Zusammenfassungen



Der Lehrstellenbeschluss
Christoph Schmitter
Der Lehrstellenbeschluss (LSB) des Bundes ist erfolgreich gestartet. Die Massnahmen zur Schaffung zusätzlicher Lehrstellen haben bei den Kantonen und Sozialpartnern eine breite Akzeptanz gefunden. Das ist die vorläufige Bilanz des Evaluationsteams der UNI – Bern. Mit der Ende März gestarteten nationalen Kommunikationskampagne zugunsten der Berufsbildung sollen die Anliegen des LSB verstärkt und breit kommuniziert werden. Wichtigste Zielgruppen der Startkampagne sind Unternehmer, die noch keine Lehrlinge ausbilden. Das sind rund 70 Prozent aller Betriebe unseres Landes!


Die Schweizerische Modulzentrale
Res Marty
Das Weiterbildungssystem der Schweiz ist unübersichtlich und wenig transparent. Dies ist für die Lernenden ebenso ungünstig wie für die Personalverantwortlichen der Betriebe. Einheitliche Klassifikations- und Qualitätskriterien verbessern die Übersicht und erlauben die Verwendung in verschiedenen Baukästen sowie von mehreren Verbänden und Anbietern. Allerdings ist eine zenterale Bewirtschaftung der Module erforderlich. Die Schweizerische Modulzentrale (SMZ) ist beauftragt, bereits während der Pilotprojektphase (1996-1998) diese und andere Funktionen zu übernehmen. Sie vermittelt Information und Beratung, entwickelt das Gesamtsystem weiter und überprüft formal Module und Baukästen. Sie schliesst mit allen Anbietern einen Vertrag ab, worin die Rahmenbedingungen des BBT für die Phase des Pilotversuchs formuliert sind, unter anderem die Verpflichtung zur Zusammenarbeit mit anderen Modulanbietern. Bisher wurden über 200 Module geprüft. Ein ansehnlicher Teil davon kann mehrfach, das heisst in verschiedenen Baukästen und von mehreren Anbiwetern verwendet werden. RM/RA


Grundsätze eines Baukastensystems
Josef Widmer
Module sind zurzeit in aller Munde. Als bildungspolitischer Trend-Begriff hat die Modularisierung in den letzten Jahren auch Eingang in die schweizerische Berufsbildungs-Diskussion gefunden. Die Modularisierung spielt aber nicht nur in der Schweiz, sondern auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern derzeit eine wichtige Rolle. Spanien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg, die Niederlande, England und Schottland kennen zum Teil seit Jahren modulare (Teil)-Systeme. Eine 1992 durchgeführte Studie ergab allerdings, dass sich die Ansätze in den einzelnen Ländern sehr stark unterscheiden. Von einer Schaffung und Anerkennung gemeinsamer gesamteuropäischer Module ist man noch ziemlich weit entfernt.

Modularisierung nicht prioritär
Rolf Dubs
Bevor über die Modularisierung der Berufsbildung diskurtiert werden kann, ist zu definieren, was darunter zu verstehen ist, insbesondere ob das Berufskonzept beibehalten oder aufgegeben werden soll. Den Vorteilen der Modularisierungstehen beträchtliche Nachteile gegnüber.
Vorderhand geht es um eine bildungspolitische Forderung. Wissenschaftliche Untersuchen fehlen noch. RD

Modulare Ausbildungseinheiten
Gilbert Bertschi
Die Commission Romande de Validation des Modules Informatiques (CRVMI) wurde 1997 im Rahmen des Biga-Pilotprojektes 1.2 «Informatik für Anwender» gebildet. Sie setzt sich aus Vertretern von 11 Ausbildungsinstitutionen aus allen Westschweizer Kantonen und vor allem aus allen an der Informatikausbildung interessierten Kreise zusammen. Ihr Zweck ist es, die gegenseitig zu anerkennenden Module zu definieren und ein Ausbildungssystem mit anrechenbaren Einheiten einzurichten. Zurzeit sind 16 Module definiert und von der Schweizerischen Modulzentrale (SMZ) akkreditiert worden. Das System erlaubt es, Teilqualifikationen in Informatik zu erwerben, Module zu kombinieren, es sieht ein Fähigkeits-Evaluationssystem vor, fördert dank der Anerkennung in mehreren Kantonen die geografische Mobilität und erlaubt den Erwerb von Abschlüssen an privaten und öffentlichen Institutionen der Westschweiz. Die Qualitätssicherung ist durch verschiedene Massnahmen der Kommission gewährleistet. Dank aktiver Mitarbeit der Institutionen ist eine originelle Fähigkeitskontrolle gemäss dem Grundsatz «Wer lehrt, prüft» möglich geworden. Die Kommission und die entsprechende Berufsvereinigung (die nur in der Westschweiz aktive Association suisse pour la bureautique et la communication) erteilen eine Fähigkeitsbestätigung für jedes Modul. Das System ist seit dem 1. Februar 1998 in Kraft. Weil es allen Institutionen der Informatikausbildung offen steht, stösst es bereits auf sehr grosses Interesse. GB/RB



Baukastensystem als Zukunft der Berufsbildung?
Roland Kunz, Emil Wettstein
Die Fachvereinigung für Berufsberatung FAB organisierte im Rahmen der Internationalen Berufswettbewerbe 1997 in St. Gallen ein Podiumsgespräch zur Frage: «Liegt die Zukunft unserer Berufsbildung in einem Baukastensystem?»
Flexiblere Aus- und Weiterbildungskonzepte sind nötig – darüber waren sich die Gesprächsteilnehmer weitgehend einig. Das geeignete Mittel zur Umsetzung dieser Forderung ist ein Baukastensystem. Bereits vor 25 Jahren gefordert werden solche heute entwickelt und – mindestens in der Weiterbildung – auch breit unterstützt.
Wt

Fünf Thesen zur Modularisierung
Philipp Gonon
Im Lichte internationaler Erfahrungen lassen sich folgende Thesen begründen:
1. Modularisierung entstand aufgrund des Bedürfnisses »Ordnung» in ein Bildungswesen zu schaffen.
2. Modularisierung greift (zunächst) in den Randzonen der Bildung.
3. Modularisierung kommt individuellen Bildungsbiographien entgegen.
4.Es ist ein Spill-over-Effekt der Modularisierung zu beobachten.
5. Modularisierung baut auf die bisherigen Leistungen des Bildungssystems, bzw. ist der Versuch einer weiterführenden innovativen Bildungspolitik.

Modulare Weiterbildung: ja, aber...
Doris Fluck

Eine modulare strukturierte Weiterbildung – zum Beispiel im Spitex-Bereich – stellt die Ausbildenden vor vielerlei Fragen: Einerseits muss der Stoff modular, d. h. in einzelne Unterrichtseinheiten gegliedert werden. Dann müssen die einzelnen Module didaktisch vernetzt werden. Und schliesslich gilt es, die Gefahr der Desintegration durch Lernkontrollen, integrative Ausbildungselemente wie Lerngruppen und Praxisberatung sowie die Betonung grundsätzlicher, modulübergreifender Haltungen und Einstellungen zu mindern. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren sowie der schrittweisen Einführung, zeitigen modular strukturierte Bildngsgänge gute Resutate. BR/RA

Neue Arbeitszeitmodelle
Rudolf Bähler
In der Schweiz läuft die Diskussion um die Möglichkeiten und Grenzen der Beschäftigungswirksamkeit von neuen Arbeitszeitmodellen. In Ermangelung wissenschaftlich erhärteter Fakten und in Verkennung von Praxisbeispielen aus der Vergangenheit wird allerdings oft mit Glaubensbekenntnissen argumentiert. Zwei Pilotversuche auf der Grundlage von Art. 110a des Arbeitslosenversicherungsgesetzes sollen nun einen Beitrag zu dieser Diskussion leisten. Das «Altersteilzeitmodell» im Bauhauptgewerbe erlaubt es älteren Beschäftigten, ab dem 60. Lebensjahr Teilzeit zu arbeiten und ihre Erfahrung an neu eingestellte, weniger qualifizierte Arbeitnehmer und an Lehrlinge weiterzugeben. Im Rahmen des «Solidaritätsmodells» nehmen Dreierteams bei der Post eine vierte, erwerbslose Person auf und teilen die Erwerbslosigkeit mit ihr. Dank der Unterstützung dieser Versuche durch die Arbeitslosenversicherung ist die Lohneinbusse in beiden Fällen bescheiden. RB


Berufsberatung - was darf sie kosten?
Alex C. Bauert

Die Berufsberatung wird von der Diskussion um NPM und Sparmassnahmen nicht ausgenommen. Gleichzeitig bereitet der Bund einen Entwurf für eine Änderung des Berufsberatungsgesetzes für Ende 98 vor. Der Bericht der Studie «Berufsberatung der Zukunft» zielt auf die Beibehaltung der bisherigen Grundversorgung und schlägt vor allem Erweiterungen beim Angebot durch die öffentlichen Beratungsstellen vor. Lehrmeisterkurse, Personalselektion, Kaderberatungen, etc, sind mögliche Angebote. Politisch brisant wird die Entscheidung sein, wer denn bezahlen soll.
AB/RA


Was bringt ein Universitätsabschluss?
Valérie Bory

Es geht um die Frage der Berufsaussichten, somit auch der Arbeitslosigkeit, die sich den Hochschulabsolventen je nach Richtung anders stellt. 1995 waren durchschnittlich 6,4 Prozent arbeitslos. Ähnlich sind die Probleme im nicht universitären Tertiärsektor (zukünftige Fachhochschulen). Die Verwaltung bietet weniger Beschäftigungsmöglichkeiten als früher. Wegen der Budgetrestriktionen treten heute 15 Prozent weniger Hochschulabsolventen in die Verwaltung ein als noch vor 15 Jahren. Universitäten und Hochschulen beschäftigen 21 Prozent der Absolventen, aber meist in befristeten Anstellungsverhältnissen. Es bestehen zahlreiche Vorschläge, die Universitäten aus der Isolation zu holen und ihnen mehr unternehmerischen Gestaltungsraum zu geben. Die Vorschläge des Staatssekretärs für Wissenschaft und Forschung sehen Evaluationsmöglichkeiten vor, welche die Rolle der Universität in der Gesellschaft aufwerten soll. VB/RB


Einzelcoaching als Ergänzung zur RAY-Beratung
Viktor Moser

Schwer vermittelbare Stellenlose laufen oft Gefahr, bei den zeitlich stark beanspruchten Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) durch die Maschen zu fallen. Persönlichkeitsorientierte Kurse nehmen zwar eine wichtige Abklärungsfunktion wahr und ermutigen die Betroffenen zu Eigenaktivitäten, doch auch sie ersetzen keine individuelle Begleitung. Eine sinnvolle Ergänzung zur Beratung im RAV und zum bestehenden Kursangebot kann, bei sorgfältiger und gezielter Zuweisung, das sogenannte Einzelcoaching sein.
VM/RA

Fruchtbare Zusammenarbeit
Claude Haenggli

Anhand zweier Beispiele, eines grossen RAV im städtischen Umfeld (Bern und Umgebung) und eines kleinen RAV auf dem Land, stellt der Autor zwei mögliche Wege für den Kontakt mit den Unternehmen und die Auslotung des Arbeitsmarktes vor: einerseits die Bildung eines Teams von Arbeitsmarkt-Fachleuten, die gesondert von den Personalberaterinnen und -beratern arbeiten, andererseits die auf den «Verkauf» spezialisierten Beraterinnen und Berater. CH/RB


Der doppelte Kultursprung
Thomas Sturzenegger
Der Einstieg in eine Berufsausbildung nach abgeschlossener Schulzeit stellt für Jugendliche, egal welcher Nationalität, eine Zäsur dar, die sehr wohl als Kulturwechsel verstanden werden kann. Für diesen schwierigen Schritt wurde für die Berufswahlarbeit mit ausländischen Jugendlichen ein besonderes Lehrmittel entwickelt, das ihrer Situation Rechung trägt. Hauptanliegen des praxisorientierten Werks ist es neben der eigentlichen Information zur Berufswahl auch die Vermittlung einer anderen Kultur als unerlässliche Basis für einen erfolgreichen Berufswahlprozess zu gewährleisten und zu unterstützen.
BR/RA


Lehre fertig, keine Stelle
Bruno Weber-Gobet

Keine Stelle nach der Lehre. Was tun? Auch diesen Sommer werden einige tausend Jugendliche nach dem Lehrabschluss (und ihre besorgten Eltern) wieder mit diesem Problem konfrontiert. Längst nicht für alle verläuft nämlich der Übergang von der Lehre in ein festes, besoldetes Beschäftigungsverhältnis ohne Schwierigkeiten. Seit letzten Sommer läuft im Rahmen des Bildungsinstitutes des Christlichnationalen Gewerkschaftsbundes (CNG) ein Projekt zum Thema «Konfliktfall Familie: Jugendliche ohne Arbeitsstelle». Bisher war das Projekt vorwiegend auf die eigenen Mitglieder ausgerichtet. In diesem Frühjar und Sommer soll es jedoch bewusster über die eigenen Grenzen hinaus geöffnet werden und neben der Durchführung von verschiedenen regionalen Aktionen auch eine Informationsbroschüre zum Thema «Nach der Lehre auf Stellensuche» herausgegeben werden. BW/RB

Drastischer Rückgang der Ausbildungsbereitschaft
Emil Wettstein
Das Bundesamt für Statistik hat neue Auswertungen der Betriebszählungen bekanntgegeben. Danach haben 1985 tatsächlich rund 30 Prozent der gewerblichen und industriellen Betriebe Jugendliche ausgebildet. Im Dienstleistungssektor waren es aber schon damals nur 20 Prozent. Bis 1995 sind die Werte auf 21.5 Prozent bei den gewerblichen und industriellen Unternehmen gesunken und gar auf 13.8 Prozent im Dienstleistungs-Sektor!
Gemittelt beteiligt sich somit noch ein Fünftel aller Betriebe an der Lehrlingsausbildung!
Wie sind diese Zahlen zu erklären? In einzelnen Bereichen gibt es keine Berufslehren, etwa im Unterrichtswesen. Der Rückgang gegenüber 1985 wird damit aber nicht erklärt. Ist es falsch, Ein-Personen-Betriebe zu berücksichtigten? Nein, denn sie können auch ausbilden.




Emil Wettstein









Modularisierung – Baukastensysteme
Système modulaire – Unités capitalisables
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