Zusammenfassungen
Bedarfserhebung im Informatikbereich in der Westschweiz und im Tessin
Pierre Gfeller, Alexandre Meyer
Die Durchführung der Erhebung im Informatikbereich erwies sich als komplex, ist der Sektor doch noch wenig strukturiert. ORTE - das «Beschäftigungsobservatorium für die Westschweiz und das Tessin» - wollte nicht wissen, wie viele Informatikerinnen und Informatiker unser Land braucht, sondern vielmehr, welche Typen von Berufsleuten und Kompetenzen die Unternehmen suchen. Die Studie zeigt, dass nahezu die Hälfte der im offenen Stellenmarkt (Inserate in Printmedien) ausgeschriebenen Berufe den Bereich «Unterhalt und Hilfestellung» betreffen. Ein weiteres Viertel bezieht sich auf Beschäftigungen rund um den «Support», womit diese beiden Kategorien zusammen rund drei Viertel der von den Unternehmen gesuchten Berufe ausmachen. Der Arbeitsmarkt braucht somit nicht nur Fachpersonen mit höherer Ausbildung; diese werden in der Regel für Verwaltungs- oder Entwicklungsaufgaben gesucht. Der Markt benötigt im Gegenteil auch Fachkräfte mit einem Abschluss auf den Ebenen eidg. Fähigkeitszeugnis, Technikerschule (TS) oder Höhere Technische Lehranstalt (HTL). YMR/RB
Die Sekundarstufe II «in corpore»
Peter Gentinetta, Madeleine Zulauf
Die Projektgruppe Sekundarstufe II arbeitete im Auftrag von EDK und BBT von 1996 bis 1999. Der Schlussbericht «Die Sekundarstufe II hat Zukunft/Le secondaire II à venir», erschienen 2000, beschreibt die jüngste Entwicklung und die gegenwärtige Lage der Sekundarstufe II, definiert ihre neuen Zielsetzungen und entwickelt Massnahmen für eine verbesserte Kohärenz. Eine einseitig statische Sicht auf das Bildungswesen verkennt seine Dynamik und Veränderungen. Wird aber die Sekundarstufe II als lebendiger Organismus oder als Körper, der sich ständig entwickelt, wahrgenommen, liegt die Frage nahe: «Was braucht dieser Körper zu seiner harmonischen Entwicklung?» Er braucht einen kräftigen Knochenbau und bewegliche Gelenke. Die zur Strukturverbesserung vorgeschlagenen Massnahmen wollen das Vorhandene konsolidieren (z.B. für die Diplommittelschule den Anschluss an den Tertiärbereich sicherstellen, indem eine Berufsmaturität oder ein spezieller Typ von Maturität eingeführt wird) und gemischte Bildungsgänge ausbauen. Damit liessen sich Züge der Berufsbildung und der Allgemeinbildung miteinander kombinieren, was eine Verlängerung der Bildungsdauer auf der Sekundarstufe II verhindern und Doppelqualifikationen ersparen könnte. Er braucht frisches Blut und elastische Blutgefässe. Die wichtigste Massnahme, um die Bildungsinhalte zu erneuern, ist die Ausarbeitung eines schweizerischen Referenzsystems für die Sekundarstufe II. Im Besonderen beinhaltete das System die Schlüsselkompetenzen sowie die Grundlagenfächer und gestattete eine Überarbeitung der Rahmenlehrpläne. Er braucht ein leistungsfähiges Gehirn und solide Nervenstränge. Die Projektgruppe rät zu einer Annäherung und besserer Koordination der Steuerungsinstanzen. Die Lenkung der Sekundarstufe II sollte von einem Zentrum aus erfolgen, das - wie das Gehirn - zwar aus zwei Hälften (Bund und Kantone) besteht, die aber gut koordiniert sind. Einen Schritt in diese Richtung stellt die Schaffung eines schweizerischen Kompetenzzentrums für die Sekundarstufe II dar. Die Sekundarstufe II ist als erster nachobligatorischer Abschnitt ein entscheidender Zeitraum im Ausbildungsparcours der jungen Menschen. Alle zuständigen Verantwortlichen sind daher eingeladen, mit Ausdauer, weitsichtig und inspiriert die Entwicklungen dieser Stufe zu fördern. Der Schlussbericht kann zum Preis von Fr. 20.- bezogen werden bei: Sekretariat EDK, Zähringerstrasse 25, Postfach 5975, 3001 Bern. PG
Das Angebot erweitern - aber wie?
Daniel Fleischmann, Karl Abegg
Kein anderes Stichwort aus dem Bericht «Berufsberatung der Zukunft» hat so viel zu reden gegeben wie der Vorschlag für ein «erweitertes Angebot» in der Berufsberatung. Drei Jahre nach Erscheinen dieses Berichtes sind einzelne Projekte realisiert. Das herausragendste davon stellt gesamtschweizerisch das Centre de bilan in Genf dar. In enger Zusammenarbeit mit Arbeitgebern, Gewerkschaften und den Bildungsverantwortlichen hat die Berufsberatung Genf ein Zentrum zur beruflichen Standortbestimmung, Abklärung und Evaluation der Fähigkeiten geschaffen. Im Laufbahnzentrum der Stadt Zürich ist zudem ein neues Angebot an Beratungsleistungen für Firmen angelaufen. Und an verschiedenen Orten engagiert sich die Berufsberatung auch bei der Realisierung von Angeboten für das schweizerische Qualifikationshandbuch CH-Q. Zum Teil führen Beratungsstellen selbst Kurse durch, organisieren solche und begleiten sie auf fachlicher Ebene. Wie eine Tagung des SVB im vergangenen Mai zeigte, sind dennoch erst einzelne Stellen in der Lage, ihr «Angebot zu erweitern». Die Gründe dafür sind vielschichtig: Für die Entwicklung von marktfähigen Angeboten und die Ausbildung von entsprechend ausgebildeten Fachkräften sind Investitionen nötig, die nur wenige Kantone oder Stellen zu leisten bereit sind. Zudem fehlt es an einer gesamtschweizerischen Koordination für die Entwicklung eines erweiterten Angebots. Will sich die Berufsberatung nicht auf ein eingeschränktes Leistungsangebot reduzieren lassen, müssen auch überkantonale Schritte erfolgen, die eine koordinierte, öffentlich wahrnehmbare Erweiterung des Angebots in allen Kantonen erlauben. An der dreitägigen Tagung vom Mai wurde spürbar, dass bei aller Verschiedenheit der entwickelten Angebote ein Verbund der Angebote über die Kantonsgrenzen hinweg gewünscht wird. Dieser Verbund setzt einen starken Verband voraus, der fachliche Führung übernehmen könnte. DF
Wie berät man «Ausgelernte»?
René Anderhub
Jugendliche sind mit 20 Jahren gegenüber der Berufswahl gegen Ende der Sekundarstufe I stark veränderte Persönlichkeiten. Sie sind für die Berufs- und Laufbahnberatung schwer zu erreichen - zu stark ist in der Regel die Fixierung der Jugendlichen auf die Lehrabschlussprüfung, zu stark ihr Bedürfnis, einmal frei zu sein von allem, was mit Bildung zu tun haben könnte. Auf der Basis der Erkenntnis, dass Laufbahnberatung für Jugendliche in der Lehre während der gesamten Grundausbildung ein Thema sein sollte, wurde im Rahmen des Lehrstellenbeschlusses 1 das Projekt «Laufbahnplanung nach der Grundausbildung» lanciert. Ziel: «Lehrkörper von Berufsschulen der Sekundarstufe II werden befähigt, die Thematik der Laufbahnplanung im Unterricht selbständig und/oder in Zusammenarbeit mit Berufsberatungen sowie Personal- und Ausbildungsverantwortlichen in den Betrieben professionell zu vermitteln.» In der Zeit vom 1. Mai 1999 bis in den Herbst 2000 wurden an insgesamt 47 Berufsschulen der deutschen Schweiz Ausbildungskurse mit grossem Erfolg durchgeführt. Die erwartete Transferwirkung im Projekt (informierte Lehrkräfte geben ihre erworbenen Kompetenzen an die Lernenden weiter) ist umso nachhaltiger einzustufen, als viele der Teilnehmenden im Verlauf der Kurse erkannt haben, dass Überlegungen zur Laufbahngestaltung mit ihrem Leben ebenfalls zu tun haben. Viele Lehrkräfte fühlen sich jedoch in Bezug auf ihr Fachwissen bei der Vermittlung der Laufbahnplanungsthematik bei den Lernenden schnell einmal überfordert. Hier empfiehlt das Projekt entweder die professionelle Weiterbildung einzelner oder aller Lehrkräfte einer Schule oder die intensive Zusammenarbeit mit den Laufbahnberatungsstellen und den Laufbahnberatenden. Wenn die Zusammenarbeit mit den Laufbahnzentren im Sinne prozessorientierter Ausbildung wirksam werden soll, müssen Laufbahnberatungsstellen integrierter Bestandteil in Bildungszentren der Sekundarstufe II werden. Zu fordern ist zuletzt eine Fortsetzung der Kurse in der deutschen, aber auch in der französischen und italienischen Schweiz. Wünschbar wäre zudem die Übersetzung der Ausbildungswerke «Laufbahnberatung nach der Grundbildung» (Schmid & Barmettler) und «Whats's up?» in die französische und italienische Sprache, um die Ausbildung auch in diesen Landesteilen vorantreiben zu können. Auf dem Gebiet der Laufbahnplanung ist das Unterrichtsmaterial in allen Landesteilen nach wie vor ausserordentlich mager. DF
Arbeitslosenversicherungsgesetz: «Technische» Revision für eine Leistungs- und Kostenoptimierung»
Ueli Greub
Der Bundesrat hat mit Entscheid vom 15. November 2000 die sogenannt «technische» Revision des Arbeitslosenversicherungsgesetzes (AVIG) und die damit verbundene Revision der Arbeitslosenversicherungsverordnung (AVIV) auf den 1. Januar 2001 in Kraft gesetzt. Ziel der «technischen» AVIG-Revision ist die Leistungs- und Kostenoptimierung des heutigen Vollzugs der Versicherung. Künftig sollen sich die Leistungsvereinbarungen mit den Kantonen an den erzielten Wirkungen und nicht mehr an den erbrachten Leistungen orientieren. Diejenigen mit den Trägern der Arbeitslosenkassen sollen einheitlich nach einem Pauschalentschädigungssystem abgerechnet werden. Die Kantone und die Träger der öffentlichen und privaten Arbeitslosenkassen erhalten damit einen grösseren Gestaltungsspielraum mit finanziellen Anreizen. Dies soll einen effizienteren Einsatz der Mittel bewirken. Die grössere Autonomie bedingt eine erhöhte Eigenverantwortung: Bei falscher Gesetzesanwendung sollen Kantone und Kassenträger stärker in die Pflicht genommen werden. Diese Haftungsverschärfung wird durch die Einführung einer Haftungsrisikovergütung und einer Haftungsrisikoversicherung gemildert. Die neue Leistungsvereinbarung mit den Kantonen bedingt die Abschaffung des Mindestangebotes an arbeitsmarktlichen Massnahmen. Dadurch werden die Kantone nur noch diejenigen Massnahmen anbieten, die für die Erreichung einer raschen und dauerhaften Vermittlung wirklich nötig sind. Mit der Abschaffung ist eine neue Berechnungsgrundlage für die Beteiligung der Kantone an den Massnahmekosten verbunden, welche sicherstellt, dass nicht einfach aus Spargründen keine oder weniger Massnahmen angeboten werden. Diese Revision geht auf die Motion von Altnationalrat Jean-Pierre Bonny über die Prüfung der Vollzugsstruktur der Arbeitslosenversicherung zurück. VM
Reif für die Lerninsel
Kurt Aldorf, Cornelia Böddeker, Annelis Bernhard
Das Kantonsspital Basel setzt für die Vermittlung der praktischen Kompetenzen in der Ausbildung in Gesundheits- und Krankenpflege auf das Modell der «Lerninsel». Die Besonderheit der Lerninsel besteht darin, dass neben der Arbeitsinfrastruktur auch eine Lerninfrastruktur in Form eines standardisierten Ablaufs und verschiedener Instrumente und Methoden zur Verfügung steht. Die einzelnen Lerninseln sind Teile bestehender Organisationseinheiten des Spitals, wie Stationen oder Polikliniken. Eine bestimmte Anzahl Patientinnen und Patienten werden von Pflegenden und Lernenden gemeinsam betreut. Das Lernangebot ist durch Profil und Leistungsauftrag der verschiedenen Stationen vorgegeben. Die auf der Lerninsel eingesetzten diplomierten Pflegenden sind pädagogisch ausgebildet und mit den erforderlichen methodischen Instrumenten vertraut. Sie werden von Ausbildungsverantwortlichen unterstützt. Die Ausbildung ist als Lernzyklus gestaltet und umfasst drei Lernphasen: Einführung/Einarbeitung, Training, Kompetenz. Sie dauert insgesamt vier bis fünf Monate. Für jede Phase sind Ziele detailliert formuliert. Ihre Erreichung wird überprüft und dokumentiert. Die Ausbildung wird mittels der Moderationsmethode begleitet; die tägliche Arbeitsplanung und -reflexion sowie in regelmässigen Abständen Fallbesprechungen werden mit den Lernenden gemeinsam durchgeführt. Der Aufwand ist bei der Einführung beachtlich, zahlt sich jedoch wieder aus. Die Ausbildung der für die Lernbegleitung Zuständigen wird als Personalentwicklungsmassnahme verstanden. Die Stationsleitung und das gesamte Personal einer Station lernen durch die Definition der Lernangebote das Stationsprofil kennen. Sie können dieses Wissen in vielfältiger Art und Weise auch in ganz anderen Zusammenhängen nutzen. Die Sicherheit und Qualität der Betreuung von Patientinnen und Patienten ist mit der Aufsicht und Begleitung der Auszubildenden durch die Pflegenden gewährleistet.
Von der Schule zur Werkbank
Daniel Fleischmann
Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik nutzen in diesem Jahr gesamtschweizerisch 7173 Jugendliche so genannte «Brückenangebote». So unterschiedlich diese Angebote sind - sie alle stützen die Jugendlichen beim Übertritt von der Schule in die Berufs- und Erwachsenenwelt. Wichtige Träger von Brückenangeboten sind die Berufswahlschulen, die eine enge Vernetzung von theoretischem Lernen und praktischem Tun anstreben. Wie das Beispiel der Berufswahlschule im zürcherischen Bülach zeigt, zielen praktische Einsätze in der Arbeits- oder Berufswelt weniger auf die Vermittlung von handwerklichen Fähigkeiten als auf den Erwerb von menschlichen und methodischen Kompetenzen. Während an anderen Orten die Jugendlichen an Praktikumsplätzen ausserhalb der Schule im Einsatz sind, sind sie in Bülach unter Anleitung von Berufsleuten in schulische Projekte involviert, die reale Arbeitssituationen schaffen. Hier wie dort geht es darum, Tugenden wie Pünktlichkeit, Einsatz- und Durchhaltewillen oder Konfliktfähigkeit zu üben oder methodische Fähigkeiten zu erwerben (Zeitplanung, Ordnung halten, ein Thema in einem Vortrag präsentieren usw.). Nicht zuletzt ermöglicht der geschützte Rahmen von Berufswahlschulen den Jugendlichen auch, Erfolgserlebnisse zu haben und damit ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Von den Schulabgängern schafften im vergangenen Jahr in Bülach 98 Prozent den Übertritt in eine Lehre oder Anlehre. DF
Traumziel Journalismus
Antoinette Schwab
Quer durch alle Medien herrscht Goldgräberstimmung, nicht nur im Bereich der Neuen Medien. Journalisten sind zurzeit sehr gefragt. Eine einheitliche Ausbildung für diesen herausfordernden Beruf gibt es jedoch nicht. Viele Wege führen in den Journalismus, manche davon stehen auch Quereinsteigenden offen. Das journalistische Handwerk kann man sich in der Schweiz an Universitäten, Fachhochschulen, Journalistenschulen oder in Stages aneignen, oder durch Learning by Doing. Rund 15 Prozent aller Medienschaffenden in der Schweiz haben keine journalistische Ausbildung, allerdings mit sprachregionalen Unterschieden. In der Romandie liegt dieser Prozentsatz mit nur gerade 6 Prozent deutlich tiefer und für die Eintragung ins Berufsregister (BR) wird im Gegensatz zur Deutschschweiz eine Ausbildung vorausgesetzt. Noch bis weit in die 80er Jahre bezweifelten Verleger, dass man Journalismus überhaupt lernen kann. Journalismus wurde als Begabung betrachtet, als Kunst. Seither hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Journalismus wird als lernbar, eine journalistisch-handwerkliche Ausbildung immer mehr als notwendig betrachtet. Auch solides fachliches Wissen scheint mehr und mehr gefragt. Bereits weisen 44 Prozent aller Medienschaffenden in der Schweiz einen Hochschulabschluss auf. Tendenz steigend. Im internationalen Vergleich weist die Schweiz eine überdurchschnittlich hohe Journalistenzahl auf. Trotzdem ist die Chance auf eine Festanstellung gross. Der typische Schweizer Journalist ist männlich, knapp über 40 Jahre alt, verfügt über ein abgeschlossenes Hochschulstudium und verdient etwa 6300 Franken. Nur etwa ein Drittel sind Frauen. Obwohl sie in der Regel besser ausgebildet sind, verdienen sie deutlich weniger als die männlichen Kollegen. AS
Validierung der Berufserfahrung: Evaluation des Walliser Experiments
Daniel Cordonier
Im Wallis ist seit 1997 ein offizielles Verfahren für die Validierung der Berufserfahrung in Kraft. Es liegt im Verantwortungsbereich des Amtes für Berufsberatung. Eine Erhebung bei 136 Personen im Juni 2000 hat ergeben, dass das Attest der Validierung der Kompetenzen die berufliche Wiedereingliederung der nicht qualifizierten Erwerbslosen positiv beeinflusst. Personen, deren Kompetenzen validiert werden, fühlen sich selbstsicherer, sind öfter erwerbstätig und behalten ihre Stelle länger.
«Brücken» in den Betrieb
Simon Darioli, Christine Bosi, Marie-France Buchs
Gemeinsam mit Unternehmen und Arbeitgeberorganisationen haben im Kanton Wallis das Amt für Industrie, Handel und Arbeit, die Kantonale IV-Stelle und der Sozialdienst eine Vereinigung gegründet, welche die Reintegration von schwer vermittelbaren Menschen in die Arbeitswelt fördern will. Wichtigste Zielgruppe sind kleinere und mittlere Betriebe (KMU), welche von allem Anfang an in die Aktionen eingebunden werden. Auf diesem Weg wollen die Initianten sowohl den Interessen der Unternehmen wie jenen der sozialen Institutionen gerecht werden. Die zahlreichen Einzelinitiativen sollen gebündelt werden und eine politische Dimension erhalten. Das Modell ist offen konzipiert und stellt den Beteiligten Umfang und Form ihres Engagements frei, wobei eine Zertifizierung nach genau definierten Kriterien vorgesehen ist. Ein Steuerungsausschuss fördert und koordiniert die Aktivitäten der Betriebe. Denkbar sind auch methodische Unterstützung, Vernetzung mit ähnlichen Organisationen und mit der Forschung sowie eine breit abgestützte Öffentlichkeitsarbeit. Im November 2000 hat sich ein Steuerungsausschuss mit fünf Vertretern von Betrieben und Arbeitgeberorganisationen und drei Vertretern der öffentlichen Dienste konstituiert. VM
Zusammenarbeit RAV-LAM: Viele Wege - ein Ziel
Heinz Michel
Unter dem Titel "Das Zusammenwirken von RAV und LAM" hat das seco kürzlich eine sehr gut besuchte Tagung durchgeführt. Die Vereinbarung RAV/LAM/Amtsstelle, welche die Wirkung ins Zentrum stellt, ruft tatsächlich nach neuen Kooperationsformen zwischen RAV und LAM. Die konkrete Umsetzung kann dabei je nach Kanton verschieden sein, doch macht es natürlich Sinn, Erfahrungen mit bereits bestehenden kantonalen Modellen kennenzulernen. So wurden an der Tagung Erwartungen an die Zusammenarbeit zwischen RAV und LAM formuliert, aus welchen die Teilnehmenden eines jeden Kantons eine für sie passende Charta erarbeiteten. Generell besteht darüber Einigkeit, dass - bei klarer Kompetenzregelung - die LAM verantwortlich für Bedarfsermittlung und Qualitätssicherung der arbeitsmarktlichen Massnahmen (AMM) ist, während deren operative Umsetzung bei den RAV liegt. Wichtig ist ein ständiger Informationsfluss, welcher auch die Bedürfnisse der Stellensuchenden und der Unternehmen mit einbezieht. Die Teilnehmenden erprobten an der Tagung das Denken in Prozessen und fanden dabei folgende kritische Erfolgsfaktoren heraus: 1. Die RAV-Mitarbeitenden kennen die AMM-Produkte. 2. Die Marktkenntnis des RAV fliesst in die AMM-Produkteinnovation. 3. LAM kann schnell auf veränderte Marktbedürfnisse reagieren. Die abschliessende Vorstellung von verschiedenen kantonalen Lösungsansätzen zeigte eine bunte Vielfalt und machte klar, dass jedes Modell Chancen und Gefahren in sich birgt. Die Tagung hat die laufenden Integrationsprozesse zwischen LAM und RAV gefestigt und dynamisiert. VM
Arbeitsamt der Stadt Zürich von Kanton übernommen
Ruedi Winkler
Am 1. Januar 2001 ist das Arbeitsamt der Stadt Zürich, unmittelbar nach seinem hundertjährigen Jubiläum, vom Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich (AWA) übernommen worden. Im Anschluss an die AVIG-Revision 1995 wurden die ersten Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) nicht im Kanton, sondern in der von der Arbeitslosigkeit besonders stark betroffenen Stadt Zürich errichtet. Nachdem nun das seco einen neuen Leistungsauftrag an die kantonalen RAV formuliert hatte, entschloss sich die Stadt, jene Aufgaben an den Kanton zu übertragen, für die er eigentlich zuständig wäre. Betroffen von dieser Strukturveränderung waren nun eben auch die RAV und die Abteilung Bildung und Transfer (LAM). Im Zusammenhang mit dieser Veränderung hat der ehemalige Direktor des städtischen Arbeitsamtes, Ruedi Winkler, rückblickend ein paar persönliche Gedanken zur Erwerbslosigkeit angestellt. So ist es für ihn unverständlich, dass Stellensuchende, welche den grössten Teil ihres Lebens als Arbeitnehmende verbringen, immer noch als arbeitsscheu bezeichnet werden. Mehr als fragwürdig ist für ihn auch die Tatsache, dass bei Arbeitnehmenden von "Motivation", bei Arbeitslosen indes von "Zumutbarkeit" und "notwendigem Druck" gesprochen wird. Kritisch geht Winkler auch mit der vorherrschenden Arbeitsmarktpolitik ins Gericht, welche eine echte Prävention blockiere. VM
Berufsmaturität auf dem Prüfstand: Bilanz nach fünf Jahren
Margret Martin-Jahncke
Seit 1995 wird die Berufsmaturität evaluiert. Im Rahmen einer am 16. November 2000 in Bern veranstalteten Tagung wurden die wichtigsten Ergebnisse vorgestellt. Die bisherigen Untersuchungen zeigen, dass die Einführung alles in allem erfolgreich über die Bühne gegangen ist. Allerdings bräuchten die Schulen bei der Umsetzung mehr Unterstützung. Wichtig für die Zukunft der BM ist die Frage, welche Möglichkeiten Absolventinnen und Absolventen beim Übertritt in die Tertiärstufe haben und wie sie auf dieser Stufe reüssieren. Künftig soll die wissenschaftliche Evaluation der BM um eine aktive Umsetzungsstrategie ergänzt werden. Dazu soll die Gruppe «Strategie BM» eingesetzt. werden. AM
Berufsberatung: Auswirkungen der Globalisierung
Yvonne-Marie Ruedin
Die Auswirkungen der Globalisierung der Wirtschaft sind in der Schweiz seit rund einem Jahrzehnt spürbar. Den Veränderungen und dem gesellschaftlichen Umbruch, die sie auslöst, muss die Berufsberatung etwas entgegensetzen. Sie muss sich weiterentwickeln, damit sie ihrer Rolle den Ratsuchenden die Integration in die Gesellschaft zu erleichtern möglichst gerecht werden kann. Sie muss die Einzelnen und die Bevölkerungsgruppen, denen die Marginalisierung droht, identifizieren. Es ist wichtig, dass die Berufsberatung neue Nischen ausfindig macht, in denen sie eine Führungsrolle beanspruchen kann. YMR/BR
Die Frage der alternierenden Berufsbildung in Frankreich
Jacques Amos
In Frankreich, einem typischen Vertreter der Länder mit betont schulischer Berufsausbildung, hat sich dennoch im Laufe der letzten Jahre ein bedeutender Zuwachs an alternierenden Ausbildungen ergeben, vornehmlich in Form betrieblicher Lehrlingsausbildungen. Alternierende Ausbildungsformen führen heute zu einem Viertel der ausgestellten Fachdiplome. Gesetzesänderungen und das Zurückgreifen auf spezielle Einrichtungen bei Eingliederungsschwierigkeiten von Jugendlichen haben zu dieser Entwicklung beigetragen. Die Diskussion über das Alternieren ist einerseits den Problemen gewidmet, die mit einer vom schulischen Modell geförderten Zentralisierung zusammenhängen. Die Arbeitgeberschaft ist darüber geteilter Meinung. Die Chefs der kleinen und mittleren Betriebe misstrauen der Schule ebenso wie jene der Grossindustrie, während Betriebe mit schneller Technologie-Entwicklung und einer starken Orientierung auf internationale Konkurrenz die allgemeine Ausbildung mit standardisierten Titeln bevorzugen. Andererseits spielt beim Umsetzen der Programme die Organisation der Fachausbildung und die Rekrutierung des Lehrkörpers eine Rolle. Die Entfernung von der beruflichen Praxis begünstigt gegenüber dem Produktionsprozess einen Zugang mit Augenmerk auf die Theorie der technischen Gegenstände selbst. JA/BR
In Frankreich gehen die Lehrlinge auf die Universität
Geneviève Candau
Lehrlingsausbildungen an der Universität haben sich in Frankreich ab 1987 entwickelt. Damals wurde den Universitäten per Gesetz gestattet, Diplomausbildungen in Form von Lehren anzubieten. Die Universitätsinstitute für Technologie waren unter den ersten, die innerhalb des französischen Universitätssystems diese völlig neue Methode entwickelten. An der Universität Haute-Alsace kann man sich im Rahmen von Lehrlingsausbildungen auf fünf Universitätsdiplome für Technologie vorbereiten, auf Industrie- oder Tertiärsektor. Ungefähr 200 Lernende erwerben ihre Ausbildung auf diesem Weg, während etwa 900 andere das selbe Diplom auf klassische Weise anstreben (99/2000). Die im Rahmen einer Lehre erworbenen Universitätsdiplome für Technologie wurden mit Pragmatismus und Begeisterung zugleich ins Leben gerufen, auf der Grundlage einiger recht einfacher Grundsätze pädagogischer Organisation, sodass die Partnerschaft mit dem Betrieb problemlos integriert werden konnte. Es bleiben jedoch noch einige offene Fragen: Kann man das selbe Diplom auf verschiednen Wegen erwerben? Was und wie lernt man im Betrieb? Welche pädagogischen Beziehungen bestehen zwischen beiden Ausbildungsorten (Schule und Betrieb)? Der Wechsel von einem zum anderen ist vielleicht weniger eine Frage der Organisation oder der Massnahmen, als eine der Einrichtung von Ausbildungsstätten und -zeiten, um jedem Lehrling die Möglichkeit zu bieten, innerhalb seiner persönlichen Organisation Fortschritte zu erzielen und seine Kenntnisse aufzubauen. Es zeichnet sich dann die Frage einer Individualisierung der Ausbildung ab. GC/BR
Wie beurteilen Auszubildende ihren Beruf?
Sabine Guntern, Manfred Kuonen
In der Berufs- und Laufbahnberatung stellt sich oft die Frage, welche Anforderungen Berufe stellen. Um Angaben dazu aus erster Hand zu erhalten, befragte das Amt für Studien- und Berufsberatung Oberwallis 610 Lehrtöchter und Lehrlinge, welche Tätigkeiten sie in ihrem Beruf als wichtig erachten. Für die Beschreibung der beruflichen Umwelten wurde das Umwelt-Modell von Holland herangezogen - ein Instrument, das aus 60 Tätigkeiten besteht. o Die mechanischen und haustechnischen Berufe (ANAP, Automonteur, Elektromonteurin, Heizungsmonteur, Mechanikerin, Metallbauschlosser und Sanitärmonteurin) weisen eine R-C-Codierung auf. Diese Tätigkeiten verlangen also Kraft, Koordination und Handgeschicklichkeit. Zudem erachten es die Auszubildenden als wichtig, dass die Aufgaben strukturiert sind und zu sichtbaren Ergebnissen führen. o Die kaufmännischen Berufe und der Verkauf (KV, kaufmännische Berufsmatura, Verkauf und Detailhandel) lassen sich eindeutig durch eine C-E-S-Codierung charakterisieren. Personen, die sich für einen kaufmännischen Beruf interessieren, sollten nach Meinung der Auszubildenden strukturiert arbeiten können, wirtschaftliche Überlegungen in ihre Handlungen mit einbeziehen und Freude am Umgang mit anderen Menschen haben. o Eine dritte Kategorie bilden schliesslich die Berufe, bei denen eine A-Dimension in der Holland-Codierung festgestellt werden kann: Bauzeichner, Koch, Malerin, Maurer und Schreinerin. Die Auszubildenden dieser Berufe sind der Meinung, dass in ihren Tätigkeitsbereichen auch eine künstlerische Komponente vorhanden ist. Auffallend ist, dass der Beruf des Coiffeurs kein kreatives Element beinhaltet, was eigentlich erwartet wurde. DF
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