Zusammenfassungen
Neuordnung der Ausbildung in der Grafischen Industrie
Michael Stauffer
Auf Anregung des Schweizerischen Verbandes für visuelle Kommunikation (Viscom) und des BIGA schlägt eine Studienkommission für die Revision der Grundausbildung in der Grafischen Industrie eine Neuordnung der Lehre im Bereich der Kommunikationsberufe vor. Eine Versuchsphase für die Dauer von zwei Ausbildungszyklen soll es den Ausbildungsverantwortlichen erlauben, sich eine Meinung bezüglich der Ausweitung, eventuell sogar der allgemeinen Einführung dieser neuen Ausbildung zu bilden. Für die Versuchsphase sind als Ausbildungszentren Bern, St. Gallen und die Ecole romande des arts graphiques (ERAG) in Lausanne ausgewählt worden.
Modulare Weiterbildung für Ausbilder von Behinderten
Siegrid Friedrichs
Die berufliche Integration von Menschen mit Behinderungen verlangt von den Ausbildenden zusätzliche Managementqualitäten. Ein modulares Weiterbildungssystem soll jeden Ausbildenden, unabhängig von seinen mitgebrachten Voraussetzungen und seiner speziellen, zu betreuenden Zielgruppe, innerhalb von max. zwei Jahren berufsbegleitend zum Ziel führen. Die Weiterbildung der Ausbildenden soll langfistig mit dem Abschluss einer höheren Fachprüfung honoriert werden. Erste konkrete Schritte zur Umsetzung dieses Konzeptes sind bereits in die Wege geleitet worden, weitere Aktivitäten befinden sich in Planung
Parallèle 41
Regula Pfeifer
Am Neuenburger Berufsbildungszentrum können seit 1994 praxiserfahrene Berufstätige verschiedener Bereiche eine Berufslehre nachholen. Die Ausbildung geschieht in Modulen einzelnen Unterrichtsfächern die abends unterrichtet und eines nach dem anderen mit einer Prüfung abgeschlossen werden. Die meistbesuchte Lehre, die kaufmännische, kann seit August 1997 innerhalb von zwei Jahren nachgeholt werden. Sie ist eines der BIGA-Pilotprojekte, welche die modulare Weiterbildung testen.
Imageförderung der Berufsbildung
Fritz Forrer, Andreas Meier
Eine empirische Untersuchung von Studierenden der HWV St. Gallen zeigt, dass die gesellschaftliche Anerkennung der Berufsbildung von der Bevölkerung nicht allzu hoch eingestuft wird: Sie wird im Vergleich zu einer akademischen Ausbildung von Jugendlichen und Eltern deutlich schlechter beurteilt. Ein Grund dafür ist das ungenügende Wissen über neuere Formen der Berufsbildung wie beispielsweise der Berufsmatura: Bekanntheitsgrad und Bildungsmöglichkeiten der Berufsmatura sind noch verbesserungsfähig. Dabei ist vor allem auch die damit verbundene Kombinationsmöglichkeit von handwerklicher Lehre mit anspruchsvoller schulischer Berufsbildung und die mit der Berufsmatura verbundenen instiutionalisierten Weiterbildungsmöglichkeiten an den Fachhochschulen zu kommunizieren. Jugendliche und Eltern benützen verschiedenste Informationskanäle um sich über die möglichen Ausbildungswege zu informieren. Bevorzugt werden vor allem Schnupperlehren, Informationsbroschüren, Berufswahlveranstaltungen und Berufsberater. Inhaltlich werden insbesondere Informationen zu Inhalten, Anforderungen, Aufgabengebieten und Weiterbildungsmöglichkeiten gewünscht.
Berusschulunterricht: Laufbahnplanung ein Fremdwort
Bruno Rauch
Die Frage der Laufbahnplanung an den Berufsschulen ist (noch) kaum ein Thema. Das dürfte sich in Zukunft ändern, zielt doch der Rahmenlehrplan für den Allgemeinbildenden Unterricht unter anderem auch in diese Richtung. Zur Zeit ist es dennoch erstaunlich, wie wenig Unterrichtsmaterial zu dieser Thematik auf dem Markt ist. Neben dem «CH-Qualifikationsbuch», das noch in der Pilotphase steckt, und dem «Aktuellen Weiterbildungsbuch»gibt es seit 1996 ein vorzügliches Lehrmittel für die Hand des Lehrers und des Lehrlings, das bereits in verschiedenen Kursen mit Erfolg eingesetzt wurde. Seine Implementierung harzt indessen. Entsprechende Vorstösse sind auf jedoch bereits lanciert. BR/RA
Erste Bilanz der Berufspraktika beim Bund
Claude Haenggli
Die Idee der Berufspraktika entstand 1993, anlässlich eines Vorstosses im Nationalrat. Heutzutage stehen in der Bundesverwaltung und in den Bundesbetrieben 250 Plätze zur Verfügung . Die ersten Resultate sind sehr ermutigend und die Firma OGESAL aus Porrentruy, die für die Verwaltung zuständig ist, kann eine positive Bilanz vorlegen, trotz gewisse praktischen Schwierigkeiten im Umgang mit den für den Arbeitsmarkt zuständigen Stellen. CH
Arbeitserfahrung und Lebensqualität
Alex C. Bauert
Lehrlinge sind der Doppelbelastung Schule-Beruf ausgesetzt, die unterschiedlich wahrgenommen wird. Sie fühlen sich als Lehrlinge, da sie z.B. getrennt in die Pausen gehen, Fehler machen dürfen, keine direkten Feedback erhalten, uam. Der Beruf nimmt während und nach der Lehre einen hohen Stellenwert ein. Die Rotation in grossen Betrieben ermöglicht viele Kontakte, allerdings auf Kosten der Vertiefung und der sozialen Integration. Die Weiterbildung nach der Lehre, klare persönliche Ziele und soziale Unterstützung bei Belastungen sind Ratschläge für einen erfolgreichen Übergang ins Berufsleben. AB/RA
Berufs-Beratung als Herausforderung
Rolf Kuhn
War Berufsberatung in den Anfängen in erster Linie Berufswahllenkung und Berufsaufklä rung, wurde sie seit den 70er Jahren zur klärenden und problemlösenden Berufsorientie rung. Für die künftige Entwicklung der Beratungsarbeit spielt allerdings vor allem die menschliche Informationsverarbeitung eine zentrale Rolle. Ziel der Beratenden muss ver mehrt die «Vitalisierung der Informationsnachfrage» sein, weil die Informationstechnologie grundsätzlich zu einer Verdichtung und Individualisierung der Kommunikation führt und der Suchweg unterschiedlicher, individualisierter und komplexer wird. Ihre Aufgabe wird es sein, vorhandene und neue Informationen lösungsgerecht zu gliedern und gestalterisch zu vernetzen. Berufsberatung wird dadurch immer mehr zur «Informationsverarbeitungs-Beratung».
RAV: Jetzt kommt die Bewährungsphase
Rudolf Bähler
Ab Januar 1998 müssen die RAV laut Gesetz voll operationell sein. Eine Umfrage in fünf Kantonen zeigt, dass die RAV-Aufbauphase quantitativ in der Tat weitgehend abgeschlossen ist. Für das laufende Jahr sind somit im wesentlichen inhaltliche Korrekturen angesagt «Qualität statt Quantität» gewissermassen. Angestrebt wird vor allem eine stärkere Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Arbeitgeber, die den RAV (noch) keine sehr guten Noten austeilen, und die Verbesserung der interinstitutionellen Zusammenarbeit. Die Kontrolle der Arbeitsbemühungen scheint überall gewährleistet. Zu reden geben wird wohl vor allem die vorgesehene Frequenz von zwei monatlichen Beratungsgesprächen mit Arbeitslosen. Selbst dort, wo diese Regelung personell durchführbar wäre, wird sie als zu starr erachtet. Fünf FRagen und fünfundzwanzig Antworten aus der ganzen Schweiz. RB/RA
Zwischen Planwirtschaft und Freiheit
Ida Vischer
Im September 1997 fand der Kongress der Internationalen Vereinigung für Schul- und Berufsberatung in Brasov , Rumänien, statt. Rund 120 Delegierte aus 37 Ländern und 100 rumänische Teilnehmer befassten sich in Referaten, Diskussionen und Workshops mit dem Thema «Karriere - Glücksfall oder Planung». Besonders in den Ländern des ehemaligen Ostblocks, wo der Einzelne wenig darauf vorbereitet ist, wird Arbeitslosigkeit zu einer neuen und andauernden Herausforderung. Karriere wird unter diesen Voraussetzungen zunehmend horizontal verstanden und weniger als hierarchischer Aufstieg. IV/RA
Gesucht: Der ideale Personalberater
Ruedi Arnold
Was erwarten Unternehmen von einem Personalberater, eine Personalberaterin? Eine Studie des Forschungsinstituts IPSO gibt die Antwort: Am wichtigsten sind Vertrauen und gegenseitiges Verständnis. Auf der persönlichen Ebene muss die «Chemie» spielen. Zwar arbeiten viele Unternehmen mit mehreren externen Personalberatungsfirmen zusammen, je nach Bedürfnissen, Branche und Hierarchiestufe. Daraus ergeben sich auch für die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren wichtige Aufgaben und Arbeitsfelder. Eine Voraussetzung so die Studie dazu ist, dass im RAV Fachleute mit unterschiedlichen Ausbildungen und Erfahrungen tätig sein müssen. Die geforderte Glaubwürdigkeit lasse sich einem Unternehmen gegenüber nur beweisen, wenn die Berater sich intensiv mit der Branche oder dem Fachgebiet vertraut machen könnten, in das sie Stellenlose vermitteln wollen. Die Studie liefert auch für RAV-Personalberater wertvolle Erkenntnisse. So zeigt sie zum Beispiel auf, dass es für RAV-Berater nicht genügt, sich einzig auf die Betreuung der Stellensuchenden auszurichten. Um eine vertrauensvolle Partnerschaft mit Arbeitgebern einzugehen und als kompetenter Gesprächspartner akzeptiert zu werden, müssten die Berater, sich mit den Anforderungen bestimmter Branchen oder Fachgebiete zu befassen. Und das erfordert viel Zeit. BR/RA
Ohne Namen, aber mit Zukunft
Karl Abegg
In der Westschweiz kennt man seit längerer Zeit eine dreijährige Ausbildung zum maÎltre socio professionnelle (MSP), in ähnlicher Form auch im Tessin. Obwohl es in der Deutschschweiz eine recht hohe Anzahl von Berufsleute in diesem Tätigkeitsfeld gibt, fehlt sowohl eine gleichwertige Berufsausbildung wie eine Berufsidentität und Berufsbezeichnung. Der Autor schlägt aus verschiedenen Überlegungen vor, durch eine weitgehende Ubernahme des Ausbildungsmodells des MSP in der Deutschschweiz eine ähnliche Ausbildung zu schaffen mit der Berufsbezeichnung "Berufsagoge/in". Damit könnte auch der Weg geebnet werden zu einer gesamtschweizerischen Anerkennung dieses Berufes und zu einer Verbesserung der beruflichen und sozialen Kompetenzen der in diesen anspruchsvollen Aufgabenbereichen tätigen Personen. KA/RA
Unterbruck zwisch Matura und Studium
Claudia Spiess
Oft stellt sich für Maturanden und Maturandinnen die Frage, ob es empfehlenswert sei, direkt nach Ab-schluss der Mittelschule mit dem Studium zu beginnen. Natürlich gibt es dazu keine all-gemeingültige Antwort. Es kommt drauf an, was sie aus dieser Zwischenphase machen, welchen Herausforderungen sie sich stellen und wie sie diese meistern. Man kann den Fragenden aber versichern, dass ein soge-nanntes Zwischenjahr für den späteren Studienver-lauf keine Rolle spielt. Was die Folgen für den Studienabschluss betrifft, gibt es jedenfalls keinen Grund, von einer Zwischenlö-sung abzuraten. Es sollte sich dabei aber bestenfalls um ein Jahr handeln und nicht um eine allzu lange Zeitspanne. Das zeigen die Analysen der Laufbahnen von rund 35'000 Studierenden. CS/RA
Erwerbslos nach der Lehre?
N. Marina Decarro
Übten im Kanton Genf in den achtziger Jahren 80 Prozent der Lehrabgänger sechs Monate nach dem Abschluss eine Erwerbstätigkeit aus, waren es 1992 nur noch rund zwei Drittel. Die Lage hat sich inzwischen leicht verbessert, bleibt aber nach wie vor besorgniserregend. Eine längere Erwerbslosigkeit bringt nicht nur eine persönliche Entmutigung, sondern es droht auch ein Verlust der fachlichen Qualifikation. Nur wenige stellenlose Lehrabgänger bilden sich weiter und erhöhen dadurch ihre späteren Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Hilfen für den Übergang Berufslehre Erwerbsleben
Emil Wettstein
Was geschieht aber, um die zweite Hürde, den Übergang von der Berufslehre ins Erwerbsleben zu erleichtern? PANORAMA hat die Kantone gefragt. Einige Kantone führen Umfragen durch, um über die Situation im Bilde zu sein. Viele erwarten von den gewerblich-industriellen Berufsschulen, dass dieses Thema ausführlich im allgemeinbildenden Unterricht behandelt wird, wozu der neue Lehrplan einen guten Rahmen gibt. Im Fachunterricht kann vor allem auf Weiterbildungsmöglichkeiten hingewiesen werden. Mancherorts finden Informationsveranstaltungen statt, die in der Regel auf gutes Intesse stossen, an einigen Schulen werden auch Bewerbungstrainings durchgeführt. Von grosser Bedeutung sind die Berufspraktika nach ALV, die eine anerkannte Möglichkeit darstellen, wenn keine Stelle zur Verfügung steht. Aber auch für Sprachaufenthalte und andere Formen der Weiterbildung wird geworben, bei Anlehrlingen vor allem auch auf die Vorbereitung auf die praktische Lehrabschlussprüfung. Die Berufsberatung ist kaum einbezogen, was an den Adressaten der Umfrage hängen mag: Sie war an die Berufsbildungsämter gerichtet. Wt/RA
Internationale Studie zum Übergang von der Schule ins Erwerbsleben
Norberto Bottani
Die OECD hat vor kurzem eine internationale Studie zum Übergang von der Schule ins Erwerbsleben in die Wege geleitet. Sie soll ein besseres Verständnis darüber liefern, wie dieser Übergang sich heute in den Gesellschaften gestaltet, in denen hohe Jugendarbeitslosigkeit herrscht, die sich aber auch durch eine längere Verweildauer in der Schule und einen beträchtlichen Anteil Jugendlicher in verschiedenen nachobligatorischen Ausbildungs- und Unterrichtstypen auszeichnen. In der Art, wie sie bis heute ausgestaltet worden sind, bieten allerdings weder die berufliche Ausbildung noch der allgemeinbildende Unterrich Lösungen, die diesen Übergang erleichtern würden. Von daher drängt es sich auf, dieses neue Phänomen besser zu ergründen, die Programme, die in dieser Beziehung am erfolgreichsten sind, zu identifizieren und die diesbezüglichen Gründe zu analysieren sowie die wichtigsten Ausrichtungen der Bildungspolitik in bezug auf den Übergang ins Erwerbsleben zu beschreiben. Diese Studie soll auch erhellen, weshalb eine bestimmte Bildungspolitik in gewissen Ländern einen tauglichen Rahmen für den Übergang ins Erwerbsleben abgibt, nicht aber in anderen, weshalb sie den Übergang für bestimmte Gruppen junger Menschen oder solche in bestimmten Erwerbsbereichen erleichtert, nicht aber für andere Gruppen oder Bereiche. Die Studie soll eine Fülle von Vergleichsmaterial liefern, das einen Beitrag zur Ausgestaltung der Unterrichtspolitik des nächsten Jahrzehnts zu leisten vermag.
Ausbildungen im Sozialwesen
Emil Wettstein
Die Sozialausbildungen auf der Sekundarstufe II und auf dem tertiären Nichthochschulniveau zeigen eine verwirrende Fülle von unkoordiniert Gewachsenem. 1995 hat deshalb die Schweizerische Konferenz der Fürsorgedirektoren (FDK) einer Arbeitsgruppe den Auftrag erteilt, «Vorschläge zur gesamtschweizerischen Regelung der Nichtfachhochschulbereiche im Sozialwesen» auszuarbeiten. Nun geht ein Modell in die Vernehmlassung, das für Jugendliche eine vierjährige Ausbildung mit einem «tronc commun» und einer zweijährigen praxisbegleitenden Fachausbildung vorsieht. Für Erwachsene ist ein modulartiges System vorgesehen.
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