Zusammenfassungen
Ausbildungsplatzförderung in Deutschland
Sigrid Friedrichs
Jede und jeder Lehrstellensuchendet soll ein Angebot erhalten. Die Verwirklichung dieser Maxime der deutschen Bundesregierung erfordert eine ganze Palette von Massnahmen, vom Entwickeln neuer Ausbildungsberufe über Motivationskampagnen für die Unternehmen bis hin zu Änderungen von Rahmenbedingungen. Umfangreiche Massnahmen haben im vergangenen Jahr zu einer Trendwende bei der Entwciklung des Lehrstellenangebots geführt. Für das laufende Jahr kamen neue Massnahmen dazu, von PR-Aktionen über kostengünstige Darlehen bis zu Gesetzesänderungen. RA
Gibt es in der Schweiz Arbeitslosigkeit?
Dieter Freiburghaus
Die Schweiz hatte in den vergangenen Jahren zusammen mit den USA und Luxemburg weltweit immer die niedrigste Arbeitslosigkeit. Erstaunlicherweise wurde sie jedoch in der Öffentlichkeit als sehr dramatisch wahrgenommen oder dargestellt. Zwanzig Jahre Erfahung mit Fragen der Arbeitslosigkeit in der Schweiz und in anderen Staaten zeigt, dass dies problematisch ist, wenn daraus politisch die falschen Schlüsse gezogen werden. DF/RA
Sprachunterricht für Ingeniere
Siegfried Baruffol, Robert Keiser
Ingenieure benötigen Fremdsprachen am häufigsten beim Lesen und das Telefonieren. Bezüglich Vermittlung der Sprache muss vor allem eine Harmonisierung zwischen Volksschule, Berufsmittelschule und Fachhochschule verlangt werden sowie der Einsatz von Immersions-Unterricht.
Thesen zur Ausbildung in der Informationsgesellschaft
Werner Kolb
In zehn Thesen werden der Wandel in der beruflichen Aus- und Weiterbildung und dessen Auswirkungen zur Diskussion gestellt: In der Informationsgesellschaft vermehrt sich Wissen rasend schnell. Der Anspruch auf umfassende Bildung ist nicht mehr einzulösen. Die Informationsgesellschaft setzt Wissen hier und jetzt um, da Wissen auf Vorrat unökonomisch geworden ist. Die Informationsgesellschaft erfordert «learning on demand». Learning on demand setzt die Fähigkeit des (Selbst)-Lernens voraus. Elektronische Medien unterstützen das Selbstlernen. Neue Medien ermöglichen eine Begleitung auf Distanz der (selbst)lernenden Person. Neue Medien ermöglichen das kooperative Lernen auf Distanz. Neue Medien ermöglichen nicht-linearen, unstrukturierten und explorativen Wissenserwerb. Die Entwicklung der Kosten wird die Anbieter bestimmen. WK/RA
Akkreditierung
Josianne Bodart Senn
Am 30. April 1998 diskutierten auf Einladung der SVEB in Lausanne rund 50 Fachpersonen ein neues Akkreditierungsverfahren für Erwachsenenbildungsinstitutionen, das vom Bundesamt für Wirtschaft und Arbeit (BWA) in die Vernehmlassung geschickt worden ist. Immer öfter evaluieren solche Institutionen allein oder mit Hilfe von externen Fachleuten ihr Leistungsangebot unter dem Qualitätsaspekt. Angesichts der Entwicklung des Marktes sehen sich viele dieser Institutionen veranlasst, das eine oder andere Qualitätslabel anzufordern, und sie unterziehen sich externen Evaluationen in Form von Qualitätskontrollen. Ein Qualitätslabel kann durchaus Vorteile bringen und der Weiterentwicklung dienen. Unter gewissen Umständen können wenig repräsentative Vorgaben die Ausbildungsdynamik allerdings auch lähmen. JBS/RB
Aus der Berufsbildungsforschung: Selbstevaluation praktisch
Hildegard Holenstein
In einem Forschungsprojekt wurde untersucht, wie Selbsevaluation gefördert werden kann. Das hier wiedergegebene Tagebuch zeigt auf, wie eine Schule als Gesamtorganisation in den Selbstevaluationsprozess einsteigt und Evaluationsprojekte erfolgreich durchführt. Dabei wird deutlich, dass die Beteiligten durch diesen Prozess ihre Fähigkeiten entwickelt haben, offen und ehrlich in den eigenen Spiegel zu schauen, über das eigene Handeln kritisch nachzudenken, für Entwicklung offen zu sein und wo nötig Veränderungen zuzulassen.
Akkreditierung von Weiterbildung
Robert Galliker
Bund und Kantone wollen ein gemeinsames Verfahren zur Akkreditierung von Institutionen einführen, die berufliche Weiterbildung anbieten. Sie soll Voraussetzung für eine staatliche Unterstützung und die Bewerbung um öffentliche Aufträge sein. Darauf haben sich das Bundesamt für Arbeit und Wirtschaft (BWA) mit der Deutschschweizerischen Berufsbildungsämter-Konferenz (DBK) geeinigt. Das Verfahren soll ab Januar 1999 schrittweise eingeführt werden und die Qualität der Angebote verbessern, mehr Transparenz schaffen und Grundlöagen für behördliche Entscheide schaffen. Wt/RA
Regionalen Oberstufe Jurasüdfuss
Peter Müller
An der «Regionalen Oberstufe Jurasüdfuss» (ROS) der Rudolf Steiner Schulen Solothurn, Langenthal und Biel besuchen Lehrtöchter und Lehrlinge mit angehenden Akademikern und künstlerisch oder sozial interessierten Jugendlichen gemeinsam den Unterricht im 11. und 12. Schuljahr. Die Hälfte der Zeit sind sie in die Schule, die andere in zahlreiche Betrieben der Region in Berufspraktika und Einführungskursen. Diese Zeit kann an eine anschliessende Lehrzeit angerechnet werden, entsprechend Begabte können sich auf weiterführende Schulen der Sekundarstufe II vorbereiten. PM/RA
Berufsberatung in Deutschland, Österreichund der Schweiz
Res Marty, Hubert Klebel, Klaus Mathis, René Zihlmann
Seit elf Jahren treffen sich regelmässig praktisch tätige Berufsberater, Lehrmittel-Autoren und Dozenten für Berufsbildung und Berufsberatung zur Diskussion von Fragen der Berufsorientierung, zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch und um sich auch persönlich näherzukommen. Auf Wunsch von PANORAMA lud Res Marty dort anwesende Fachleute zu einem Gespräch über Unterschiede und Ähnlichkeiten der Berufsberatung in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wt/RA
Die praktische Lehre
Klaus Leiggener
Die praktische Lehre, im Kanton Wallis entwickelt und in einigen wenigen andern Kantonen eingeführt, stellt eine Weiterbildungsmöglichkeit für praktisch begabte Jugendliche dar, die eine Anlehre absolviert haben. Sie endet mit dem praktischen Teil der Lehrabschlussprüfung eines normalen Lehrberufs. Der Besuch des Berufsschulunterrichts ist freiwillig. Wt/RA
Forschungssituation in Frankreich
Jacques Amos
In Frankreich ist die Berufsbildungsforschung sehr viel stärker verankert als in der Schweiz. Wegen der marginalen Bedeutung des dualen Ausbildungssystems führt sie dort allerdings kein Eigenleben, sondern ist institutionell der allgemeinen Bildungsforschung angegliedert, und sie wird von den Bildungs- und Forschungsabteilungen verschiedener nationaler oder regionaler Institutionen wahrgenommen, ebenso wie von zahlreichen Universitätsinstituten und verschiedenen Forschungsabteilungen des Centre national de la recherche scientifique (CNRS). Schliesslich kennt Frankreich auch ein fein tariertes System der Klassifizierung beruflicher Fertigkeiten, das gezwungenermassen ebenfalls wissenschaftlich abgestützt sein muss. Aufgrund dieser Ausgangslage ist der thematische Bogen der Forschungsvorhaben in den Bereichen Berufsbildung und Arbeitsmarkt erwartungsgemäss sehr weit gespannt. RB
Berufsbildungsforschung in Europa
Manfred Tessaring
Das Europäische Zentrum für die Förderung der Berufsausbildung (CEDEFOP), eine Agentur der Europäischen Gemeinschaft, hat zwei Berichte über die Berufsbildungsforschung in Europa herausgegeben. Sie sollen in zweijährlichen Abständen aktualisiert und erweitert werden.
Bildung und Arbeit: zwei kompatible Begriffe?
Daniel Tröhler
Die gegenwärtige Entwicklung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes verlangt zusehends Reformen in den Bildungssystemen. Diese Reformen sind anhand von zwei Begriffen festzumachen: Spezialisierung und Flexibilität. Sind diese Begriffe in sich überhaupt kompatibel? Sind «Arbeit» und «Bildung» Leitbegriffe eines grossangelegten Kongresses in Zürich im Herbst 1998 kompatible Begriffe? Anhand des Bildungsbegriffs von Rousseau wird das schwierige Verhältnis von Wirtschaft und Pädagogik untersucht, allerdings ohne den Anspruch zu erheben, eine Lösung präsentieren zu können. DT
Zur Arbeit motiviert
Valérie Bory
95 Prozent der Jugendlichen, die am «Semestre de motivation» in Monthey teilnehmen, schliessen einen Lehrvertrag ab. Zum Erfolg tragen verschiedene Faktoren bei: Mitmachen können vorrangig Jugendliche mit abgeschlossenem Schulobligatorium, die eine Ausbildung machen wollen. Die Teilnehmer unterzeichnen einen Vertrag, und sie erhalten 450 Fr. im Monat. Das Programm dauert sechs Monate, acht Stunden am Tag mit Arbeit in der Werkstatt, auf Baustellen in der Umgebung, mit Unterricht und kurzen Praktika in Unternehmen. Die Nachfrage ist gross, es bestehen Wartelisten. Ähnliche Programme sind auch an andern Orten im Wallis, im Tessin, im Berner Jura und in einigen Deutschschweizer Kantonen eingerichtet worden. VB/RB
Wie arbeiten die RAV?
Claude Hunold
Die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) haben ihren Betrieb erfolgreich aufgenommen. Dies belegt eine vom BWA in Auftrag gegebene Repräsentativbefragung bei 3811 Stellensuchenden und 2060 Personalverantwortlichen Schweizerischer Unternehmungen. Besonders gelobt werden der freundliche Empfang und die zuvorkommende Behandlung. Investitionen in die Berufskenntnisse der Personalberaterinnen und -berater sowie der Aufbau eines professionellen Marketings sind jedoch nötig, um die Anforderungen der Zeit erfolgreich meistern zu können.
Die Schaffhauser beissen zu
Walter Bernath, Markus Rüegsegger
1990 begann auf der Berufsberatung Schaffhausen eine Entwicklung im Bereich der Berufsinformation, die durch die EDV erst ermöglicht wurden. Heute, acht Jahre später, werden in den meisten Schulhäusern und Klassenzimmern der Orientierungsschulen im Kt. Schaffhausen die CD-ROM BISS (Berufs-Informations-System-Schaffhausen) im Berufswahlunterricht eingesetzt. Der ideelle Grundstein von BISS war die Idee, dass der Computer beim Suchen von Dokumenten in der Stamm- und Ausleihdok eingesetzt werden sollte. Schrittweise wurde BISS realisiert, Modul um Modul entwickelt (SWISSDOK, LENA/LEFI, SCHULEN, BKV, WAB, FAB), bis schlussendlich ein auf schweizerischen und schaffhauserischen Daten basierendes Informationssystem geschaffen war. Im Laufe der Zeit wandelte sich BISS vom Expertensystem zum Publikumssystem. Der PC mit BISS ist im BIZ-Schaffhausen für die Selbstinformation ein unentbehrliches Hilfsmittel geworden. Durch den Einsatz von BISS auf einer CD-ROM ist eine flächendeckende und in Kombination mit dem LENA/LEFI auf Internet auch eine aktuelle Information der Schaffhauser Bevölkerung gewährleistet. Die BISS-CD läuft auf jedem handelsüblichen PC (ab Win3.11) und auf Macintosh mit einem CD-Laufwerk und einem 14Zoll oder grösseren Farbbildschirm.
Kaminfegerin im Glück
Corinne Giroud Caspar
Die Auszeichnung «Un avenir différent», die im Juni 1997 zum erstenmal an die junge Werkzeugmacherin Régine Favre verliehen wurde, ging dieses Jahr an Irène Chessex, die eben ihre Kaminfegerlehre abgeschlossen hat. Diese Auszeichnung wird von einer Kommission der Association romande de conseil en orientation scolaire et professionnelle (ARCOSP) ausgerichtet. Die Kommission setzt sich seit über zehn Jahren für die Überwindung von Vorurteilen und stereotypem Verhalten bei der Berufswahl ein (vgl. PANORAMA 6/97). CG/RB
SVB-Präsidium statt Bundesratssessel
Bruno Rauch
In der Westschweiz muss man Christiane Langenberger-Jaeger wohl kaum vorstellen. Nationalrätin der Waadt, Gemeinderätin ihrer Wohngemeinde Romanel-sur-Morges, Ex-Kantonsrätin, Mitglied der Fraktion und des Vorstands ihrer Partei, der FDP, Präsidentin des schweizerischen Frauenrechtsverbands und was ihr gesamtschweizerische Beachtung verschafft hat Kandidatin in letzter Minute für die Bundesratswahl vom vergangenen März. An der GV vom 5. Juni in Bellinzona wurde sie unter grossem Beifall zur neuen Präsidentin des ASOSP gewählt. Dieses Präsidium habe sie sehr gern angenommen, weil sie damit die Erfahrungen und Anliegen ihrer bisherigen politischen Arbeit verbinden kann. Die Gleichberechtigung der Frauen und die Anliegen der Jugend sind die Schwerpunkte ihres Engagements, beides Aspekte, denen auch in der Berufsberatung zentrale Bedeutung zukommt. Zudem seien ihr, die übrigens einst eine Schauspielerkarriere angestrebt hatte, Mensch und Gesellschaft und deren Einbettung in das wirtschaftliche Umfeld wichtig. Dass sie zudem über Parteigrenzen hinweg als Integrationsfigur gelobt wird, dürfte dem zur Zeit nicht allzu stabilen Verband gut tun.
Fachhochschullandschaft
Bruno Weber-Gobet
Durch den Aufbau der Fachhochschulen ist die Bildungslandschaft Schweiz in Bewegung. Davon sind auch die ehemaligen Kunstgewerbeschulen betroffen. Sie sind allerdings mit dem Schlußbericht einer Subkommission der Eidgenössischen Fachhochschulkommission (EFHK) nicht ganz zufrieden. Zwar fand das Grundkonzept allgemeine Zustimmung, die konkrete Umsetzung dieses Konzeptes hat aber zum Teil massive Reaktionen hervorgerufen. Der Autor - Mitglied der EFHK und der Arbeitsgruppe - weist in seinem Artikel darauf hin, daß angesichts der geringen Anzahl der Studierenden im Bereich der Gestaltung Konzentrationen unumgänglich sind. Zudem macht er auf die Gefahr aufmerksam, daß vor lauter Streben der Kantone und der Schulen nach Fachhochschulwürde die Sekundarstufe II im Bereich der Gestaltung unter die Räder gerät. BW
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