördert
BR/RA


Stabiltität von Persönlichkeitsmerkmalen
Werner Murer
Mit Hilfe der psychologischen Diagnostik prognostizieren wir zukünftiges Verhalten. Dabei gehen wir davon aus, dass das heute beobachtete Verhalten, das heute diagnostizierte Persönlichkeitsbild auch morgen, in einem Jahr und später noch dasselbe oder zumindest ein sehr ähnliches sein wird. Untersuchungen zeigen, dass diese Hypothese tatsächlich recht gut zutrifft. Dies zeigt unter anderem eine Untersuchung von Erwachsenen mit dem «N-29»-Neigungstest. Erwartungsgemäss zeigen bei «jüngeren» Personen (zwischen 15 und 25 Jahren) die Neigungen einen höheren Grad der Veränderbarkeit, bei älteren kann eine höhere Stabilität festgestellt werden Je grösser der Intervall zwischen den einzelnen Messungen, desto geringer die Stabilität. RA

Befähigung zur Durchführung von Tests
François Stoll
Tests werden von den verschiedensten Institutionen und Personen durchgeführt. Dass nur eine Minderheit dieser Personen in der fachgerechten Durchführung von Tests geschult ist, stellt ein berufsethisches Problem dar. Bevor aber die Regeln der Durchführung von Tests definiert werden, muss man sich zuerst auf eine Definition von «Test» einigen.
Die Internationale Testkommission (ITK) der Internationalen Vereinigung für angewandte Psychologie hat eine geeignete Definition vorgeschlagen. Die Tests dienen der psychologischen oder pädagogischen Evaluation und erlauben eine Quantifizierung von Verhalten; sie werden unter genau festgelegten Bedingungen durchgeführt und setzen eine systematische Aufzeichnung der Leistungen der getesteten Person voraus; diese Aufzeichnungen erlauben eine Quantifizierung bzw. eine Einordnung und führen zu einer Evaluation des Verhaltens ausserhalb der Testsituation.
Diese Definition erlaubt eine genauere Festschreibung der Kompetenzen von Personen, die Tests durchführen. Diese müssen fähig sein, den Nutzen des Tests zu bestimmen, die geeigneten Instrumente zu wählen, vor dem Test die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu garantieren, die Anweisungen betreffend die Durchführung festzulegen und durchzusetzen sowie die Ergebnisse zu interpretieren und zu kommunizieren.
Diese Aufzählung verweist auf die erforderliche Vielfalt von Sachwissen und auf die Ausbildung, die dazu führt. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Qualität der Tests stark verbessert worden. Die Bereitstellung geeigneter Testinstrumente ist zu einem komplexen und kostspieligen Unterfangen geworden. Aber alle diese Anstrengungen nützen nichts, wenn die Ausbildung der Personen, die diese Tests durchführen, nicht im gleichen Masse gefördert wird. Ist diese Ausbildung aber einmal gewährleistet, wird auch noch dafür zu sorgen sein, dass Personen und Institutionen, die Tests nachfragen, darauf pochen, dass diese auch tatsächlich nach den Regeln der Kunst durchgeführt werden.
Berufsverbände und Ausbildungsinstitutionen haben somit eine doppelte Aufgabe: einmal sind die Kompetenzen der Fachpersonen, die Tests durchführen, zu fördern, andererseits gilt es, die Nachfragenden über ihre Rechte aufzuklären. In den siebziger Jahren glaubten viele, man könne auf Tests verzichten. Das hatte zur Folge, dass sich in diesem Feld heute viele Personen tummeln, die sich nicht über die erforderlichen Fachkompetenzen ausweisen können.
JA/RB


Selektion im Focus
Bruno Rauch
Drei Verantwortliche für die Selektions von Lehrlingenin den Bereichen Handwerk, Verkauf, Bankwesen wurden über das jeweilige Prozedere bei der Rekturierung von künftigen Lehrlingen befragt. Neben der unterschiedlichen Grösse und Art der Betriebe, welche für sich schon unterschiedliche Verfahren bedingen, fällt auf, dass im Verkauf und im handwerklichen Beruf die Schnupperlehre zunehmend als Selektionskriterium eingesetzt wird, also nicht nur dem Bewerber Einblick in den Beruf vermittelt, sondern mindestens ebenso sehr Aufschluss für den Lehrbetrieb liefert. Weiter fällt sodann auf, dass Zeugnisnoten häufig relativiert und durch firmenintere Tests kognitiver Art ergänzt werden. - Der vierte Befragte befasst sich mit Kaderselektion. Hier wird ein differenziertes Verfahren an Selektionsprinzipien eingesetzt, welches das Profil der zu besetzenden Stelle und des auftraggebenden Unternehmnes selbst ebenso analysiert wie das Potential des Kandidaten: Mit einer vertiefte Bedürfnisabklärung und einem Selektionsprozedere nach in einem verfeinerten Raster soll die Fehlerquote auf ein Minimum beschränkt werden. BR/RA


Einen Ausweg finden
Corinne Giroud
Das im September 1996 eröffnete Centre de bilan des Kantons Waadt beriet 1997 108 Klienten. Um den Bedarf an Standortbestimmungen auf der Grundlage von beruflichen Qualifikationen im Kanton abzudecken und die Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt zu verstärken, wurden Aussenstellen in Vevey und in Yverdon-les-Bains eröffnet. Vier Erfahrungsberichte zeigen den Nutzen solcher beruflicher Assessments auf.
CG/RB


Going east
Clauds Haenggli
Während eines 6-monatigen Stages können sich Schweizer Arbeitslose in Mittel- und Osteuropa in ihrem angestammten Beruf betätigen oder evtl. auf einem neuen Gebiet aktiv Erfahrungen sammeln. Somit verbessern sie ihre Chancen auch hier für eine Anstellung. Das BWA, damals BIGA, hat 1996 zwei Koordinationsstellen beauftragt, diese Beschäftigungsprogramme zu verfolgen. In der Westschweiz haben bisher verhältnissmässig mehr Arbeitslose als in der deutschen Schweiz an solchen Programmen teilgenommen. Auch bei der Anzahl Projekten hat die Westschweiz klar die Nase vorn. Dies liegt am Einsatz der Koordinationsstelle in Sierre VS.
CH


Lehrstellenproblematik in der Waadt
Claude Jabès
Im Frühjahr 1997 beauftragte das Waadtländer Departement für Landwirtschaft, Industrie und Handel das Institut M.I.S. Trend mit einer Umfrage bei 500 Unternehmensverantwortlichen über die Lehrstellenknappheit im Kanton.
Ein erster wichtiger Faktor in diesem Zusammenhang ist die schlechte Wirtschaftslage. Neben weiteren Gründen wie Zeitmangel zeigt sich nämlich eine starke Korrelation zwischen der Einschätzung der wirtschaftlichen Perspektiven eines Unternehmens und seiner Einstellung zur Ausbildung: Je pessimistischer die Einschätzung, um so lauer das Engagement für die Lehrlingsausbildung.
Viele Unternehmensverantwortliche, die Sozial- und Verhaltenskompetenzen der Lehrstellenbewerber als gut einschätzen, bemängeln andererseits die Schulbildung bei einer wachsenden Anzahl von ihnen, was in nicht zu unterschätzender Weise ausbildungshemmend wirkt.
Die Studie zeigt andererseits, dass viele Unternehmen der Meinung sind, mit der Lehrlingsausbildung eine Aufgabe von gesamtgesellschaftlichem Nutzen zu erfüllen. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten erwarten sie deshalb eine öffentliche Anerkennung und Wertschätzung ihres Engagements.
Auch ein finanzielles Entgegenkommen des Staates in Form von Steuererleichterungen und/oder der Übernahme bestimmter Ausbildungskosten würde begrüsst.
Die Studie hat letztlich aber auch das grosse Interesse der Unternehmen für diese Problematik gezeigt sowie den deutlichen Willen der meisten Unternehmen, eine Lösung für die gegenwärtige Krise unseres dualen Ausbildungssystems zu finden.
CJ/RB


Aus dem Westen was Neues
Eric Frischknecht
Das Centre de Bilan Genève (CEBIG) ist eine einzigartige Einrichtung im Bereich Berufs- und Laufbahnberatung für Erwachsene in der Schweiz: Es ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von mehreren staatlichen und privaten Institutionen. Die Fachleute haben unterschiedliche Werdegänge (berufsberaterische, erwachsenenbildnerische). Hauptziel ist die Standortbestimmung unter Einbezug der beruflichen Qualifikationen, auch der informell erworbenen. Es kommen spezifische Methoden und Instrumente zum Einsatz. Diese Arbeitsweise verleiht dem CEBIG ein eigenständiges Profil, das es klar von anderen Leistungserbringern im Bereich Berufs- und Laufbahnberatung und Personalentwicklung unterscheidet.
EF/RB


Von der Prüfungs- zur Qualitätskommission
Res Marty, Josef Widmer
Im modularen System soll konsequent nach dem Grundsatz «wer lehrt, prüft» gehandelt werden. Weil nach jedem Modul Lernzielkontrollen gemacht werden müssen, erübrigen sich aufwendige, zentrale Schlussprüfungsverfahren. Traditionell wird die Qualität einer Weiterbildung vor allem an den Prüfungsverfahren gemessen. Im modularen System soll die bisherige Prüfungskommission eher als Qualitätskommission verstanden werden, die nebst der Festsetzung der Rahmenbedingungen für gute Lernzielkontrollen auch die gesamten übrigen Kriterien für die Qualität. RM/RA

Berufsbildung im Bauhauptgewerbe
Anton Cotti
Das Bauhauptgewerbe umfasst insbesondere Hoch-, Tief- und Strassenbau sowie Zimmerei und Pflästerungen. Obwohl es sich durch eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit an moderne Entwicklungen ausweist, halten sich ale Vorurteile gegenüber den Bauberufen: «Handlanger», «Dreckarbeit», «Bier», «grober Umgangston».
Eine 1997 revidierte Berufsbildungspoltik (www.panorama.ch /85/sbv) bildet die Basis für umfassende Aktivitäten in der beruflichen Aus- und Weiterbildung, die durch einen partnerschaftlich geäufneten Fonds mitfinanziert werden. Jährlich werden rund 6000 Lehrlinge ausgebildet. Einführungskurse gibt es im Baugewerbe seit 1930. Aber auch Berufs- und Höhere Fachprüfungen, Ausbildungen für Baumaschinenführer und Kaderleute sowie Saisonierkurse in den Heimatländern der Gastarbeiter gehören zur Berufsbildungstätigkeit des SBV, seiner Sektionen und Fachgruppen.






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