Zusammenfassungen



Die Berufsberatung in Deutschland
Daniel Fleischmann
Die Berufsberatung in Deutschland wandelt sich, nachdem ihre Aufgaben durch das seit 1. Januar 1998 gültige Sozialgesetzbuch III Arbeitsförderung neu definiert worden sind. Auffällig sind namentlich folgende Punkte:o Die Berufsberatungen, die schon immer Teil der Arbeitsämter waren, werden neu strukturiert. Die bisherigen Abteilungen werden in Teams organisiert. Zielsetzung ist, dass sich Teams selber organisieren, eigeninitiativ arbeiten, effektiv mit anderen Teams kooperieren und die Kundenfreundlichkeit gestärkt wird. Daneben gibt es eine neue Aufteilung der Aufgaben, so im Schnittstellenbereich zwischen allgemeiner und akademischer Berufsberatung. o Die Kernaufgaben der Berufsberatungen in Deutschland sind die Orientierung, Beratung und auch die Vermittlung von Ratsuchenden. Im Bereich der Orientierung fällt eine hohe Präsenz der Berufsberatungen in den Schulen auf: Die Berufsberatung der Arbeitsämter bietet Jugendlichen in der Schule einen Berufswahlunterricht, der neben Klassenbesuchen (Schulbesprechungen) auch einen vom Berater betreuten Besuch im Berufsinformationszentrum umfasst. Zudem werden den Schülerinnen und Schülern Sprechstunden in der Schule angeboten.o Über diese Kernaufgaben hinaus beraten die Berufsberatungen neu auch Arbeitgeber, so bei der Besetzung von Ausbildungsstellen. Berufsberatende haben hier eine Vorauswahl zu treffen und zu informieren, ob man die gewünschten Bewerber auch vermitteln kann. Ein weiterer Punkt der Beratung kann sein, über neue Berufe oder auch über Fördermöglichkeiten von Auszubildenden zu informieren, die Probleme beim Berufsschulunterricht haben und durch das Arbeitsamt eine Unterstützung erhalten können. Die Kontakte zu den Betrieben können telefonisch oder bei Betriebsbesuchen wahrgenommen werden. Ergeben sich bei den Betriebskontakten Anliegen, die andere Teams betreffen, ist dafür Sorge zu tragen, dass die offenen Fragen an die zuständigen Fachkräfte weitergeleitet werden. DF

Mangelhafte Unterstützung
Christine Höötmann
In einer Studie im Kanton Zürich hat Markus Neuenschwander über fünf Jahre lang Jugendliche erfasst, die 1993 einen Lehrvertrag abgeschlossen haben und ihn später auflösten. Es zeigte sich, dass rund ein Viertel der Lehrverträge aufgelöst worden sind. In ihrer Diplomarbeit an der Hochschule für angewandte Psychologie hat die Autorin Befragungen von Lehrabbrechenden durchgeführt. Sie traf dabei oft auf Klagen über das geringe Ausmass an Unterstützung durch die Berufsberatung oder das Berufsinspektorat und macht folgende Empfehlungen:
• Die Jugendlichen sollten in der Schule schon früh mit der ganzen Breite von Berufen bekannt werden. Das könnte fächerübergreifend geschehen, nicht nur durch direkten Berufswahlunterricht.
• Ebenfalls früh sollte ein Kontakt zwischen Berufsberatenden und Klasse geschlossen werden, um Schwellenängste herabzusetzen.
• Ein Einbezug der Eltern und Lehrkräfte in die Beratung ist günstig, eine deutsche Studie hat gezeigt, dass ein Lehrabbruch wahrscheinlicher ist, wenn diese mit dem von den Jugendlichen gewählten Beruf nicht einverstanden sind.
• Den Jugendlichen sollten auch die negativen Seiten ihres Berufswunsches bewusst gemacht werden.
• Die Jugendlichen sind für ihre Berufswahl selbst verantwortlich – diese Selbstverständlichkeit ist immer wieder deutlich herauszustreichen.
• Berufsberatung als Begleitung über einen längeren Zeitraum scheint (mir) dafür aussichtsreicher als ein kurzer und intensiver Einsatz, da sie den Jugendlichen Zeit zu eigenständiger Entwicklung lässt.
• In der Realisierungsphase sind Schnupperlehren mit ausführlicher Auswertung und Rückmeldung der Lehrbetriebe sehr wichtig. Als Ziel sind mindestens zwei Berufsmöglichkeiten anzustreben.
• Bei Jugendlichen, die nicht bereit sind, ihre Berufswahl aktiv anzugehen, ist ein 10. Schuljahr die voraussichtlich beste Möglichkeit, einen Lehrabbruch zu vermeiden.
• Ist die Lehre angetreten, so wäre die Begleitung (durch eine Vertrauensperson) für drei bis sechs Monate günstig. Eine separate Schulstunde in der Berufsschule mit einer unabhängigen Lehrperson und möglichst unter Beteiligung des Berufsinspektorates wäre ideal. CH



Modulare Ausbildung für Personalberater
Sibylle Handschin
Anfangs Oktober 2001 haben 57 Teilnehmende des neu geschaffenen modularen Lehrgangs «Personalberater/Personalberaterin eidg. Fachausweis» in Zürich die Abschlussprüfung absolviert. Das vor gut einem Jahr gestartete Angebot ist erfolgreich, befinden sich derzeit doch 175 Teilnehmende in 12 Kursen, verteilt auf alle Sprachregionen der Schweiz.
Das Tätigkeitsfeld der Personalberaterinnen und -berater ist im Laufe der letzten Jahre mehr und mehr gewachsen. Es umfasst heute Personalsuche und -ausbildung, Stellenvermittlung, Beratung von Unternehmen in Fragen der Personalpolitik und des Arbeitsrechts. Personalberaterinnen und -berater sind in der privaten Personalberatung, der temporären Stellenvermittlung und in regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) angestellt.
Die Berufsprüfung «Personalberater/in eidg. Fachausweis» wurde erstmals 1997 durchgeführt, damals noch aufgeteilt in private, temporäre und öffentliche Vermittlung. Unter der Leitung des Verbandes Schweizerischer Arbeitsämter (VSAA) wurde dieses Weiterbildungsangebot vereinheitlicht. Es bietet heute eine ausgesprochen breite Ausbildungsbasis. Neben der Ausbildungsplanung und methodischen Hinweisen zur Abschlussarbeit sind vor allem – mit Blick auf die private Vermittlung – die Bereiche «Stellenakquisition/Dienstleistungsmarketing» sowie «Beratung und Vermittlung» gegenüber früher wesentlich erweitert worden.
Wichtigste Neuerung ist jedoch der modulare Aufbau. Jedes Modul wird durch eine Lernzielkontrolle einzeln abgeschlossen, wobei sich die Teilnehmenden vom Ende des ersten Moduls bis zur Abschlussprüfung vier Jahre Zeit lassen können. Dadurch wird Rücksicht auf besondere berufliche und familiäre Situationen genommen. Die Module können ausserdem beliebig eingeteilt werden. Es ist auch möglich, frühere Ausbildungen gleichwertig zu erklären.
Auch wenn bisher die Beteiligung der einzelnen Kantone unterschiedlich ist, sind die Erfahrungen mit dem neuen Angebot im Wesentlichen positiv. VM


Jugendberufshelfer in Deutschland
Frank Spellenberg
Seit 1999 sind in 35 Landkreisen von Baden-Württemberg 60 Jugendberufshelfer im Einsatz. Ihre Anstellung ist zunächst auf drei Jahre befristet; sie geht zurück auf ein erfolgreiches Projekt im Arbeitsamtsbezirk Schwäbisch Hall 1995/96. Einer der Landkreise ist Konstanz, wo der Autor des Beitrags, Frank Spellenberg, arbeitet.
Die Jugendberufshelfer arbeiten an einer herausragenden Position, die aus einer Besonderheit der deutschen Schulpflicht resultiert: Der neunjährigen Schulpflicht folgt eine sog. Berufsschulpflicht. Wer weder eine Berufslehre (und damit Berufsschule) besucht noch eine weiterführende Schule, muss ein sog. Berufsvorbereitungsjahr absolvieren. An dieser Schnittstelle Berufsschule/Ausbildung erreicht der Jugendberufshelfer praktisch alle Jugendlichen, die ohne feste berufliche Perspektive sind. Er tut dies auf drei Ebenen:
Zum einen arbeiten die Jugendberufshelfer als Lehrkraft im Klassenverband (eine Stunde pro Woche). Hier werden soziale und berufskundliche Themen behandelt. Das Anlegen eines eigenen Dokumentenordners ist ein Teil der Vermittlung von Selbstorganisation. Bewerbertraining und das Anlegen einer Bewerbungsmappe sind ebenfalls fester Bestandteil der Unterrichtsarbeit des Jugendberufshelfers. Über die kollektive Arbeit hinaus engagieren sich die Jugendberufshelfer aber auch individuell für die Schülerinnen und Schüler, dies in Zusammenarbeit mit der Schule, Berufsberatung, Betrieb und Familie. Und das dritte Standbein des Jugendberufshelfers schliesslich ist der gute Kontakt zu den Betrieben, der kontinuierlich gepflegt wird. Hier engagiert sich der Jugendberufshelfer als Vermittler und Förderer der Jugendlichen.
Ziel der Betreuung ist es, für sämtliche Jugendlichen einen sinnvollen beruflichen Verbleib nach dem Berufsvorbereitungsjahr zu finden. Motto: «Kein Abschluss ohne Anschluss». Der Erfolg dieser Arbeit im Landkreis Konstanz ist im letzten Schuljahr (2000/2001) messbar geworden: Der berufliche Verbleib aller Schüler ist mit einigen Ausnahmen dokumentiert, alle sind beruflich sinnvoll untergebracht. Langfristig erhofft sich der Landkreis, die Anzahl der Sozialhilfeempfänger zu senken. DF


Workshop zur Ermittlung ausserberuflicher Kompetenzen
Yvonne-Marie Ruedin
Im Rahmen ihrer Ausbildung hat Virginie Siegenthaler in „Tremplin-Jeunes“, einer Genfer Einrichtung für Jugendliche mit abgebrochener Ausbildung, einen Workshop zur Bestimmung von ausserberuflichen Kompetenzen ausgearbeitet. Dieser experimentelle Workshop hatte zum Ziel, diesen Jugendlichen, wenn möglich durch kollektive Sitzungen, wieder Vertrauen in ihre persönlichen Fähigkeiten zu geben und sie dadurch wieder zu aktivieren, insbesondere für die Aufnahme einer beruflichen Ausbildung.
Der Workshop ermöglichte es, die tatsächlichen Bedürfnisse dieser Jugendlichen zu identifizieren. Sie sind auf Schwierigkeiten in ihren sozialen Beziehungen gestossen, sind hin- und hergerissen in der Einschätzung ihrer Umwelt und suchen nach Orientierung in bezug auf ihre Persönlichkeit und ihre Werte.
Von dieser Identifikation der Bedürfnisse ausgehend ist es möglich spezifischere Problematiken zu bearbeiten. Oder mit den Worten von Virginie Siegenthaler: "Die Rolle des Psychologen / Berufsberaters besteht darin, Jugendlichen mit Ausbildungsabbruch Anhaltspunkte zu geben, damit diese ein berufliches Projekt zu entwickeln vermögen." Für diese Jugendlichen wäre jemand notwendig, der sie stützt und der ihnen trotz ihres wiederholten Schulversagens wieder aufhilft. YMR/CR

„L’aquis“ – ein vieldeutiger Begriff
Nicolas Perrin
Das französische Wort „aquis“ (Fähigkeit, Lernleistung) ist ein mehrdeutiger Begriff. Gewiss, Ausdrücke wie "Anerkennung von Lernleistungen“ scheinen uns vertraut. Will man aber ein Kompetenz-Portfolio zusammenstellen und eine Erfahrung analysieren, so sind die Begriffe "Fähigkeit" und "Lernleistung" oft kontraproduktiv.
Erstens ist „aquis“ ein Oberbegriff, der genauso gut Kompetenzen wie Fähigkeiten, ja, sogar noch allgemeiner formuliert, das Lernen an sich oder eine Qualität bezeichnen kann. Die Auswertung der Erfahrung wird erschwert, weil diese gar nicht genannt wird. Zweitens bleiben "Lernleistungen" und "Fähigkeiten" mangels genauerer Beschreibung Quelle von Illusionen. Angesichts der Anforderungen der Organisation des Arbeitsmarktes und der Mobilität, ist es unumgänglich zu präzisieren, unter welchen Bedingungen und in welchem Zusammenhang man handeln kann. Und drittens schränkt "aqui" den Einzelnen dadurch ein, dass dieser seine Weiterentwicklung nur noch statisch wahrnimmt. Dies kommt einer rückwärts gerichteten Auffassung von Weiterbildung gleich, heute gilt jedoch „lernen zu lernen“. Zudem schliessen die Begriffe jede positive Betrachtung von Fehlern aus ... was doch gerade die Grundlage des Lernens darstellt!
Das Hinterfragen unserer Vorgehensweisen sowie die eingeleiteten Nachforschungen ermöglichen es uns, einige Alternativen vorzuschlagen. Besonders wichtig ist es, Tätigkeitsanalysen so durchzuführen, dass die Tätigkeiten kontextbezogen und den erforderlichen Qualitätskriterien entsprechend zugeordnet werden. Dies erlaubt auch die Übertragung (und das Aktivieren?) der Fähigkeiten in andere Bereiche. YMR/CR



Beratung für Lehrlinge in Not
Rolf Bezjak
Seit zehn Jahren besteht im Kanton Zürich die «Kirchliche Anlauf- und Beratungsstelle für Lehrlingsfragen» (kabel). Sie ist in der Stadt Zürich, Winterthur und seit dem 1. Dezember 2001 auch in Uster domiziliert und bietet Beratung und Begleitung für Lehrlingsverantwortliche, Lehrlinge und deren Eltern an. Finanziert wird das Angebot durch die beiden Landeskirchen.
Von der Auskunft am Telefon bis hin zu lang andauernden Prozessberatungen und zu moderierten Gesprächen zwischen Lehrling, Lehrlingsverantwortlichem und Eltern kommt die gesamte Spannbreite von Begleitung und Beratung zum Tragen. Berührt werden dabei alle Fragen, die sich im Zusammenhang mit Lehre und Ausbildung ergeben, und zwar bei Lehrlingen wie bei ihren Vorgesetzten und Eltern (Stichwort: Systemischer Ansatz). Dabei ist dem beraterischen Grundsatz, dass das vom Klienten zunächst benannte Problem nicht in jedem Fall auch das entscheidende und zu behandelnde ist, Achtung zu schenken: Schlechte Noten in der Berufsschule müssen nicht Folge mangelnder Intelligenz sein, sondern können ebenso Folge von Schwierigkeiten zu Hause oder im Betrieb sein; so ist denkbar, dass der «unerträgliche Lehrmeister» nur den «Fehler» hat, dem Vater oder dem ehemaligen Lehrer des Lehrlings zu ähnlich zu sein. Schwer zu erreichen sind die Lehrmeisterinnen und Lehrmeister: Sie sind in vielen Fällen nur über persönliche Kontakte und Empfehlungen zu bewegen, sich beraterische Unterstützung in Sachen Lehrlingsfragen zu holen.
kabel arbeitet mit einer Reihe von Stellen (Berufsberatungen, Jugendsekretariate) zusammen. Die anfängliche Vorsicht aufgrund der kirchlichen Trägerschaft ist vertrauensvoller Offenheit gewichen, da man weiss, dass kabel nicht missionarisch, sondern aus beraterischer Sicht professionell und solide arbeitet. Die Lehrlingsbeauftragten sind mit Beratungen mehr als ausgelastet und befassen sich intensiv mit Fragen der Qualitätssicherung angesichts der hohen Nachfrage. RB


Autodidaktische Fotografinnen und Fotografen
Antoinette Schwab
Seit den 80er-Jahren bilden sich in Zürich und Bern immer wieder Gruppen autodidaktischer Fotografinnen und Fotografen (GaF). Sie treffen sich in der Regel ein Jahr lang, manchmal aber auch zwei Jahre und mehr, und arbeiten an einem Tag pro Woche zusammen, daneben noch mindestens einen Tag individuell. Inhalt, Dauer, Unterrichtspersonen und -orte bestimmen die Gruppen selber und hängen von ihren Vorlieben und Zielen ab. Sie können von Gruppe zu Gruppe stark variieren. Innerhalb der einzelnen Gruppen, die normalerweise aus acht bis fünfzehn Personen bestehen, zeigen sich oft erhebliche Niveauunterschiede.
Die GaF sind ein Kind der Jugendbewegung der 80er-Jahre, deren Ziel ein autonomes Leben war. Kein Wunder also, dass gerade zu dieser Zeit der Wunsch nach einer selbstorganisierten Ausbildung entstand, ohne vorgegebene Inhalte, autoritäre Lehrpersonen und festgelegte Tagesabläufe. Eine zentrale Organisation gibt es nicht. Wer sich einer GaF anschliessen möchte, muss sich durchfragen, auf Inserate in Fotogeschäften achten oder selber eine Gruppe initiieren. Als eigentliche Ausbildung kann man sie nicht bezeichnen, denn Inhalt und Dauer sind nicht koordiniert, es gibt weder Aufnahme- noch Abschlussprüfungen. Trotzdem sind sie für Leute, die vielleicht in den Fotoberuf einsteigen möchten, eine Chance, in diesen Beruf hineinzusehen, ohne sich gleich für einen Berufswechsel entscheiden zu müssen. Bei vielen bleibt es dabei. Doch immer wieder gehen aus diesen GaF auch Leute hervor, die beim Metier bleiben, sei es als Berufsfotografinnen und -fotografen, in Bildredaktionen oder mit künstlerischen Arbeiten. AS



Kurt Häfeli
Das amerikanische Bildungssystem ist in den letzten Jahrzehnten immer wieder stark kritisiert worden. Namentlich mit in den in den 90er-Jahren stark geförderten «School-to-Work-Programs» wurde versucht, die Situation zu verbessern. Mit einigem Erfolg geschah dies mit den so genannten «Career Academies», die vermehrt der Arbeitswelt aber auch den College-Aspirationen der Jugendlichen Rechnung tragen.
Diese Akademien umfassen eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern, welche von denselben Lehrpersonen während mindestens zwei Jahren unterrichtet werden. Akademien kombinieren ein College-vorbereitendes-Curriculum mit einem Laufbahnthema wie Gesundheitspflege, Business und Finanzen, Medien, Transportwesen. Zentral ist die Partnerschaft mit Arbeitgebern. Das Beratungsgremium einer Akademie umfasst Vertreterinnen und Vertreter der lokalen Wirtschaft, der Lehrerschaft und der Schulbehörde. Wirtschaftsvertreterinnen und -vertreter bera

Gewalt und Unhöflichkeit: ein eher seltenes Phänomen
Alain Weiss
Der im Rahmen der Berufsbildung durchgeführten Umfrage lag die Annahme zugrunde, dass unhöfliches und gewalttätiges Benehmen beim Übertritt von der Sekundarschule in die Berufsausbildung zunehmen. Diese Hypothese stützte sich auf die Ergebnisse einer Untersuchung über Gewalt und deren Erscheinungsformen in den Westschweizer Schulen. Eine erste Umfrage zeigte den Standpunkt der Lehrtöchter und Lehrlinge auf, eine zweite denjenigen des Lehrkörpers. Diese zwei sich ergänzenden Umfragen ermöglichten es, die Wahrnehmung und das Erleben von Gewalt der verschiedenen Akteure näher zu beleuchten sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Blickwinkel aufzuzeigen.
In der Sekundarschule sind körperliche Angriffe die am häufigsten zu beobachtenden Gewalttätigkeiten, in der Ausbildung kommt physische Gewalt jedoch selten vor. Die aus den Antworten der Lehrtöchter und der Lehrlinge gezogenen Schlüsse betonen denn auch die ziemlich ruhige Situation. Ganz so rosig sieht es trotzdem nicht aus: Ungefähr sechs Prozent der befragten Lehrlinge gaben an, von ihren Arbeitskollegen tätlich angegriffen worden zu sein. Unabhängig davon, welcher Standpunkt berücksichtigt wird: Verbale Gewalt ist die am häufigsten anzutreffende Form von Gewalt. Es ist festzustellen, dass hauptsächlich Knaben dieses Verhaltensmuster bedienen, mit Ausnahme derer, die selbst Opfer von Beschimpfungen oder rassistischen Äusserungen anderer Lehrlinge geworden sind. Diese Erfahrung gilt in gleichem Masse für Mädchen. Auch die Diebstahlproblematik betrifft fast ausschliesslich Knaben. Die Situation im Lehrbetrieb ist besorgniserregender als in der Schule: Fast ein Drittel der Lehrlinge ist hier schon einmal bestohlen worden.
Die Meinungen der Jugendlichen und des Lehrkörpers lassen auf ein sehr hohes Sicherheitsempfinden der Befragten schliessen. Ob im Klassenzimmer, im Schulhaus oder der Schulumgebung: Das Klima in der Berufsbildung wird als entspannt wahrgenommen und ihr Umfeld als wenig gewalttätig eingeschätzt. AW/CR


Dem Lehrabbruch vorbeugen oder seine Risiken vermindern
Pierre-André Michaud
Ein Lehrabbruch bedeutet für die Jugendlichen, ihr Umfeld, den Lehrmeister und die zuständigen Stellen eine beträchtliche emotionale und/oder administrative Belastung. Obwohl die Abbruchquote im Laufe der Jahre stabil blieb und von Kanton zu Kanton nur wenig variiert, sind die Auswirkungen auf die Jugendlichen, die mit einer solchen Situation konfrontiert werden, gross. Dies sowohl im Bezug auf ihre körperliche als auch auf ihre mentale Gesundheit. Ein Teil der Jugendlichen wird in einen Teufelskreis hineingezogen: Mangelnde Motivation und wiederholte Misserfolge führen zu Drogenkonsum und zu einem Lebensrhythmus, der die Wiedereingliederung erschwert.
Mit verschiedenen Massnahmen könnte solchen Situationen vorgebeugt werden: Etwa der Sensibilisierung der Lehrmeister auf Signale, die einem Abbruch vorangehen, oder die Schaffung von Mediationsstellen. Die Bedingungen, unter denen ein Lehrabbruch erfolgt, könnten ebenfalls optimiert werden. Anstatt Verantwortliche zu suchen, müsste dieser Moment zum Anlass genommen werden, über die Gründe des Scheiterns und vor allem über die Möglichkeiten nachzudenken, die ergriffen werden können, um den Jugendlichen eine Perspektive zu geben.
Auch für jene Jugendlichen, die nach dem Lehrabbruch ohne Arbeitsstelle dastehen, können Massnahmen ergriffen werden. In einer Mehrheit der Kantone existieren diesbezüglich seit einigen Jahren innovative Programme. Stichworte dazu sind: berufliche und soziale Standortbestimmung, Betriebspraktika, individuelle Begleitung bei der Suche einer Lehrstelle, Hilfe bei der Formulierung des Lebenslaufs, unterstützende Aktivitäten für Einzelne oder in der Gruppe, die auf die Stärkung des Selbstvertrauens und das bessere Funktionieren in der Gruppe abzielen (Rollenspiele, etc), Sozialhilfe oder finanzielle Unterstützung. PM/AM


Berufsbildung und neue Technologien
Kurt Büchler
Welche Berufsbildung braucht es in der Informationsgesellschaft? Diese Frage stand im Zentrum des internationalen Kongresses, der vom 8.-10. November 2001 in Lugano stattfand. Eine rasche Anpassung an die sich wandelnden Bedürfnisse der Arbeitswelt und das lebenslange Lernen wurden als wichtige Faktoren für eine erfolgreiche Berufsbildung genannt. Die Möglichkeiten des Einsatzes der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien in der Ausbildung wurde differenziert beur

Jugendprogramm – eine Brücke in die Zukunft
Albrecht Stalder
Seit mehreren Jahren führt der Kanton Solothurn für Jugendliche, welche nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit keine Lehr-, Anlehr- oder Arbeitsstelle haben, ein Motivationssemester durch. Neben dem Einstieg in die Arbeitswelt gehören auch das Sichern des schulischen Wissens sowie die Förderung der Sozial- und Selbstkompetenz zu den Hauptzielen dieses spezifischen Angebots.
Nach einer ersten Standortbestimmung zu Themen wie «Schule», «Beruf», «Familie», «Kultur» folgt eine intensive Phase der Berufsfindung mit Schnupperlehren, Besuch im Berufsinformationszentrum, Betriebsbesichtigungen. Schliesslich sammeln die Jugendlichen mit Arbeitseinsätzen in verschiedenen Firmen vertiefte Berufserfahrungen.
Fast achtzig Prozent der Teilnehmenden des letzten Lehrgangs haben Ende September 2001 eine Anschlusslösung gefunden. Diese überdurchschnittlich hohe Erfolgsquote ist auf das Zusammenwirken von verschiedenen Faktoren zurückzuführen. Eine zentrale Funktion hat die Betreuungsperson, welche für Gruppen von vier bis acht Jugendlichen zuständig ist und alle wesentlichen Aktivitäten koordiniert (z.B. Kontakte mit Arbeitgebern, Eltern und allenfalls Fachstellen, Auswerten von Schnupperlehren und Arbeitseinsätzen zusammen mit den Jugendlichen usw.). Ein wichtiger Baustein ist auch der einmal wöchentlich stattfindende Schultag, dank welchem der Start in eine Lehre oder Anlehre erheblich erleichtert wird. Gleichzeitig dienen Schnupperlehren und Arbeitseinsätze dazu, den beruflichen Horizont zu erweitern. Grosser Wert wird schliesslich auf eine Integration der ausländischen Teilnehmenden gelegt.
Anfangs September 2001 sind neu 103 Jugendliche in das Programm eingetreten. Sie werden von 23 nebenamtlichen Personen betreut und geschult. Die grosse Nachfrage ist ein deutliches Zeichen für die Notwendigkeit des Angebots. VM/RA


Die Berufsberatung in Dänemark
Merete Kampmann
Die Berufs- und Laufbahnberatung in Dänemark ist in nicht weniger als 27 Beratungssektoren aufgeteilt, so die Schulberatung, die Beratung in Gymnasien, die Beratung an Berufsschulen, an Sprachschulen oder an Arbeitsämtern. Diese Segmentierung ist für die Ratsuchenden unübersichtlich, zweifellos eine Schwäche des Systems. Dem sucht ein Rat für Beratung in Ausbildungs- und Berufsfragen R.U.E. (auf Dänisch: Rådet for Uddannelses- og Erhvervsvejledning) entgegenzuwirken. R.U.E. besteht aus einem Rat, der die politischen Beschlüsse fasst, und einem Sekretariat, das diese Beschlüsse umsetzt. Der Rat ist breit zusammengesetzt; so finden sich hier Vertreter von Gewerkschaften, Arbeitgeberorganisationen, Gemeinden, Studentenorganisationen, Beraterorganisationen oder Einwanderungsorganisationen zusammen.
Die Hauptaktivitäten von R.U.E. lassen sich auf die Stichwörter Information, Schulung, Forschung und Koordination zusammenfassen.
Ähnlich wie der SVB in der Schweiz, so ist auch R.U.E. für die Herstellung von Beratungsmaterialien für Jugendliche und Erwachsene verantwortlich. Weiter konzipiert R.U.E. auch Beratungsmaterialien (Lexika und CD-Roms) für Beratende und bringt vier Mal jährlich die Fachzeitschrift für Beratende R.U.E.-Revue sowie weitere Fachliteratur heraus. R.U.E. sorgt zudem für die Ausbildung der Berufsberatenden, die allerdings nur gerade 6 bis 14 Wochen dauert. – eine weitere Schwäche des dänischen Systems. Die Beratenden in Schulen und andere Ausbildungsinstitutionen sind normalerweise Lehrer, die sich nur teilzeitlich mit Beratung beschäftigen. R.U.E. empfiehlt allerdings, die Ausbildung auszuweiten. Was den Forschungsbereich betrifft, so initiiert die Stelle pro Jahr rund eine Untersuchung im Umfang von 150'000 Franken pro Jahr. Schliesslich sorgt R.U.E. für eine enge Zusammenarbeit mit den regionalen Beratungskomitees in den 14 Kreisen Dänemarks (vgl. Modell). Das sichtbare Produkt dieser Arbeit ist ein kleines Buch «Modell zur Qualitätsentwicklung der Studien- und Berufsberatung». MK


États-Unis: high schools et entreprises unissent leurs efforts
Kurt Häfeli
Le système éducatif américain a régulièrement fait l’objet de critiques massives au cours des dernières dizaines d’années. Notamment avec les «school-to-work programs» promus avec force dans les années 90, on s’est efforcé d’améliorer la situation. Ceci a pu être fait avec un certain succès avec les « career academies», qui tiennent compte tout à la fois du monde du travail et des aspirations des jeunes à poursuivre leurs études dans un college.
Une académie englobe un groupe d’élèves suivis par les mêmes enseignants pendant au moins deux ans. Elle combine un curriculum préparant au college à un thème relatif à une carrière professionnelle, tel que les soins de santé, les affaires et la finance, les médias ou les transports. L’aspect central est le partenariat avec des employeurs. L’organe consultatif d’une académie regroupe des représentants de l’économie locale, du corps enseignant et des autorités scolaires. Des représentants des entreprises apportent leur assistance-conseil pour la définition du curriculum, viennent tenir des exposés dans les écoles, supervisent les stages pratiques des élèves, etc.
Une première «career academy» a vu le jour dès 1969 à Philadelphie. En Californie, qui compte aujourd’hui près de la moitié des académies, les premières ont été fondées en 1981. En 1990, il en existait environ une centaine. Depuis lors, leur nombre a monté en flèche. On estime qu’il y en a aujourd’hui 1 500 à 2 000. Toutefois, elles sont encore loin d’être introduites sur la totalité du territoire.
Des études d’évaluation effectuées avec le plus grand soin font ressortir que les élèves des académies fréquentent plus régulièrement l’école, s’inscrivent à un plus grand nombre de cours et participent davantage à des activités en dehors du curriculum (telles que le travail volontaire). Ces effets se sont avérés particulièrement prononcés dans les groupes à risques: dans ces groupes, le taux d’abandon scolaire est tombé de 32 à 21 %. AM/MR


Der SVEB ist 50 Jahre alt geworden
Daniel Fleischmann
Der Schweizer Verband für Weiterbildung SVEB (Fédération suisse pour la formation continue FSEA), vormals … Fédération suisse pour l’éducation des adultes FSEA, feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Am Jubiläumskongress vom 20. März in Lugano nahm unter anderem Bundesrätin Ruth Dreifuss teil – Ausdruck der grossen Bedeutung des Verbandes und der von ihm vertretenen Anliegen. Der SVEB zählt 440 Mitglieder, darunter alle wichtigen Weiterbildungsanbieter der Schweiz, und verfügt über drei Geschäftsstellen, so in Lausanne an der Rue de L’Ale. Der SVEB engagiert sich in den drei Feldern Bildungspolitik, Innovation und Entwicklung sowie Dienstleistungen; im zuletzt genannten Bereich besonders zu erwähnen sind die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift «Education permanente» sowie das SVEB-Kursleiter-Zertifikat I und II, das inzwischen als eidgenössischer Fachausweis gilt.
Im Interview mit PANORAMA zieht Geschäftsführer André Schläfli eine positive Bilanz der Bemühungen um die Belange der Weiterbildung. So habe sich die Weiterbildung namentlich mit der Lancierung der Lernfestivals im öffentlichen Bewusstsein festsetzen können. Dies zeige auch die systematische Auswertung der Presseberichterstattung. Dennoch sei nicht zu übersehen, dass eine kohärente Weiterbildungspolitik auf nationaler Ebene immer noch fehle; Weiterbildung ist Sache der Kantone. Ebenso fehlten die finanziellen Mittel. Schläfli fordert, dass künftig rund 10 Prozent der Bildungsausgaben von Bund, Kantonen und Gemeinden in die Weiterbildung fliessen, das wären rund 2,2 Milliarden Franken (heute rund 1 Prozent). Diese Gelder wären namentlich für den Ausbau eines eigentlichen Weiterbildungssystems (Modularisierung, Zertifizierung, Anerkennung, Forschung, Kampagnen) zu verwenden, so Schläfli.
Grosse Hoffnungen setzt Schläfli in das «Forum Weiterbildung Schweiz», das im Juni 2000 gegründet wurde, weil sich hier erstmals Vertreter von Privaten, Kantonen und Bund über die Bedürfnisse der Weiterbildung unterhielten. Schläfli führt die Geschäfte des Forums. DF


Aufnahme und Eingliederung Jugendlicher in Übergangssituationen
Yvonne-Marie Ruedin
Vor ungefähr 20 Jahren wurden die Genfer Aufnahme- und Eingliederungsmassnahmen für junge Migranten und Jugendliche in Übergangssituationen geschaffen. Seit April 2001 sind sie vom kantonalen Ausbildungsgesetz anerkannt, das den Auftrag der Fachstelle für Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten (Service des classes d'accueil et d'insertion, SCAI) genau umschreibt.
Einerseits handelt es sich um die Aufnahme nicht französischsprachiger junger Migranten zwischen 15 und 20 Jahren, die ihre allgemeine oder berufliche höhere Bildung fortsetzen möchten. Der SCAI bietet ihnen intensiven Französischunterricht und sichert ihnen den Erwerb allgemeiner Kenntnisse zu.
Andererseits ist die berufliche Eingliederung für Jugendliche in Übergangssituationen gedacht, welche nicht vom Beratungszyklus erreicht werden und nicht mehr in die obligatorische Schulpflicht fallen, welche aber trotzdem eine anerkannte Berufsausbildung erlangen möchten. Auch diesen Jugendlichen bietet der SCAI die Möglichkeit, ihre allgemeinen und technischen Kenntnisse zu erweitern, und ermöglicht ihnen auch das Erwerben beruflicher Fertigkeiten in Workshops oder mittels Praktika in Betrieben.
Der SCAI nimmt jedes Jahr ungefähr 350 Jugendliche mit mehr als 60 verschiedenen Nationalitäten auf. Das Verhältnis zwischen Knaben und Mädchen ist in den Aufnahmeklassen ausgewogen. In den Eingliederungsklassen hingegen sind die Knaben stärker vertreten. Wird der Lehrantritt als Kriterium für die Integration betrachtet, beträgt die Erfolgsrate nach einem Jahr in der jeweiligen Struktur des SCAI 50 Prozent.
Genf legt drei wichtige Merkmale vor: Die Schülerinnen und Schüler werden unabhängig von ihrem Status aufgenommen. Sie werden in verschiedene schulische Einrichtungen im ganzen Kanton verteilt. In den Aufnahmeklassen ist der Unterricht in ihrer Muttersprache und in der Kultur ihrer Herkunft möglich (Albanisch, Somali, Spanisch und Portugiesisch etc.). Das kantonale Erziehungsdepartement vertritt die Auffassung, dass mit Berücksichtigung von Muttersprache und eigener Kultur das Fundament für die Integration in die Sprache des Aufnahmelandes gelegt wird. YMR/CR

Risikofaktor Jugend
Matthias Drilling
Der erste Städtevergleich von Fürsorgestatistiken in der Schweiz hebt hervor, dass junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 25 Jahren besonders vom Armutsrisiko betroffen ist. Den Zusammenhang zwischen beruflicher Qualifikation und Sozialhilfeabhängigkeit bei den 18-25-Jährigen herauszuarbeiten war das Ziel einer Studie, die die Fachhochschule für Soziale Arbeit beider Basel im Jahr 2000 durchführte.
Es zeigte sich, dass mindestens vier Risikofaktoren die Sozialhilfeabhängigkeit der jungen Erwachsenen verursachen: Arbeitslosigkeit, eine fehlende Berufsausbildung, Verschuldung sowie gesundheitliche Beeinträchtigungen. Für eine Reihe von Personen, die sich von der Fürsorge ablösen können, führt zudem die prekäre Integration in den Arbeitsmarkt, z.B. infolge von Zeit-, Ketten- oder Temporärarbeitsverträgen, innert kurzer Zeit wieder in die Sozialhilfeabhängigkeit.
Massnahmen zur erfolgreichen Arbeitsmarktintegration durch eine berufliche Qualifizierung bedürfen verschiedener Strategien. Zuerst sind in jedem Fall Verschuldungsfragen und gesundheitliche Beeinträchtigungen zu entschärfen.
Wer nie einen Beruf gelernt hat, für den sollte eine Qualifizierung im Verbund mit Beschäftigung möglich werden. Wer dagegen seine Berufsausbildung abgebrochen hat, für den ist eine Nachqualifizierung im Verbund mit Beschäftigung angezeigt.
Personen, die nicht die Schweizer Nationalität haben, sollten gezielte Hilfen angeboten werden, einen Zugang zum Ausbildungsplatz zu finden. Laut Umfrage sind Informationsdefizite über das Schweizer Berufsbildungssystem feststellbar.
Viele der Jugendlichen verfügen über ein geringes Selbstwertgefühl und sind unentschlossen. Sie müssen motiviert werden, in der Gegenwart zugunsten einer Berufsausbildung auf Einkommen zu verzichten, um zukünftig mit einem höheren Einkommen und weniger prekären Lebenslagen planen zu können. MD


Schnelle Wiedereingliederung hat Vorrang
Boris Zürcher
Die seit 1.1.2000 bestehende Leistungsvereinbarung seco-Kantone sieht bekanntlich vier Indikatoren vor, mit denen die Wirkung gemessen wird: Erstens die durchschnittliche Anzahl Bezugstage von Arbeitslosenentschädigung, zweitens die Zugänge zur Langzeitarbeitslosigkeit , drittens die Anzahl Aussteuerungen und viertens die Anzahl Wiederanmeldungen innerhalb von vier Monaten. Dabei wird der erste Indikator mit fünfzig, der zweite und dritte mit je zwanzig und der vierte mit zehn Prozent gewichtet.
Während die Vereinbarung als solche unbestritten ist, wird da und dort kritisiert, die schnelle Wiedereingliederung (Indikator 1) erhalte im Vergleich zu der Dauerhaftigkeit (Indikator 4) eine zu starke Bedeutung.
Im Alltagsgeschäft wird nun allerdings der Grundsatz «schnell vor dauerhaft» sehr pragmatisch auf die Bedürfnisse der Stellensuchenden abgestimmt. So können für den einen Stellensuchenden mehrere arbeitsmarktliche Massnahmen (AMM) zur Reintegration in den Arbeitsmarkt nötig sein, während die Personalberatung beim anderen nach eingehender Abklärung eine möglichst rasche Vermittlung in den Vordergrund stellt.
Bei der praktischen Umsetzung bedeutet «schnell» vor allem auch «frühzeitig», und zwar in dem Sinne, dass unmittelbar nach der Anmeldung auf dem RAV mit dem/der Stellensuchenden eine Wiedereingliederungsstrategie ausgehandelt wird. Andernfalls geht wertvolle Zeit verloren. So hat die AMM-Studie (Egger et al. 2000) belegt, dass ein rascher Einsatz von AMM die durchschnittliche Bezugsdauer von Taggeldern sowie die Zahl der Ausgesteuerten wesentlich zu senken vermag. Gleichzeitig zeigen mehrere Studien, dass mit ansteigender Dauer der Arbeitslosigkeit die Gefahr von Langzeitarbeitslosigkeit, Aussteuerung und Wiederanmeldung deutlich steigt. Diese Erkenntnis bedeutet in der Praxis, dass es im Zweifelsfalle besser ist, eine zumutbare Stelle anzunehmen, als auf ein noch besseres Angebot zu warten. VM


Internationale Bildungsmessen ohne Schweizer Beteiligung
Gotthard Frick
In den letzten dreissig Jahren ist ein globaler Bildungsmarkt entstanden, auf dem ein harter Wettbewerb um Kunden, in erster Linie Studentinnen und Studenten, stattfindet. Millionen junger Leute aus aller Welt wollen ausserhalb ihrer Heimatländer studieren - ein Geschäft in der Grössenordnung von Dutzenden von Milliarden Dollars. In einer zunehmenden Zahl von Ländern werden darum immer bedeutendere Bildungsmessen abgehalten - oft mit staatlicher Unterstützung. Neben den traditionellen Ausstellerorten in Grossbritannien, USA oder Frankreich sind neue dazugestossen - Australien, Deutschland, Irland, Japan, Neuseeland, die Niederlande, Russland, Singapore, in jüngster Zeit China, Indien, Italien, Malaysia, Russland, Spanien.
Die Messe in Hongkong etwa wird während der vier Tage von rund 150'000 jungen Leuten, oft in Begleitung ihrer Eltern, besucht. Die Messen sind für sie ideale Orte, um sich unverbindlich über das globale Bildungsangebot zu informieren. In der Regel sind praktisch alle Studienrichtungen vertreten. Auch die prestigeträchtigsten Universitäten sind nicht zu vornehme, durch Teilnahme an Messen und andere Marketingmethoden internationale Studenten anzuwerben. An den MBA-Messen gibt sich praktisch die Weltelite der Universitäten ein Stelldichein.
Mit Ausnahme der Schweizer Hotelschulen und einiger Internate für die Oberschicht glänzt das Schweizer Bildungssystem auf dem Weltmarkt indessen durch Abwesenheit - weder führt es selber solche Messen durch noch beteiligt es sich daran. Das kann auf lange Sicht gravierende Nachteile für unsere Volkswirtschaft nach sich ziehen, gehen im Ausland Studierende - die zukünftigen Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik - doch auf lange Frist emotionale und freundschaftliche Bindungen mit ihrem Gastland ein. DF


Interinstitutionelle Zusammenarbeit immer wichtiger
Viktor Moser
Interinstitutionelle Zusammenarbeit (IIZ) ist bei allen beteiligten Akteuren, welche sich in der beruflichen Wiedereingliederung von erwerbslosen Menschen engagieren, innert kurzer Zeit zu einem zentralen Thema geworden.
Nach einer ersten Sitruationsaufnahme gilt es nun, die IIZ zu institutionalisieren. Ein wichtiger Meilenstein in dieser Richtung sind die Ende September 2001 verabschiedeten Empfehlungen der Konferenz Kantonaler Volkswirtschaftsdirektoren und -direktorinnen (VDK) und der Konferenz Kantonaler Sozialdirektoren und -direktorinnen (SODK), welche sich an die kantonalen und kommunalen Vollzugsorgane richten (Arbeitsmarktbehörden, IV, Sozialhilfe, Berufsberatung). Ziele dieser Empfehlungen sind: Doppelspurigkeiten vermeiden, Abläufe beschleunigen, Wiedereingliederung unterstützen, Marginalisierung von bestimmten Personengruppen verhindern.
IIZ dient also dazu, die individuellen Bedürfnisse genauer und vor allem rascher zu erkennen, um optimale Dienstleistungen anbieten zu können. Der Vorteil für die beteiligten Institutionen liegt darin, dass diese ihre eigenen Kernkompetenzen pflegen und gleichzeitig von anderen profitieren können.
Auf nationaler Ebene sind gezielte Gesetzesanpassungen und intensivere Kontakte unter den betreffenden Bundesämtern vorgesehen.
Zur Zeit laufen verschiedene Pilotprojekte, welche vom seco unterstützt und evaluiert werden. Den Kantonen wird auf Ende 2001 ein Inventar der bisherigen Modelle zugestellt, damit die beteiligten Institutionen voneinander lernen und ihre Kontakte intensivieren können. So hat etwa der Kanton Thurgau bereits wertvolle Erfahrungen in der Zusammenarbeit zwischen Arbeitsmarktbehörden und IV gesammelt.
Noch verhältnismässig bescheiden ist die Vernetzung mit den Arbeitgebern. Positive Ansätze sind aber auch in diesem Bereich vorhanden (z.B. Baselland, Genf).
Kurz, allen Ebenen wird IIZ vorangetrieben. VM


Cité des métiers Genève – erste Bilanz
Yvonne Marie Ruedin
Während 11 Tage, vom 8. bis zum 18. November, haben 26’5000 Genfer Jugendliche und etwa 15'000 Heranwachsende aus den anderen Kantonen der Romandie und dem benachbarten Frankreich die Ausstellung mit ihren 150 Berufspräsentationen besucht. Dies ist ein schöner Erfolg für die erste Genfer Berufswahl-Ausstellung, vergleiche pan1532 und bbaXXXX in www.infopartner.ch! Die 1000 Klassen aus dem Kanton Genf und die Jugendlichen aus der Umgebung nahmen die Ausstellung geradezu in Besitz. Munter und lebhaft wurde sie so zu einer Stadt der Jungen.
Deutlich wurde die Bedeutung der Vorbereitungsarbeit in den Klassen. Erst durch eine Einführung in die Bedeutung der Ausstellung, durch die Präsentation der vorgestellten Berufe und Ausbildungen wurde sie zu einem Schritt in einer Berufsorientierung. YMR/Wt






Downloads
Documents / Zusatzdokumente: